25.01.2012 von Claudius Prößer
Ein kleines Dorf in der argentinischen Nordwestprovinz La Rioja leistet Widerstand. Die knapp 5.000 Bewohner von Famatina wehren sich gegen die kanadische Bergbaufirma Osisko Mining Corporation. Die hat von La Riojas Provinzgouverneur Luis Beder Herrera die Erlaubnis erhalten, in dem gleichnamigen Berg Famatina nach Gold, Silber und Kupfer zu suchen. Seither droht den BewohnerInnen in Famatina und Andalgalá eine riesige Mine im Tagebau unter freiem Himmel unmittelbar vor ihrer Haustür. In diesen Tagen soll mit den Erkundungsbohrungen begonnen werden. Seit Anfang Januar blockieren die Dorfbewohner deshalb den einzigen Zufahrtsweg. Der Protest ist bereits auf andere Provinzen und auf die Hauptstadt übergesprungen.
Vor allem in Argentinien bekannten MusikerInnen und SchauspielerInnen haben das Musikvideo “Basta Ya! – Sofort aufhören!” ins Netz gestellt.
Zu sehen und zu hören sind Nacha Guevara, Natalia Oreiro, Axel, Julieta Díaz, Los Pericos, Coti, Corbata, Juanito, Soledad Villamil, Los Tipitos, Artesanales, Nicolás Pauls, La Sole, Lalo… weiter lesen
23.11.2011 von Gaby Küppers
Interview mit Camila Vallejo, Giorgio Jackson und Francisco Figueroa (ila 350)
Nachdem der Dialog zwischen Regierung und Protestbewegung abgebrochen wurde, machten sich drei VertreterInnen der chilenischen Studierendenbewegung auf den Weg nach Europa. Hier führten sie Gespräche mit der OECD (schließlich ist Chile neben Mexiko das einzige lateinamerikanische Mitgliedsland) und mit der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen in Genf, mit dem Ergebnis, dass nun ein UN-Berichterstatter nach Chile fährt. Auf vielen öffentlichen Veranstaltungen und auch im Europäischen Parlament berichteten sie über ihre Anliegen. Am Tag nach dem Besuch in Brüssel ging es wieder zurück nach Santiago, wo es auf den jüngsten Demos Hunderte Verhaftete gegeben hat. Nach Meinungsumfragen stehen 80 Prozent der chilenischen Bevölkerung steht hinter den Studierenden und ihren Forderungen.
Das Interview mit Camila Vallejo, Giorgio Jackson und Francisco Figueroa von der Führung des chilenischen Studierendenverbandes CONFECH fand vor einem guten Monat in Brüssel statt. … weiter lesen
26.10.2011 von Knut Henkel
Begleiten und informieren heißt die Mission der Peace Brigades International (PBI). Seit dreißig Jahren begleiten Freiwillige der Organisation Menschenrechtsaktivisten bei ihrer schwierigen Arbeit. Das stärkt ihnen nicht nur den Rücken, sondern sorgt für internationale Aufmerksamkeit und Schutz. Eine Stippvisite in Mexiko.
Unscheinbar ist die einfache, weiß gekalkte Lehmkate. Nur das helle Holzschild mit dem Schriftzug „Kambaxo Xuaji Guini Me’pha“ weist darauf hin, das sich hier das Büro der Opim befindet. Neben dem Schriftzug ist das Emblem der indigenen Organisation zu sehen: ein praller Maiskolben, unter dem sich eine Hacke und eine Machete kreuzen.
Aus dem Inneren des Hauses sind gedämpfte Worte zu hören, dann erklingt eine volle, warme Stimme aus dem Halbschatten der Türfassung: „Mais ist unser wichtigstes Anbauprodukt“. Die Stimme gehört Obtilia Eugenio Manuel. Direkt neben der Eingangstür hatte sie gesessen, die Neuankömmlinge gehört und das Treffen im Inneren der Kate unterbrochen. Nun deutet die kleingewachsene Frau auf die… weiter lesen
17.10.2011 von Peter Strack
Die Richterwahl in Bolivien war fuer die Demokratie ein schwieriger Schritt voran. Dabei hat ihr groesster Verlierer ueberhaupt nicht kandidiert: Praesident Evo Morales.
Es waere so schoen gewesen. Frueher wurden die obersten Richterposten Boliviens im parlamentarischen Geschacher mit Guenstlingen der eigenen Partei besetzt. So kam es mancherorts nie zur Verurteilung eines Politikers, so offensichtlich die Vergehen auch waren. Nun sieht die neue Verfassung vor, dass die Richter als Fachleute auf einer Vorschlagsliste des Parlaments vom Volk gewaehlt werden. Um die Wahl nicht zu politisieren, und damit auch der materielle Besitz nicht entscheidet, wurden Wahlkampagnen deshalb gleich verboten.
Nur dass die Regierungspartei MAS im Parlament, anders als in der Bevoelkerung, noch eine 2/3 Mehrheit hat. Und deshalb hatte sie sich gleich gar nicht die Muehe gemacht hat, mit der widerspenstigen Opposition zu Kompromissen bei der Vorschlagsliste zu kommen. So wurde die Wahl zu dem, was sie eigentlich nicht werden… weiter lesen
26.09.2011 von Knut Henkel
Die 26. Straße treibt den Menschen in Bogotá tagtäglich den Zorn ins Gesicht, denn eine der wichtigsten Verkehrsadern der Stadt ist Baustelle. Da sorgt für Staus, Mißmut und Wut. Zurecht, denn der Umbau der Straße war schlecht geplant, kostet Unmengen an Geld und lässt dubiose Politiker und Baufirmen profitieren. Eine kolumbianische Realitätssatire. … weiter lesen
21.09.2011 von Knut Henkel
In der Grenzregion im Norden Perus befinden sich große Vorkommen an Kupfer und Molybdän. Die sollen in der Erde bleiben, wenn es nach der lokalen Bevölkerungsmehrheit geht. Das sehen allerdings nicht alle so, wie ein Angriff auf Perus bekanntesten Umweltschützer Marco Arana zeigt.
Marco Arana war auf dem Weg zu den Feiern anläßlich des vierten Jahrestags des Referendums in Huancabamba. Dort hatten am 18. September 2007 mehr als 90 Prozent der Bewohner der Provinzstadt im Norden Perus für die Landwirtschaft und gegen den Bergbau gestimmt. Ein Erfolg für den Erhalt des einzigartigen Ökosysstems in der Region, den Arana, ein ehemaliger Pater, der vor zehn Monaten in die Politik ging, mit den lokalen Umweltaktivisten feiern wollte.

Marco Arana ist Perus bekanntester Umweltschützer und wurde 2009 vom Time Magazine zum "Held der Umwelt" gekürt.
Doch als der Wagen Aranas das Dorf Cajas Capsol passierte, wurde der PKW von Kugeln und… weiter lesen
14.09.2011 von Hildegard Willer
Nein, es ist kein Oxymoron, keine rhetorische Verschleifung zweier Gegensätze: Peru erlebt Flitterwochen.
Mit seinem neuen Präsidenten, mit seiner Fussballmannschaft und natürlich mit seiner Gastronomie. Etwas ungewohnt für ein Land, das sich so lange als Armenhaus und “failing state”, als Land der Extreme vorkam. Zuletzt als sich der Linksnationalist und ehemalige Putschist Ollanta Humala und die Diktatorentochter Keiko Fuijmori in der Stichwahl gegenüber standen. Humala gewann, unter grössten Bedenken sowohl aus Wirtschaftskreisen wie auch aus Kreisen derjenigen, die um die Demokratie in Peru fürchteten. 6 Wochen nach seinem Amtsantritt kann Ollanta Humala auf den Rückhalt von 70% der Bevölkerung zählen, wie eine jüngste landesweite Umfrage ergab. Das sind fast 20% mehr als die 52%, die vor drei Monaten für Humala gestimmt haben. Drei Gründe mögen den Ausschlag geben für diese hohe Beliebtheit:
Zum einen hat Humala mit der Ernennung eines marktfreundlichen Finanzministers die aufgeschreckten Wirtschaftskreise beruhigt. Nachdem Miguel Castilla… weiter lesen
03.09.2011 von Benjamin Kiersch
Am heutigen Samstag werden VertreterInnen der Studenten, Lehrer, Schüler und Eltern mit Präsident Sebastián Piñera, Bildungsminister Felipe Bulnes sowie Parlamentariern im Präsidentenpalast über die Zukunft des chilenischen Bildungssystems diskutieren. Die massiven Proteste der Studenten und Schüler halten Chile seit mehreren Monaten in Atem. Nachdem Erziehungsminister Bulnes noch in der letzte Woche vorgab, die Regierung werde keine direkten Gespräche mit VertreterInnen der Studenten führen, lud Präsident Piñera die Studenten kurz darauf doch zum Dialog in den Moneda-Palast ein.
In Kooperation mit der chilenischen Zeitung El Ciudadano präsentiert Latin@rama exklusiv im Internet Auszüge aus einem Interview mit der Sprecherin der chilenischen Studentenbewegung Camila Vallejo für die Leserinnen und Leser des Blogs. Das Original-Interview ist in der aktuellen Ausgabe des Ciudadano zu lesen, die an allen gut sortierten Kiosken in Chile zu haben ist.
Die Fragen an Frau Vallejo stellte Sergio Jara Ramón. Übersetzung: B.K.
Welche konkrete Antwort… weiter lesen
30.08.2011 von Gerhard Dilger
Jean Ziegler hat der WOZ ein lesenswertes Interview gegeben.
Sie wurden kürzlich von den Salzburger Festspielen als Eröffnungsredner ausgeladen, wegen Ihrer angeblichen Nähe zu Libyens Herrscher Muammar al-Gaddafi.
Das ist ein Blödsinn, der seit zehn Jahren immer wieder aufgewärmt wird. (…)
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Das System, das sich nach der Implosion der Sowjetunion durchgesetzt hat, steckt in einer schweren Krise: Die Staaten sind verschuldet, die Finanzmärkte ausser Rand und Band.
Ach was. Das ist nur eine Krise für die Arbeitenden. Sie bezahlen die Zeche – in Griechenland, in Spanien, in Portugal. Ihnen werden Sozialleistungen gestrichen, neue Steuern auferlegt, während sich in privaten Händen unglaubliche Kapitalreserven häufen. (…)
Ich war lange im Komitee des Weltsozialforums. In Belém waren wir 220.000 Menschen, die 8.000 Organisationen vertraten. Alle kämpfen an verschiedenen Bruchstellen des Kapitalismus. Es gab kein Programm, es gab nicht mal eine Schlusserklärung. Hier entsteht
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26.08.2011 von Benjamin Kiersch
Liebe Freundinnen und Freunde,
Ihr habt sicherlich die Bilder des gestrigen Tages im Fernsehen gesehen und die Berichte in den Medien verfolgt. Mich haben einige dieser Bilder und Berichte tief berührt. Ich weiß: Ich bin Gast in Chile, und als solcher zur Zurückhaltung bei politischen Themen verpflichtet. Aber ich bin auch Vater, Musiker, und Deutscher, und in diesem Sinne möchte ich euch heute schreiben.
Als Deutscher, denn: ich hatte zwar das Glück, auf der westlichen Seite des Eisernen Vorhangs geboren zu sein, aber die Familien meiner Eltern stammen aus Ostdeutschland, und ein Teil meiner Familie lebte in Bautzen. Aus der Ferne bekam ich mit, wie sie darunter litten, dass das autoritäre Regime der DDR ihre persönlichen Freiheiten beschnitt. Als Musiker, da ich weiß, dass Künstler in autoritären Systemen ein besonders schweres Leben haben, oder gar ihr Leben verlieren, wenn sie nicht die Meinung des Regimes vertreten. Und als… weiter lesen