Sandy auf Kuba: Desaster für die ehemalige Hauptstadt

Der Hurrikan Sandy hat die schlimmsten Erwartungen in Santiago de Cuba übertroffen. Die ehemalige Hauptstadt Kubas wurde vom Tropensturm voll erwischt. Die Schäden sind verheerend – auch, weil lange kaum in die Bausubstanz investiert wurde.

Die Bilanz zwei Wochen nachdem Sandy bei Santiago de Cuba auf Land traf, könnte kaum verheerender sein. Eine Millionen Menschen sind betroffen, darunter die rund 600.000 Santiagueros, 200.000 Häuser sind beschädigt oder zerstört, und die Versorgungslage ist kritisch. So kritisch, dass die Regierung in Havanna beim Welternährungsprogramm um Hilfe nachgesucht hat. Das will nun 500.000 Menschen im Osten der Insel mit Nahrungsmitteln unterstützen, um die Not in der wirtschaftlich gebeutelten Region zu lindern.

Der Osten Kubas hat in den letzten Jahren immer wieder Rückschläge erlitten. Mehrere Jahre hatten die Bauern mit Dürren zu kämpfen, wovon die Bauern zwischen Holguín und Guantánamo betroffen waren, und die gesamte Region hinkt wirtschaftlich ohnehin Regionen wie Cienfuegos oder Havanna, die Hauptstadt, hinterher. “Hier ist die produktive Infrastruktur in den letzten Jahren zurückgegangen. Wir müssen selbst einfachstes Gerät wie Gummistiefel, Macheten und Hacken aus dem Ausland importieren, weil die regionale Produktion nicht funktioniert”. erklärt eine Entwicklungshelferin, die im Ostend der Insel arbeitet. Parallel dazu fehlte es es in den letzten Jahren immer wieder an Baumaterialien, und in den Erhalt der Substanz wurde kaum oder gar nicht investiert.

Zudem ist Abwanderung im Osten der Insel seit Jahren ein Problem. Die Landwirtschaft in der Region, die früher für die Kaffee- und Kakaoproduktion bekannt war, hat einen schwierigen Stand. Erst vor drei Jahren sorgte die verheerende Kaffeeernte dafür, dass Kuba auf dem Weltmarkt für 50 Millionen US-Dollar Kaffee für die Versorgung der Bevölkerung einkaufen musste.

Und dann Sandy. Der Hurrikan hat die Region voll erwischt. Bisher ist es den Technikern noch nicht wieder gelungen, die Stromversorgung flächendeckend wieder herzustellen. Mindestens einhunderttausned Hektar Ackerland soll verwüstet worden sein, wodurch in den nächsten Monaten die Versorgungslage für die ganze Insel schwieriger werden dürfte. Zusätzliche Importe von Nahrungsmitteln könnten notwendig werden, denn die Nothilfe vom Welternährungsprogramm läuft in der Regel nur ein paar Wochen. Was danach passiert, ist unklar. Für die Region hat sich  Sandy als der schlimmste Hurrikan seit mehr als einem halben Jahrhundert entpuppt. Hilfe benötigt nicht nur Kuba, sondern auch das bettelarme Haiti.

Kommentare (2)

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  1. Seitens der Behörden wurde nach Sandy, soweit beurteilbar, sehr gute Arbeit geleistet. Um nicht nur die Region, sondern das ganze Land wieder unabhängiger von Lebensmittelimporten vorallem heimischer Güter wie Kaffee und Zucker zu machen, muss der grosse Weltpolizist USA endlich dieses illegale Embargo kippen. Vieles, was Kuba am Weltmarkt kauft, kauft es zudem noch zu überhöhten Preisen, da diverse Institutionen und Firmen nicht mit Kuba handeln dürfen, selbst wenn sie wollten. Es ist eigentlich ein Wunder, dass das Land wenigstens noch halbwegs funktioniert. Shame on you, USA, shame on Torricelli, Helm and Burton!

  2. Alle Jahrzehnte erleiden Nationen in der Karibik und dem Golf von Mexiko, auch Florida ueberwaeltigende Hurrikane. Teilweise nuetzt die beste Baumethode nicht genug. Man faengt immer wieder von vorn an. Zumindest gibt es keinen kalten Winter und alles waechst schnell wieder und das ganze Jahr.