vonKnut Henkel 31.12.2013

Latin@rama

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Auch diese Militär-Hubschrauber könnten mit CIA-Daten auf die Fährte von FARC-Comandantes gesetzt worden sein…

Überraschen konnte es nicht wirklich. Nun ist es amtlich, dass die USA einen maßgeblichen Anteil daran haben, dass die kolumbianische Armee in den letzten Jahren rund zwei Dutzend ranghohe FARC-Comandantes durch präzise Bomben oder im Gefecht getötet haben. Mit High Tech aus den USA und detaillierten Standort-Infos wurden die Aktionen erst möglich.

Bei Gefechten am 27. Dezember sind laut der kolumbianischen Armee zehn FARC-Guerilleros getötet worden. Unter den Toten befand auch der Comandante Pedron Laín Parra, ein Vertrauter des 2010 getöteten FARC-Militärchefs Jorge Briceño. Für Verteidigungsminister Juan Carlos Pinzón war das ein weiterer  „bedeutender Schlag“ gegen die Guerillagruppe. Was der Minister aber nicht sagte, war, ob der Militärschlag im Verwaltungsdistrikt Meta mit oder ohne logistische Hilfe der USA zustande kam.Die untersützten die kolumbianischen Ordnungskräfte nämlich seit Jahren bei der Bekämpfung der ältesten Guerilla Lateinamerikas mit wertvollen Informationen. Verantwortlich für die Informationsbeschaffung, Weitergabe und bei Bedarf auch der Lenkung kolumbianischer Bomben sei einem Bericht der „Washington Post“ zufolge die CIA. Finanziert sei das Programm, welches unter George W. Bush aufgelegt und unter Barack Obama fortgeführt wurde, von ganz oben. Also nicht im Rahmen des sogenanten Plan Colombia, mit dem Kolumbiens Armee in den letzten dreizehn Jahren systematisch modernisiert und erweitert wurde, sondern aus anderen Töpfen.

Das Programm hat allerdings maßgeblich zur Schwächung der FARC beigetragen. Das geben ranghohe Militärs in Bogotá genauso wie in Washington zu, so hat die Tageszeitung recherchiert. Gleich mit dreißig aktiven oder ehemaligen US-Vertretern hat die „Washington Post“ gesprochen und dabei auch bestätigt bekommen, dass 2008 die Nummer zwei der FARC, Raúl Reyes, bei einem Luftangriff in Ecuador getötet wurde. Der war nur aufgrund der CIA-Hilfe möglich gewesen. Die lieferte in diesem, aber auch in zahlreichen anderen Fällen den kolumbianischen Behörden Informationen über Standorte von FARC-Comandantes, aber auch GPS-Ortungssysteme, mit deren Hilfe Luftangriffe präzisiert werden können. So auch im Falle Reyes, dessen Tod zu den ersten spektakulären Fällen gehört.

Seitdem hat die FARC mehr als zwei Dutzend ranghohe Militärs; darunter gleich mehrere Comandantes der sechsten Front in Cauca, im Gefecht oder per Präzisionsbomben verloren. Die Region in der Nähe der Millionenstadt Cali gehört zum Stammland der FARC und wurde lange von Alfonso Cano befehligt. Dessen eigentlicher Name war Guillermo León Sáenz Vargas, er galt als Chefideologe der FARC und war einer der potenziellen Unterhändler im Falle von Verhandlungen mit der kolumbianischen Regierung. Anfang November 2011 kam der Comandante bei einem Bombenangriff der Armee ums Leben – gesteuert von der CIA?

Das Militär gibt in Kolumbien den Ton an - nicht nur vor dem Parlament

Bis dato nicht bestätigt – genauso wenig wie der Tod zweier weiterer Comandantes, über den Verteidigungsminister Pinzón im August 2013 jubelte: „Die Front ist führungslos“. Da war Ciro Antonio Patiño Orozco, alias ‚El Burro‘, gerade bei einer Militäroperation erschossen worden – nemst seinem Stellvertreter Arley Medina Prado, alias ‘Jaimito’.

Gesprochen wird in Bogotá nicht allzugern über die Bedeutung der USA bei diesen Militäroperationen. Präsident Juan Manuel Santos verweigert schlicht die Antwort auf detaillierte Fragen in diesem Kontext; gesprächiger sind da die US-Offiziellen. Den Recherchen der „Washington Post“ zufolge begann die neue Ära der Kooperation mit den USA im Febraur 2003. Da ging ein Kleinflugzeug im kolumbianischen Regenwald mit vier US-amerikanischen, für den Anti-Drogenkampf angeworbenen Söldnern im Dschungel nieder.

Die landeten in den Händen der FARC, wobei einer exekutiert wurde. Die anderen drei wollte Präsident George W. Bush unbedingt wieder freibekommen. Also wurde der CIA erlaubt, direkt vor Ort zu agieren und auch direkt an Operationen teilzunehmen. Das belegen die Recherchen der „Washington Post“ – der damalige Verteidigungsminister hieß Juan Manuel Santos. Über seinen Tisch gingen die Pläne mit intelligenten und punktgenauen Bomben, den Smart-Bombs, Jagd auf FARC-Comandantes zu machen – ähnlich wie auf Al-Qaida-Kämpfer.

2007 starben die beiden ersten FARC-Comandantes bei derartigen Angriffen. So wurden die 16. und die 37. Front führungslos. Das hatte Folgen. In beiden FARC-Kampfverbänden gab es Auflösungserscheinungen, so berichtete William Scoggins, ein US-Drogenexperte, der „Washington Post“. Das war der Anfang der systematischen Schwächung der FARC. Die schrumpfte von 2007 rund 18.000 auf derzeit rund 8.000 Kämpfer. Ein Erfolg, den sich Ex-Präsident Álvaro Uribe Vélez gern auf seine Fahnen schreibt. Doch die wahren Verantwortlichen sitzen in Washington.

 

 

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https://blogs.taz.de/latinorama/2013/12/31/zum-abschuss-freigegeben/

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kommentare

  • wir dürfen sicher sein ,dass die usa ihre schmutzigen kriege und beteiligungen weiterführen werden, besonders in wie sie selbst so anmaßend und selbstherrlich behaupten ihrem hinterhof „lateinamerika“.
    und so ergiben sich auch immer möglichkeiten neue technicken in der praxis zu testen.einmischung in innere angelegenheiten,menschenrechtsverletzungen hat die uspolitiker meist nur
    insoweit interessiert wie sie es für ihre hegemonbialpolitik nutzen konnten.und solange die usa niemand kontrolliert bzw. kontrollieren kann
    und will,macht man auch in europa den bückling.
    das die farc keine menschenrechtshilfsorganisation und die regierung keine menschenrechtskompatible ist,kolumbien also kein typisches tourismusland ist sollte man schon wissen,bevor man hinfährt.
    dass die farc aus dem widerstand von gewerkschaftlern und demokratischen
    kräften die von regierungsinoffiziellen todesschwadronen verfolgt wurden
    sollte man ebenfalls wissen….wie man sowieso sich vorher über die länder informiert die man bereisen will.links sein in den metropolen
    ist etwas anderes als im bewaffneten untergrund von bananenrepubliken.
    und heimzahlungen ach wer zahlt es den den amerikanern und der kolumbianischen regierung heim,dass die farc entstehen mußte…?
    die uno etwa????

  • Mein Kollege Tom Hargrove war zweieinhalb Jahre lang von der FARC verschleppt, litt schrecklich. Seine Familie musste zweimal Loesegeld zahlen. Dass der FARC jetzt heimgezahlt wird, finde ich sehr erfreulich.

  • Die US Amis waren bereits 1986 in Kolumbien verstrickt. Ich war damals beruflich selbst für zwei Jahre im Choco. Über die rumschnüffelnden Gringos wusste alle in der Region, nur nicht die Regierung und die westlichen Medien. Im nachhinein schade, dass die nicht rechtzeitg aus dem Verkehr gezogen wurden.

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