Umweltkonflikt in Bolivien: Gute Nachricht aus dem TIPNIS

Die gute Nachricht kam juengst von Juan Ramón Quintana, dem bolivianischen Praesidentialminister: Im Indigenen Territorium und Naturschutzgebiet Isiboro Securé (TIPNIS) sei es gelungen, die Armut deutlich zu reduzieren. Dies mit 60 Millonen Bolivianos staatlicher Investitionen fuer Gesundheits-, Bildungs- und Infrastrukturprojekte wie Wasser- und Stromversorgung. In einer neu geschaffenen Berufsbildungseinrichtung haetten bereits 120 Indigenas einen Abschluss gemacht. 70% der Gemeinden haetten inzwischen Strom und in 30 der 69 Gemeinden seien Viehzucht-, Tourismus-, Schokoladen- und Honigprojekte gestartet worden.

Drei Jahre ist es her, dass ein Protestmarsch gegen den Bau einer Ueberlandstrasse durch den TIPNIS von Polizeieinheiten brutal aufgeloest wurde. Die Verteidigungsministerin Cecilia Chacón war damals aus Protest zurueckgetreten. Zur entscheidenden Kabinettssitzung war sie nicht eingeladen worden. Und niemand sonst in der Regierung wollte nach dem anschliessenden nationalen wie internationalen Mediendebakel die Verantwortung uebernehmen. Von einer Luecke in der Befehlskette war die Rede. Die Marschierer zogen weiter nach La Paz und erreichten das Ja des Praesidenten Evo Morales hoechstpersoenlich zu einem weiteren Schutzgesetz fuer diese einzigartige Naturparadies. Er wisse, wer den Einsatzbefehl in Chaparina gegeben habe, liess Vizepraesident Alvaro Garcia Linera damals verlauten, werde es aber nicht der Presse, sondern den fuer die Aufklaerung zustaendigen Behoerden sagen. Dennoch sind die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in dieser Sache in drei Jahren zu keinem Ergebnis gekommen.

Mit Ausnahme der Zubringerstrecke, die noch nicht fertiggestellt ist, liegt der Strassenbau selbst noch auf Eis. Vielleicht wuerde die Strasse in 20 Jahren gebaut, hatte Vizepraesident Alvaro Garcia Linera gesagt, vielleicht in 50 Jahren. Gleichwohl sei sie Teil des neuen Wahlkampfprogramms, heisst es aus Reihen der Regierungspartei.

Fernando Vargas, Sprecher der TIPNIS-Gemeinden, Opfer der Repression von Chaparina und chancenloser Praesidentschaftskandidat fuer die Gruene Partei, schlaegt dagegen eine umweltschonendere Bahnstrecke am Rande des Schutzgebietes vor. Vermutlich hat dank der Sozial- und Produktionsprojekte die Regierung ihre Anhaengerschaft im TIPNIS vergroessern koennen. Klar ist aber auch, dass der Widerstand der indigenen Gemeinden gegen die Strasse immer noch bedeutend ist.

Auch fuer sie und all die anderen, die nicht direkt aus den Projekten Nutzen ziehen, aber den Wert dieser gruenen Lunge fuer die Welt zu schaetzen wissen, ist die Meldung von Juan Ramón Quintana noch in einem anderen Sinne eine gute Nachricht. Denn sie zeigt, dass Quintana selbst, Vizepraesident Alvaro Garcia Linera und all die anderen Befuerworter Unrecht hatten mit der Behauptung, der Strassenbau sei unabdingbar, um die Lebensverhaeltnisse der Bewohner des TIPNIS zu verbessern. Wenn die Nachricht keine reine Propaganda des Exmilitaers und Soziologen Quintana war, ist es offensichtlich moeglich, die Natur zu schuetzen und gleichzeitig die soziale und wirtschaftliche Lage der Menschen zu verbessern.

 

Foto: Minister Quintana bei der Uebergabe eines Projektes im TIPNIS, Quelle: Praesidialministerium Bolivien/Zeitung Cambio

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