31.07.2011 von Benjamin Kiersch
Sein Krebs hat ihm einen Schreck eingejagt: Aus Anlass seines 57. Geburtstags, an dem sich der kranke Hugo Chávez am Donnerstag bei einem öffentlichen Auftritt auf dem “Volksbalkon” des Präsidentenpalastes in Caracas von seinen Anhängern feiern ließ, kündigte er an, sein persönliches Motto zu ändern.
Statt “Patria, socialismo o muerte“ (Vaterland, Sozialismus oder Tod) werde es fortan heißen: “Patria socialista y victoria, viviremos y venceremos” (Sozialistisches Vaterland und Sieg, wir werden leben und siegen).
Patria socialismo o muerte (min 1:36)
Chávez rief der Menge zu: “Ich traue mich, euch zu meinem 67. Geburtstag in zehn Jahren einzuladen… ich werde auch nicht 2021 gehen, vielleicht 2031.“
Auf Anraten seiner Ärzte stieg Chávez allerdings nicht vom Volksbalkon, um die Geburtstagstorte zu probieren, die ihm seine Fans gebracht hatten, da sein Immunsystem aufgrund der Chemotherapie geschwächt ist.
07.07.2011 von Gerhard Dilger
Hugo Chávez ist wieder in Caracas. Doch seine Krebserkrankung markiert einen Einschnitt im Projekt der »bolivarianischen Revolution«. Darüber können auch die pompösen Feierlichkeiten zum 200. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung Venezuelas nicht hinwegtäuschen.

Zum Auftakt der »zivil-militärischen« Parade am Dienstag, auf der allerhand russische und chinesische Waffen vorgeführt wurden, hielt der Staatschef nur eine kurze Fernsehrede. »Wir sind keine Kolonie mehr, von wem auch immer, und wir werden es nie wieder sein«, sagte Chávez. Nachmittags empfing er seine Kollegen aus Bolivien, Paraguay und Uruguay.
Er konnte und wollte den Feiertag nicht außer Landes verbringen und setzte sich offenbar auch über den Rat seines Freundes und Mentors Fidel Castro hinweg, der für einen längeren Genesungsurlaub in Kuba plädiert hatte. Am Montag, dem Tag seiner Rückkehr, hatte sich Chávez von seinen begeisterten AnhängerInnen feiern lassen. Auf dem »Balkon des Volkes« des Präsidentenpalasts stellte er klar, dass es… weiter lesen
07.04.2011 von Hildegard Willer
Eine junge Leserin stellte mir die Frage, warum die Peruaner eine so grosse Abneigung gegenueber Hugo Chávez haben, wenn er doch sonst als Held präsentiert wird ?
Eine gute Frage. Nun ist mit Hugo Chávez heute kein grosser Staat mehr zu machen. Sein Status als Revolutionsheld a la Che Guevara verfällt immer mehr. Seit George W. Bush als hemdsärmliger Gegenspieler von der politischen Weltbühne abgetreten ist, steht Chávez heute ziemlich isoliert da als Haudegen mit diktatorischen Allüren in der politischen Landschaft Südamerikas. Seine Verbündeten sind zunehmend Diktatoren oder demokratisch gewählte Autokraten: Fidel Castro, Daniel Ortega, Gaddafi. Vor allem aber: Seinem Land, Venezuela, geht es trotz seines Ölreichtums, wirtschaftlich immer schlechter – nicht gerade ein Leistungsausweis für den bolivarianischen Sozialismus.
Dennoch ist die Frage der Leserin berechtigt, denn in Peru mochte man Hugo Chávez noch nie. Auch nicht zu den Zeiten, als der Bolivarianismus a la Chávez noch als hoffnungsvoller Gegenentwurf… weiter lesen
15.06.2010 von Gerhard Dilger
Es ist selten, dass sich Venezuelas Präsident auf echte Interviews einlässt. Larry King (CNN) bekam letztes Jahr eins, und nun Stephen Sackur (BBC).
Hugo Chávez und Evo Morales in La Paz, Januar 2006
Erwartungsgemäß macht Chávez im zweiten, dem außenpolitischen Teil, eine viel bessere Figur als am Anfang, als es um Venezuelas Wirtschaft und Innenpolitik geht. Hier die vollständige, auf BBC World ausgestrahlte Version (leider nur mit spanischen Untertiteln).
Nachtrag 17.6. Aller guten Dinge sind drei: Soeben erhalte ich den Hinweis auf ein recht frisches Chávez-Interview auf CNN en español (¡Gracias, Carlos!). Hier ist es.
24.12.2009 von Gerhard Dilger
Nach dem gelungenen Staatsstreich in Honduras ist 2010 Venezuela an der Reihe -

Evo Morales, Fernando Lugo, Hugo Chávez und Rafael Correa auf dem Weltsozialforum 2009
jedenfalls wenn es nach Newsweek geht. Das US-Magazin übt bereits an der passenden medialen Begleitmusik – in Form einer “Vorhersage”. Als nächstes wird man Chávez wohl wieder einmal Verfolgungswahn unterstellen…
Merry Xmas!
09.12.2009 von Claudius Prößer

taz-Argentinienkorrespondent Jürgen Vogt hat kurz vor den Präsidentschaftswahlen in Chile den Überraschungskandidaten Marco Enríquez-Ominami (36) interviewt. Das latin@rama-Blog veröffentlicht die vollständige Fassung des auf taz.de erschienenen Gesprächs.
Herr Enríquez-Ominami, sind Sie ein Linker?
MEO: Ein fortschrittlicher Linker.
Als sie sich als Kandidat aufgestellt haben, sind Sie abgegangen wie eine Rakete. Fast aus dem Stand heraus kamen sie auf 13 Prozent. Wie erklären sie sich diesen Erfolg?
MEO: Mein erster Wahlslogan war: Chile hat sich verändert. Also nicht nur, dass sich Chile verändern muss, sondern sich bereits verändert hat. Dagegen irrt sich die Concertación, wenn sie vorgibt, Chile hätte sich zwar verändert, aber man könne noch immer Politik machen wie in der Zeit um 1988. Über vieles wurde und wird nicht gesprochen. Wir bieten eine neue Form des Politikmachens: Mutig, ehrlich, glaubwürdig. Das ist nichts Neues in der Welt, aber neu für die politische Klasse in… weiter lesen
01.10.2009 von Gerhard Dilger
Letzte Woche nutzte Hugo Chávez seinen Aufenthalt in den USA für eine publizistische Offensive. Nach seiner Rede vor der UN-Vollversammlung ließ er sich von CNN-Moderator Larry King befragen.

Auch der linken Wochenzeitung The Nation gab er ein Interview.
08.09.2009 von Gerhard Dilger
Mit seinem Auftritt auf dem Filmfestival von Venedig hat es Hugo Chávez sogar bis in die Yahoo-Nachrichten geschafft.
Er warb für Oliver Stones letzten Dokumentarfilm South of the Border.
Stone setzt darin dem weit verbreiteten Zerrbild über Südamerikas linke Präsidenten ein rundum positives Panorama entgegen.
Kritik an den Latino-Ikonen darf man darin wohl ebensowenig erwarten wie feine Nuancen in Michael Moores Capitalism: A Love Story, aber als unterhaltsames Gegengift gegen die allgegenwärtige mediale Vernebelung sind die Agitprop-Dokus der beiden US-Regisseure sicher gut geeignet.
05.07.2009 von Claudius Prößer
Wenn die Kinder von Ned Flanders, dem christlich-fundamentalistischen Nachbarn der
Simpsons, etwas Obszönes gesehen haben, bekommen sie die Augen mit Seife ausgewaschen. In Ecuador hat die Rundfunkaufsichtsbehörde
Conartel jetzt die Ausstrahlung der “Simpsons” vor den späten Abendstunden
untersagt.
Die Conartel beschied dem Sender Teleamazonas am Donnerstag mit sofortiger Wirkung, er dürfe die Serie lediglich zwischen 21 und 6 Uhr übertragen, solange die Behörde die Wirkung der Fernsehserie auf Kinder und Heranwachsende prüfe. Die Maßnahme diene dem Schutz minderjähriger Zuschauer vor dem Einfluss von “Programmen und Botschaften, die Gewalt und Rassen- oder Geschlechterdiskriminierung propagieren”, hieß es in der offiziellen Mitteilung. Der Sender, gegen den die Conartel bereits mehrere Sanktionsverfahren in anderen Angelegenheiten angestrengt hat, teilte daraufhin mit, er werde die “Simpsons” ab sofort um 5.30 Uhr ausstrahlen.
Anlass für das Sendeverbot am Tag soll die Folge “Lisas Krieg” gewesen sein, die am 22. Mai über den… weiter lesen
29.06.2009 von Gerhard Dilger
Auf dem Gipfel des linken Staatenbundes Alba (Boliviarianische Alternative für die Amerikas) in Nicaragua hat Honduras’ weggeputschter Präsident Manuel Zelaya Rückendeckung erhalten.

Zelaya (M. hinten) auf dem Iberoamerikanischen Gipfel 2008
Auch Brasiliens Staatschef Lula verurteilte den Staatsstreich. “Wir können keine andere Regierung außer der von Präsident Zelaya akzeptieren oder anerkennen”, sagte Lula soeben in seiner wöchentlichen Radiosendung Frühstück mit dem Präsidenten, “wenn Honduras nicht seine Position revidiert, wird es inmitten eines riesigen Kontinents demokratischer Länder völlig isoliert bleiben”.
