vonNiklas Franzen 18.04.2016

Latin@rama

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Gestern stimmte die brasilianische Abgeordnetenkammer für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidentin Dilma Rousseff. Der ultrarechte Politiker und Ex-Militär Jair Bolsonaro zitierte während seiner kurzen Ansprache den ehemaligen Chef des Folterzentrums DOI-CODI Carlos Alberto Brilhante Ustra und erklärte unverhohlen: „Sie haben 1964 verloren und verlieren 2016“. Brasilien wurde von 1964 bis 1985 von rechten Militärs regiert – tausende Menschen wurden verfolgt, gefoltert und ermordet.

Der Abgeordnete der linken Oppositionspartei PSOL Jean Wyllys konterte wenige Minuten später und erklärte: „Im Namen der Rechte der LGBT-Community, der schwarzen Bevölkerung in der Peripherie, der Arbeiter, der Wohnungslosen, der Landlosen stimme ich mit Nein gegen den Putsch“. Als der einzig offen schwule Abgeordnete das Rednerpult verließ, kam es zum Handgemenge zwischen den beiden Widersachern. Wir dokumentieren die auf Facebook veröffentlichte Erklärung von Jean Wyllys zu dem Vorfall:

Über die Spucke auf den Faschisten

Nachdem ich mit „Nein“ gegen den Staatsstreich von Cunha, Temer und der rechten Opposition gestimmt habe, hat mich der faschistische Abgeordnete und Witwer der Diktatur als „Schwuchtel“ sowie mit anderen homophoben Beleidigungen beschimpft und versucht mich am Ausgang gewaltsam am Arm zu greifen. Ich habe daraufhin diesen Faschisten bespuckt. Ich werde dies weder leugnen noch mich dafür schämen. Es ist das Wenigste, was ein Abgeordneter verdient, der seine Stimme dem Folterer der Militärdiktatur Carlos Alberto Brilhante Ustra widmet.

Ich werde nicht ruhig sein und zulassen, dass dieser faschistische, sexistische und homophobe Verbrecher mich angreift oder bedroht. Er spuckt täglich auf die Rechte von Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen. Er spuckt täglich auf die Demokratie. Er benutzt Gewalt gegen andere Politiker, nannte eine Abgeordnete „Schlampe“ und drohte, sie zu vergewaltigen. Er spuckt auf Menschenrechte, auf die Freiheit und die Würde von Millionen von Menschen. Ich habe mich nicht mit Stolz geoutet, um Angst vor diesem Gangster zu haben.

 

Foto: Oliver / Mídia Ninja

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