vonGerhard Dilger 22.12.2017

Latin@rama

Politik & Kultur, Cumbia & Macumba, Evo & Evita: Das Latin@rama-Kollektiv bringt Aktuelles, Abseitiges, Amüsantes und Alarmierendes aus Amerika.

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Vorwort

Verona Wunderlich & Uwe Mücklausch sind ein fantastisches Gespann, auch beim Reisen: sie eine lateinamerikaerfahrene, polyglotte Kommunikatorin mit feinem interkulturellen Gespür, er mit ebensolchen Antennen und jener Prise Draufgängertum, das zur Umsetzung ihres langgehegten Projekts unverzichtbar war: ein Minisabbatical in Südamerika abseits ausgetretener Touristenpfade.

Nicht zufällig bildeten Buenos Aires und São Paulo den Ausgangs- und Endpunkt der Reise: Verona ist seit vielen Jahren Projektmanagerin in der Rosa-Luxemburg-Stiftung, und die Büros in diesen beiden Metropolen sind ihr dabei besonders ans Herz gewachsen. Doch welch Unterschied zwischen ihren minutiös durchkonzipierten Arbeitsaufenthalten mit stets überfüllter Agenda und der Chance, einige der wilden Schönheiten der Region entschleunigt erleben zu dürfen, Erdbeben in Chile inklusive!

Wir hatten die Freude, Verona & Uwe zu Beginn und zum Abschluss ihres Vier-Monats-Abenteuers begleiten zu dürfen: Wenige Wochen nach ihren jeweiligen 50. Geburtstagen ein paar Frühlingstage in einem fast verwunschenen alten Haus mitten in Buenos Aires, unvergessliche Tangostunden und eine sonntägliche Fahrradtour an den Río de la Plata. Am letzten Abend ganz entspannt eine Habana am Pool, in der Nacht blieb unsere Küchenuhr stehen, und wenige Stunden später erfuhren wir vom Tod Fidels. Im März schließlich hieß es Ausspannen in São Paulo, das sich Uwe schon vor Jahren erwandert und erzeichnet hatte – und Erzählen.

Nuestro Norte es el Sur, Unser Kompass zeigt gen Süden, hat es der uruguayische Großmeister Joaquín Torres García formuliert. Politisch und kulturell, aber auch schlicht geografisch – also auf nach Patagonien und Feuerland, ja sogar bis zum Kap Hoorn! Mit dem Bilderbuchprojekt vor Augen, das jetzt so wunderbar fertiggestellt ist. Vor allem aber: nicht bis ins letzte Detail durchgeplant, sondern offen für neue Chancen. Viel Neugier, aber auch nicht zu wenig Müßiggang. Jedenfalls Zeit genug für eine intensive erste Annäherung an das zauberhafte Bolivien.

In all dem liegt die wahre Reisekunst, und die haben Verona & Uwe wirklich praktiziert, wovon die begeisterten Berichte, Skizzen und Fotos kündeten, die sie uns regelmäßig über ihre Smartphones zukommen ließen.

Uwes mal eher im-, dann wieder geradezu expressionistische Aquarelle, Veronas Fotos, die Texte der beiden, die ganze Farbenpalette Südamerikas: Ein kleiner Teil dieses Gesamtreisekunstwerks liegt jetzt vor uns. Danke, dass Ihr uns in dieser Form noch einmal daran teilhaben lasst, und: Die nächste Südamerikatour kommt bestimmt!

São Paulo, 03.10.17

Uwe Mücklausch/Verona Wunderlich, Auf jeden Fall nach Feuerland … Fundstücke aus Südamerika, 156 Seiten, 250 Abb., 260 x 210 mm, durchgängig vierfarbig. Klappenbroschur, 250 Zeichnungen und Fotografien, Lukas Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte, Berlin, Dezember 2017, 20 Euro

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https://blogs.taz.de/latinorama/2017/12/22/reisekunst-auf-jeden-fall-nach-feuerland/

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