Jetzt hat auch Chile seine Missbrauchsaffäre: Seit Ende April ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den katholischen Priester Fernando Karadima. Mehrere Männer werfen ihm vor, sie wiederholt sexuell belästigt zu haben, während sie – als Jugendliche oder junge Erwachsene – an seiner Pfarrei tätig waren.
Karadima ist kein Unbekannter in Chile: Der charismatische 80-Jährige war “spiritueller Schüler” des 1952 gestorbenen und 2005 heilig gesprochenen Jesuiten Alberto Hurtado, und er scharte an seiner Pfarrei “Sagrado Corazón de Jesús de El Bosque” im Santiagoer Stadtteil Providencia junge Männer aus wohlhabenden Familien um sich, für die er selbst den Glanz der Heiligkeit ausstrahlte. So beschreibt es eines seiner Opfer, der Chirurg James Hamilton, der jetzt in einer Sondersendung des staatlichen TVN sein Schweigen auch öffentlich gebrochen hat. Hamilton und andere, die gegen Karadima klagen, berichten von der Methode des Priesters, sie in einem langsamen Annäherungsprozess zu “Komplizen” der sexuellen Berührungen und… weiter lesen
Mit dem heutigen 1:0 gegen Ecuador hat sich die bereits für die WM-Teilnahme qualifizierte chilenische Nationalmannschaft noch einen runden Abschluss der eliminatorias gegönnt. Auf Platz zwei der Liste hat sich die Roja hochgearbeitet, nur ein hauchdünner Punkt trennt sie von den Brasilianern. Nach zwölf Jahren endlich wieder vom Weltmeistertitel träumen! Natürlich wird jetzt gefeiert.
Einer, der nach Ansicht vieler Chilenen ein gerüttelt Maß an Verantwortung für diesen Erfolg trägt, ist Trainer Marcelo Bielsa. Dieser Tage dürfte sich der Argentinier kaum auf die Straße wagen: Man würde ihm am liebsten ununterbrochen die Füße küssen dafür, eine junge Mannschaft ohne Stars wie Marcelo Salas oder Iván Zamorano mit liebevoller Strenge und bedingungsloser Hingabe an den Fußball zu einem Team aufgebaut zu haben, das verblüffend gut funktioniert. So groß ist die Hingabe des rosarino, wie ihn die Presse nach seiner Heimatstadt Rosario gerne nennt, dass man ihn seit August… weiter lesen