07.12.2010 von Gerhard Dilger
Gestern wurden in Stockholm die Alternativen Nobelpreise 2010 verliehen.

Der austrobrasilianische Bischof Erwin Kräutler, der nigerianische Umweltaktivist und Vorsitzende von Friends of the Earth International Nnimmo Bassey, der Nepalese Shrikrishna Upadhyay und die Organisation Ärzte für Menschenrechte/Israel teilen sich ein Preisgeld von 200.000 Euro. Kräutler, der sichtbarste Kopf des Widerstandes gegen den Bau des Megastaudamm Belo Monte am Amazonas-Nebenfluss Xingu, sagte, er akzeptiere die Auszeichnung “im Namen all jener, die heute mit mir kämpfen – für die indigenen Völker, für Amazonien und für die Menschenrechte”.

In seiner Dankesrede unterstrich Kräutler, der auch den Indianermissionsrat Cimi leitet, die bedrohliche Situation der Guarani-Indígenas im brasiliansichen Bundesstaat Mato Grosso do Sul: „Schmerz, Verzweiflung und Unsicherheit“ prägten ihr Leben, ihr Lebensraum sei auf „kleine Gebiete beschränkt,… weiter lesen
01.09.2010 von Gerhard Dilger
Am Amazonasnebenfluss Xingu soll in den kommenden Jahren Belo Monte gebaut werden, das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt. Der jahrzehntelange Widerstand von Indígenas und UmweltaktivistInnen war, so scheint es, umsonst.
Das Megaprojekt kann durchaus als Paradebeispiel für die Politik von Luiz Inácio Lula da Silva gelten, der am 1. Januar 2011 als erfolgreichster brasilianischer Präsident seit Jahrzehnten aus dem Amt scheiden wird. 80 Prozent der Bevölkerung stehen hinter seinem Kurs.
Anders als vom “Wirtschaftswunder” der Militärdiktatur in den 70ern haben nämlich Millionen armer BrasilianerInnen von Lulas sozialdemokratischer Mischung aus Wachstum und Sozialprogrammen profitiert. Und für die Fortsetzung dieser Politik sei mehr ” saubere” Energie nötig, begründet er den Bau von Belo Monte.
Das klingt plausibel, und doch führt dieser Weg in eine Sackgasse. Seriöse Studien belegen, dass mit dem gleichen Milliardenaufwand das brasilianische Hochspannungsnetz so modernisiert werden könnte, dass damit gleich mehrere Belo Montes eingespart würden.… weiter lesen
27.08.2010 von Gerhard Dilger
“Wir kämpfen seit 30 Jahren gegen dieses Monstrum”, sagt Erwin Kräutler, Bischof von Altamira und Vorsitzender des Indígenamissionsrates CIMI, “Lulas Arroganz übertrifft die der Militärs” . Die Generäle hatten in den 70er Jahren als erste das Projekt riesiger Staudämme am Amazonas-Nebenfluss Xingu ins Auge gefasst. Der Exgewerkschafter setzte sich nun mit der Dampfwalze über alle gut begründeten Einwände hinweg und brach damit auch das Versprechen, das er Kräutler vor einem Jahr gegeben hatte.

Gestern unterzeichnete er allen Protesten zum Trotz den Konzessionsvertrag für das Wasserkraftwerk Belo Monte. Die Maßnahme sei ein “Sieg für den Energiesektor”, sagte Lula. Wohl wahr: Das Konsortium Norte Energía bekommt für 35 Jahre die Nutzungsrechte an dem Staudamm, der 2015 in Betrieb gehen soll. Nach einer skandalösen Ausschreibung werden alle großen und viele kleine Bau- und Stromfirmen beim Milliardenprojekt dabeisein – der Staat wird ihnen mit… weiter lesen
25.06.2010 von Gerhard Dilger
Oft reicht der Platz in der Zeitung nur für das Allernötigste. Ganze 80 Zeilen hatte ich vorgestern, um den Besuch von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva in Altamira zu würdigen, bei dem er den Bau des Megastaudamms Belo Monte vehement verteidigte. Ein paar wichtige Details möchte ich hier nachtragen.
Es war eine Wahlkampfveranstaltung für seine Parteifreundin Ana Júlia Carepa (r.), die im Oktober als Gouverneurin des Amazonas-
Bundesstaats Pará wiedergewählt werden will. Ohne ein Bündnis mit der Zentrumspartei PMDB, deren Seilschaften wiederum den staatlichen Stromsektor dominieren, ist das allerdings undenkbar. Die Staudammgegner, die Lula in seiner kurzen Rede spöttisch attackierte, hatten am Vortag die Transamazônica-Landstraße blockiert. Ins Stadion, das mit Regierungsanhängern besetzt war, wurden die meisten erst gar nicht hineingelassen. Besonders empörte sie, dass ein “kooptierter” Xikrin-Indígena auf der Bühne so präsentiert wurde, als wären die Urvölker der Region für das Wasserkraftwerk.
Stunden später… weiter lesen
19.02.2010 von Gerhard Dilger
Gerade erreicht mich folgende Mail von KoBra, dem Netzwerk der deutschen Brasilien-Aktionsgruppen:
Liebe Freundinnen und Freunde von KoBra,
wie wir berichtet haben, hat die brasilianische Waldbehörde am 1. Februar die vorläufige Lizenz für den Bau des Belo-Monte-Staudamms erteilt.

Gegen das Projekt gibt es seit über 20 Jahren erbitterten Widerstand, vor allem seitens der Kayapó und anderer indigener Völker sowie durch Flussanwohner und soziale Bewegungen an der Transamazônica. Zuletzt hatte ein 20-köpfiges Expertenteam von renommierten brasilianischen Universitäten ein Gutachten erstellt, das auf die immensen ökologischen und wirtschaftlichen Kosten des Bauvorhabens hinweist. Diese Kosten stehen nicht im Verhältnis zu dem wirtschaftlichen Nutzen, so das Fazit der Professoren. Das Umweltgutachten lässt außerdem offen, was mit den von Belo Monte vertriebenen Menschen geschehen soll und wie die waldreiche Region den Zuzug von schätzungsweise bis zu 300.000 Menschen verkraften soll. Erfahrungen mit vergleichbaren Projekten wie… weiter lesen
23.12.2009 von Gerhard Dilger
Glenn Switkes, einer der engagiertesten Aktivisten für den Amazonas-Regenwald und seine Bewohner, ist tot. Sein Wirken gegen Wasserstraßen und Staudämme in Amazonien, dem Pantanal oder Patagonien,
aber auch seine Persönlichkeit hat Glenns Freund und Kollege Patrick McCully von International Rivers sehr schön eingefangen.
Wie der New Yorker Filmemacher und Journalist in den frühen Achtzigerjahren Amazonien kennenlernte, ist hier nachzulesen. Zu diesem Zeitpunkt stellte Glenn gerade seinen ersten preisgekrönten Dokumentarfilm Four Corners fertig, ein Pionierwerk über die Rohstoffausbeutung auf US-amerikanischem Indianerland.
Seit 1996 lebte er als Südamerika-Koordinator von International Rivers in Brasilien, zunächst im Bundesstaat Mato Grosso, wo er sich erfolgreich gegen den Bau einer gut 3000 Kilometer langen Wasserstaße im Einzugsgebiet der Ströme Paraguay und Paraná einsetzte, die u. a. den Bestand des Pantanal-Feuchtgebiets gefährdet hätte.
1999 zog er mit seiner Frau Selma nach São Paulo,… weiter lesen
23.11.2009 von Gerhard Dilger
Sting hat sich gegen den Bau des umstrittenen Riesenstaudamms Belo Monte im brasilianischen Amazonasgebiet eingesetzt. In São Paulo gab der Rockstar gestern eine gemeinsame Pressekonferenz mit dem Kayapó-Sprecher Raoni.

Foto: Dennis Barbosa/Globo Amazônia
“Brasilien braucht Energie, aber vielleicht braucht es nicht Belo Monte”, sagte Sting so diplomatisch wie möglich, die Betroffenen müssten angehört werden. Bereits 1989 hatten sich Roani und Sting erfolgreich gegen das Megaprojekt eingesetzt, für das der Amazonas-Nebenfluss Xingu aufgestaut werden soll. Die Regierung Lula möchte im kommenden Jahr mit dem Bau beginnen, der mehrere indigene Völker in ihrer Existenz bedroht.
“Ich will in Frieden leben, ich will, dass meine Enkel in Frieden leben”, sagte Raoni. “Als ich vor 20 Jahren zum ersten Mal an den Xingu kam, spürte ich, dass der Tropenwald wichtig für die Welt ist”, erklärte Sting, der damals seine Rainforest Foundation gegründet hatte. Heute sei… weiter lesen