Anden-Salat

Wer meint, dass Salat nur auf  in flachen holländischen Treibhäusern wächst, den belehrt Laureano Casas eines Besseren. Auf 2500 Meter Höhe baut der Bio-Landwirt auf seinen Terrassen den knackigsten und schmackhaftesten Salat an, den es in Lima zu kaufen gibt. Und das zwei Autostunden von der Hauptstadt entfernt, da, wo die Strasse in einer steilen Schlucht in das Zentralmassiv der Anden hochsteigt und nur kahle hochaufragende Berge den Weg säumen.  Eine gute Stunde wandert man vom Dorf San Jeronimo de Surco rund 500 Höhenmeter die steilen Berge hoch und danach auf einem schmalen Grat immer am Rande des Abgrunds um den Berg herum, bis die grünen Terrassen von Laureano und Teresa Casas erscheinen. Inmitten der kahlen Berghänge stehen Gemüserabatten voller Ruccola-Salat, Radieschen, Karotten, Löwenzahn, Baby-Spinat und Lattich.

 

Jeden Tag steigen Laureno und Teresa zu Fuss zu ihren Feldern hoch -  Teresa auch mal auf dem Esel – um dort zu säen, Unkraut zu jäten, hacken und ernten.

 

62 Jahre alt ist der Gemüsebauer aus dem Dorf San Jeronimo de Surco  und seit 20 Jahren setzen er und seine Frau Teresa auf Bio.  Eine Nicht-Regierungsorganisation hatte damals den ökologischen Anbau in den Dörfern der “Sierra Central”, rund 2 Stunden von der Hauptstadt Lima entfernt, propagiert. Bei Laureano Casas stiess diese Botschaft auf offene Ohren, “ich hatte immer viel gelesen, wollte Neues ausprobieren”, erzählt der schlaksige hochgewachsene Mann. Das Neue hiess, auf die Schädlingsvertilgungsmittel zu verzichten. Zuerst war es schwierig Abnehmer zu finden, die Familie mit ihren vier Kindern konnte mehr schlecht als recht vom ökologischen Gemüseanbau leben. Bis im Jahr 2001 ein paar Produzenten begannen im reichen Stadtteil Miraflores in Lima jeden Samstag Bioprodukte auf einem eigenen Bio-Markt zu verkaufen. Schnell entwickelte sich der Markt zum Anziehungspunkt für alternativ lebende Peruaner ebenso wie für die vielen in Miraflores lebenden Ausländer. Heute bauen Lareano und Teresa Casas auf 13 Hektar – verteilt auf unzählige kleine Terrassenfelder – nicht nur Gemüse, sondern auch Obst an: Äpfel, Chirimoya, Avocado. “Wir können die Nachfrage gar nicht bedienen”, erzählt Laureano, “um 11 Uhr morgens haben wir manchmal schon keine Ware mehr”. Warum dann nicht mehr anbauen ? Das Problem sind die Arbeitskräfte. Auch bei guter ortsüblicher Bezahlung (10-15 Euro Tageslohn) für Landarbeiter, scheuen die meisten Jugendlichen die anstrengende Arbeit im Freien. Sie waschen lieber – selbst für weniger Geld – Lastwagen oder arbeiten am Verkaufsstand an der Landstrasse.

Jimmy, der Sohn von Laureano und Teresa, dagegen findet Freude an der Landwirtschaft. Er und seine Freundin werden den Betrieb der Eltern übernehmen. Vor kurzem hat er in einen kleinen Laster investiert, damit kann er die Ware – die sie auf mehreren Eseln jeden Freitag und Samstag abend ins Tal herunterbringen – selber nach Lima fahren und auch Frachtdienste für andere Gemüsebauern übernehmen.

 

Noch ist Biogemüse und -obst in Lima ein Nischenprodukt, aber angesichts des steigenden Einkommens der Städter tritt auch das Bedürfnis nicht nur nach genügend sondern auch gesunder Nahrung ins Bewusstsein von immer mehr Peruanern. Für Laureanos und Teresa Casas und ihre Familie hat sich die Entscheidung für ökologischen Landbau gelohnt – in 20 Jahren konnten sie ihr Einkommen mindestens verdoppeln.

 

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