17.09.2011 von Peter Strack

Marsch fuer den TIPNIS
In einem Experiment fuer die Schule sollte meine Tochter diese Woche untersuchen, ob die Sauerstoffproduktion einer Pflanze mit der Menge der einfallenden Sonnenstrahlen waechst. Das Ergebnis war eindeutig und hat Julia in ihrer Ueberzeugung bestaerkt, wie wichtig der Erhalt gerade der Waelder in den sonnenreichen Tropenregionen ist.
Seit dem 15. August marschieren zunaechst 700, inzwischen mehrere Tausend Tiefland-Indígenas aus Protest gegen den geplanten Bau einer Ueberlandstrasse mitten durch den TIPNIS, Indigenes Territorium und Nationalpark Isiboro Sécure, ein Bau der nicht nur das Klima, sondern auch eine dort lebende Vielfalt von 858 Wirbeltierarten, 470 Vogelsorten, 188 Fischen und andere Wassertieren, 500 verschiedenen Heilpflanzen bedrohen wuerde. Und die meisten dort lebenden Arten seien noch gar nicht erfasst, sagt der Biologe Raul Altamirano der Tageszeitung Los Tiempos.
Fuer Praesident Evo Morales, der sich auf internationaler Ebene als Verfechter der Rechte der Mutter Erde und des Klimaschutzes praesentiert, ist Julia jedoch eine jener Naturromantiker, die sich nationalen Interessen, der Entwicklung und dem Fortschritt verweigern. Dank des Starrsinns der Regierung, die ihre einmal getroffene Entscheidung durchboxen will, statt mit den Beteiligten Alternativen und Kompromisse zu suchen, steht im Fall TIPNIS derzeit nicht nur die Natur und die Glaubwuerdigkeit der Regierung auf dem Spiel. Aendert die Regierung nicht ihren autoritaeren Stil, wird bald auch das Buendnis zerbrochen sein, das Evo Morales vor noch nicht allzu langer Zeit mit einer 2/3 Mehrheit an die Macht gebracht hat.
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24.08.2011 von Gerhard Dilger
Germany’s leading independent newspaper is the leftist, Berlin-based die tageszeitung (taz), and one of the most visited blogs on Latin-American topics in Europe is taz’s “Latinorama”
… schrieb Camilo Jiménez vom kolumbianischen Wochenmagazin Semana am 27.11.2008. Drei Monate nach Gründung von Latin@rama war das schon sehr schmeichelhaft, aber mittlerweile sind wir in der Szene der deutschsprachigen Lateinamerika-Fans tatsächlich etabliert.
Seiten wie Womblog, amerika21, LateinAmerika XXI, KoBra oder die Plattform Belo Monte verweisen regelmäßig auf unsere Postings, jüngst auch die russische Botschaft in Costa Rica oder die ecuadorianische in Berlin.
Wie sexy ist Latin@rama?
Viele Besucher kommen über Suchmaschinen zu uns, die Liste der top search terms führen Evo Morales, “Sex” und Eduardo Galeano an. Meistgesuchte Frauen, über die man schnell bei uns landet, sind… weiter lesen
06.08.2011 von Peter Strack
Dieser Tage steckte an der Haustuer ein kleiner fotokopierter Zettel der Nachbarschaftsorganisation unseres Viertels in Cochabamba: Mittwochabend mexikanische Mariachi-Musik, Donnerstagmorgen Aufmarsch der Schuelerinnen und Schueler sowie die Pflicht, die Nationalflagge am Haus anzubringen. Anlass ist der 6. August, bolivianischer Nationalfeiertag. Teilnahme sei Pflicht, den Widerspenstigen werden 50 Bolivianos (umgerechnet gut 5 Euro) Strafe angedroht.
Bislang wurden solche Drohungen nicht wahrgemacht. Sei es aus Anlass des offiziellen Starts der Verlegung der Gasleitungen fuer Privathaushalte, oder weil es einen Diebstahl gegeben hat und Schutzmassnahmen vereinbart werden sollen.
Und so ist unsere Strasse erst am 6. August selbst einigermassen beflaggt. Wir haben ohnehin keine dieser patriotischen rot-gelb-gruenen Textilien im Haus, weder als einfaches Tuch, geschweige denn in der seidenglaenzenden Ausgabe. Hoechstens eine klitzekleine, inzwischen arg verblasste Whipala, die Fahne der indigenen Bewegungen des Hochlands, die bei den Protesten der sozialen Bewegungen um die Jahrtausendwende fast ueberall praesent waren.
Aber die Whipala… weiter lesen
12.05.2011 von Peter Strack
Seit ihrem zwoelften Lebensjahr beteiligt sich die Bolivianerin Filomena Churo Condori aktiv im Leben ihres Dorfes Muruq’umarqa im Norden von Potosí. Auf Deutsch uebersetzt heisst das in etwa “Steinige Gegend”. Nur dank Jahrhunderte langer Traditionen werden in der auf ueber 3700
Metern Hoehe im Andengebirge gelegenen Region noch um die 50 verschiedene Kartoffelsorten angebaut. Mit Baumpflanzungen haben die Frauen das Mikroklima verbessert und Erosion bekaempft. So wird das Ueberleben der Gemeinden gesichert. … weiter lesen
28.03.2011 von Peter Strack
“Auch einer wie David Choquehuanca war mal ein Kind”, mit diesem Allgemeinplatz beginnt Anja Maier in der sonntaz ihre Reportage aus Bolivien, um den verfuegbaren Platz zunaechst mit Spekulationen darueber zu fuellen, was der bolivianische Aussenminister als Bauernkind wohl gedacht haben mag. Vielleicht war es eine der Fragen, die unbeantwortet blieben, wie Maier beklagt. Doch auch ein bolivianischer Minister redet lieber ueber seine eigenen Anliegen, als auf Klischees und Vorurteile zu antworten, die den Artikel wie ein roter Faden durchziehen.
David Choquehuanca und Evo Morales
Schon vor einem Vierteljahrhundert, mit 25 Jahren, soll Choquehuanca bereits „der“ Koordinator der bolivianischen Kleinbauern gewesen sein – die Anfuehrer und Anfuehrerinnen von damals, die verschiedenen Ausrichtungen, die Konflikte untereinander, dass mit Evo Morales am Ende die Gewerkschafter gegenueber den radikalen Indígenas wie dem „Mallku“ Felipe Quispe die Oberhand behielten, nun gut, das mag eher ein Thema fuer Historiker… weiter lesen
12.12.2010 von Gerhard Dilger
Boliviens Widerstand auf dem Weltklimagipfel gründet auf dem ökosozialistischen Programm der Regierung Morales
Von Jürgen Vogt und Elvira Treffinger
Es war nach Mitternacht, und der Weltklimagipfel schon Stunden über der Zeit, als Pablo Solón stur bei seinem Nein zu den vorgelegten Kompromissen blieb: Wieder und wieder betonte der bolivianische UN-Botschafter: “Es gibt keinen Konsens.” Bolivien könne keiner Vereinbarung zustimmen, die den Untergang der Erde und der Menschheit bedeute.
Die Delegierten aus 194 Ländern in Cancún hielten den Atem an: Würde die mühsam errungene Einigung einzig und allein an Bolivien scheitern? Die Regierung des südamerikanischen Landes verfolgt seit Jahren einen ökologisch-sozialistischen Kurs. Präsident Evo Morales geißelt Luxus und Verschwendung, fordert Klimagerechtigkeit “für die Völker der Welt”.

Evo Morales und Pablo Solón im April auf dem Alternativen Klimagipfel von Cochabamba
In Cancún stand Bolivien… weiter lesen
11.11.2010 von Gerhard Dilger
Mit seinen Äußerungen in und zu Bolivien, Peru, Ecuador und Kolumbien
“Ein Stück Freiheit, als Erinnerung an 40 Jahre sozialistischer Diktatur in Deutschland” (bei der Überreichung einer Mauerstück-Nachbildung an Evo Morales)
“Das neue, moderne und demokratische Peru ist dabei, die politische und wirtschaftliche Erfolgsgeschichte des letzten Jahrzehnts fortzuschreiben. Das Land ist auf dem besten Weg, zu einem Modell für erfolgreiche Entwicklung zu werden”
“Wir werden die Einzahlung in den Treuhandfonds für die ITT-lnitiative nicht in Betracht ziehen” (am 14.9.2010 zu Ecuadors visionärer Initiative, das Erdöl in einer artenreichen Regenwaldregion nicht zu fördern)
“Kolumbien ist eine der stabilsten Demokratien in Lateinamerika und bedarf der Unterstützung der freien Welt“
“In einer Gewaltregion ist an Ackerbau und Viehzucht nicht zu denken. Deshalb ist es auch gut, wenn die Bekämpfung der Terroristen von der Regierung durchgeführt wird”
“Der internationale Terrorismus ist eine Bedrohung für alle. In
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09.11.2010 von Gerhard Dilger
Die Ansichten über die am Wochenende zu Ende gegangene Südamerikareise von Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) sind geteilt. Während Niebel selbst, in einem Interview mit der Deutschen Welle, eine »positive Bilanz« zieht, kommt das Internetportal amerika21 zur entgegengesetzten Schlussfolgerung.
Für nicht wenige klingt Niebels Aussage wie eine Drohung: »Ich denke, wir sollten uns mehr um diesen Kontinent kümmern.« Denn die Bundesregierung sieht Lateinamerika vor allem als wichtigen Investitionsstandort und Rohstofflieferanten, wie auch auf dem Kurztrip von Niebels Parteifreund und Außenminister Guido Westerwelle durch Chile, Argentinien und Brasilien im März deutlich geworden war. Entwicklungspolitik steht in Niebels Lesart im Dienst von Wirtschaftsinteressen deutscher Firmen.
So mahnte er in Bolivien gegenüber Präsident Evo Morales Rechtssicherheit für ausländische Investoren an. Dort befürchtet er eine »Spirale nach unten«, weil angeblich »die staatlichen Betriebe private abschrecken« und »der Staat die Gewinne aus den Betrieben herauszuziehen scheint und nicht wieder investiert«.… weiter lesen
08.06.2010 von Benjamin Kiersch
Das hätten sich Llajtaymanta nicht träumen lassen: Anfang Mai brach eine Welle von wutschnaubenden chauvinistischen Kommentaren über eine der bekanntesten Folklore-Gruppe Boliviens herein. Eine auf Facebook gegründete Protestgruppe hat bereits über 13000 Mitglieder. Selbst die bolivianische Kulturministerin bestellte die Musiker ins Ministerium ein.

Was war passiert? Die Gruppe hatte zum Karneval einen Tanz für das Centro Cultural Andino komponiert und aufgenommen – was professionelle Musiker halt machen, um Geld zu verdienen. Der Titel heisst „Mi corazón está contigo“ und ist im Rhythmus des Caporales komponiert, einem traditionellen bolivianischen Tanz, der aus der afrobolivianischen Tradition entlehnt ist, und jedes Jahr von zahllosen Gruppen zum Karneval aufgeführt wird. Der Tanz symbolisiert die Unterdrückung der ArbeiterInnen während der Kolonialzeit: der Vortänzer („Caporal“) „motiviert“ die übrigen TänzerInnen, seine „Untergebenen“, mit Peitsche und Schellen zum immer schnelleren Tanz.
Der Text der Llajtaymanta-Auftragsarbeit scheint unauffällig: