Orinoca: Ein Museum zu Lebzeiten

Der bolivianische Präsident ist viel unterwegs. Und nahe dran, in seinen bisher 11 Regierungsjahren alle Gemeinden Boliviens mindestens einmal besucht zu haben. Stadtfeste, Jubiläen, Versammlungen, dazu wöchentlich mehrfach Einweihungen neuer Straßen, Märkte, Produktionsstätten, Bewässerungsanlagen, Schulen, Turnhallen oder Fußballfelder, die mit zentralstaatlicher Unterstützung entstanden sind. Nur: Was tun mit all den Geschenken, die er bei solchen Veranstaltungen oder auch Auslandsreisen schon aus Gründen der Höflichkeit entgegennimmt? Ponchos, Hüte, Skulpturen, Bergarbeiterhelme, Plaketten, Sporttrikots usw … 13.000 Gegenstände sollen sich, laut Informationen von Radio Pio XII, so angesammelt haben. Die Antwort: Ein Museum bauen.
In dieser Woche wurde es in Anwesenheit des sichtlich gerührten ehemaligen Bauernjungen in seinem Heimatort Orinoca eingeweiht. Das knapp 700 Einwohner zählende Dorf liegt zwei Autostunden von der Bergwerks- und Händlerstadt Oruro entfernt im bolivianischen Altiplano, ist inzwischen auch über eine asphaltierte Straße zu erreichen und erwartet nun den Zustrom von Touristen.

Offiziell heißt es „Museum der demokratischen und kulturellen Revolution“. Im ersten Block geht es um die Geschichte der andinen Völker. Im zweiten Block ist es vor allem ein Museum über Evo Morales selbst. Neben Tafeln, die seine Rolle historisch einordnen sollen, finden sich die bekannten wenigen Fotos aus seiner Kindheit und Jugend, die Sandalen, die er als Kind getragen, die Trompete, mit der er sich als Jugendlicher Geld verdient hat… Ein Raum mit gemalten Porträts des Präsidenten und eben Erinnerungsstücke: Eine ganze Wand ziert eine Grafik mit allen Staaten, aus denen Morales Geschenke bekommen hat. Eine andere ist voller Fotos von Staatsbesuchen. Und an einer weiteren Wand hängen in Bilderrahmen drappierte Sporttrikots.

50 Millionen Bolivianos, umgerechnet knapp 6,7 Millionen Euro hat der fast 11.000 Quadratmeter umfassende moderne Bau gekostet. Künftig wird das Kultusministerium jährlich 1 Million Bolivianos für den Unterhalt und Betrieb dieses „Erbes Boliviens, der Menschheit und insbesondere der indigenen Bewegungen“ (Evo Morales) zuschießen.
„Den oligarchischen Rassisten, die die Tatsache kritisieren, dass wir wir ein Museum haben“ antwortete Vizepräsident Alvaro García Linera auf Kritik der politischen Opposition an Standort, Kosten und thematischer Schwerpunktsetzung, „sagen wir, dass dies Bolivien ist. Das Bolivien der Vergessenen, der Erniedrigten. Das Bolivien, das inzwischen die Kontrolle des Landes übernommen hat. Deshalb haben wir hier in Orinoca das Museum gebaut.“ Das schönste, luxuriöseste und technisch am besten ausgestattete Museum Boliviens, wie er bei der Einweihung betonte. Bei der, wen überrascht es, übergab man dem Präsidenten einen weiteren Poncho und dazu eine lebensgroße Statue seiner Person.

 

Fotos: Freddy Zarco/ABI

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  1. Humboldt bestandig seine Absichten, seinen naturkundlichen Forschungen in der westlichen Hemisphare durch eine asiatische Expedition ein ostliches Pendant folgen zu lassen, um dann im Vergleichen und Differenzieren ein ganzheitliches Bild aus der Vielgestaltigkeit der Erde und ihrer Bewohner zu gewinnen.