vonKnut Henkel 30.11.2015

Latin@rama

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Über Ecuador in die USA lautete eine der beliebtesten Routen für kubanische Emigranten in die USA. Doch den Weg ins gelobte Land hat die Regierung nach der Flüchtlingskrise an der Grenze zwischen Costa Rica und Nicaragua nun dicht gemacht. Fortan gilt für Kubaner Visapflicht – ein Drama nicht nur für Ticketbesitzer.

Vor der Botschaft von Ecuador in Havanna wedelten Dutzende KubanerInnen letzten Freitag mit ihren Flugtickets. Sie protestierten gegen die Entscheidung der Regierung in Quito ab dem 1. Dezember die Visapflicht für Kubaner einzuführen. Für viele der Demonstranten vor der Botschaft in der 7. Straße im Diplomatenviertel Miaramar von Havanna ist die Verhängung der Visapflicht ein Drama, denn sie wollten in den nächsten Wochen die Reise über Quito ins gelobte Land, die USA, antreten.

Diese Route gehört zu den derzeit populärsten, um in die USA zu gelangen, wo Kubaner anders als Mittelamerikaner oder Mexikaner mit offenen Armen  empfangen werden. Dafür ist der im November 1966 erlassene Cuban Adjustment Act verantwortlich, der allen KubanerInnen die ihren Fuss auf US-Boden setzen ein Bleiberecht zubilligt.

US-Flagge-Cuba

Das ist ein wesentlicher Grund, weshalb die Auswanderung von Kuba in die USA seit Jahrzehnten angeheizt wird, ärgert sich die kubanische Regierung. Nur zu gern würde Havanna das Gesetz endlich aufgehoben sehen, und es wird keine Chance verpasst, die Administration im Weißen Haus darauf aufmerksam zu machen. Unstrittig ist, dass die Tage des Gesetzes, welches de facto allen Kubanern, die die USA erreichen einen Flüchtlingsstatus zubilligt und nach einem Jahr in den USA die Staatsbürgerschaft, gezählt sind.

Daran zweifelt in Miami niemand und folgerichtig ist die Zahl der KubanerInnen, die quasi auf letzten Drücker in die USA machen wollen, sehr hoch. Etwa 8.000 Kubaner hängen derzeit in Mexiko laut Presseinformationen fest, an der Grenze zu Nicaragua sind es mittlerweile viertausend. Die hoffen darauf, dass die Regierung in Managua die Grenze öffnet, die seit 14 Tagen geschlossen ist, um ihre Reise über Land fortzusetzen.

Die Route ist hart und kostspielig: Vom Airport in Quito geht es meist über Land nach Kolumbien, von dort nach Panama, Costa Rica bis an die Grenze zu Nicaragua. Dort befindet sich der Grenzübergang Peñas Blancas, über den die Kubaner nach Nicaragua einreisen, um das Land in Richtung Honduras zu passieren. Vor dort geht es über Guatemala und Mexiko dann weiter zur mexikanisch-amerikanischen Grenze und haben sie die passiert, dann kann der „amerikanische Traum“ beginnen.

Den träumen viele der Kubaner, die in den letzten zwei Jahren diese oder eine der anderen Route in Rictung USA genommen haben. Die Zahlen steigen trotz der ökonomischen Reformen, die die Regierung von Raúl Castro in Havanna durchgeführt und angekündigt hat. Fehlende Perspektiven sind ein wesentlicher Grund, weshalb die Auswanderungszahlen in den letzten Jahren weiter gestiegen sind, so argumentieren Sozialwissenschaftler von der Insel und aus den USA.

Die Einwanderungsgesetze der USA für Kubaner wirken wie ein Magnet, so urteilte kürzlich ein Minister Costa Ricas. Doch Änderung ist nicht in Sicht, denn laut der US-Administration ist es nicht geplant an den Einwanderungsgesetzen etwas zu ändern. Für das offizielle Kuba eine schlechte Nachricht, denn die Insel verliert qualifizierte junge Menschen, die eigentlich gebracht werden, an die Nation, an die sich Havanna gerade erst wieder annähert.

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