27.01.2009 von Gerhard Dilger
Ein zentrales Thema des Weltsozialforums in Belém wird Amazonien sein. Auch auf dem “Forum über Theologie und Befreiung”, das am Sonntag zu Ende ging, drehten sich viele Aktivitäten um die bedrohliche Lage für Mensch und Natur in der Neun-Länder-Region. Im Foyer wurde an die Ordensfrau Dorothy Stang erinnert, die ihren Einsatz für brasilianische Kleinbauern 2005 mit dem Leben bezahlte.
Stargast war der 70-jährige Befreiungstheologe Leonardo Boff, der klarsichtig die Krise Amazoniens und der Welt analysierte. “Das Weltsozialforum muss Druck auf die brasilianische Regierung ausüben, damit sie eine klare Amazonienpolitik entwickelt”, sagte er in einem Interview. Bislang gebe es nur punktuelle Maßnahmen gegen die Waldzerstörung, aber keinen kohärenten Plan, kritisierte Boff: “Wir brauchen keinen Plan zur Beschleunigung des Wachstums, sondern zur Integration und zum Erhalt Amazoniens.”
Doch bei seinen öffentlichen Auftritten zeigte sich eine Schwäche, die viel mit der politischen Kultur der lateinamerikanischen Linken zu tun hat: Kontroverse Debatten… weiter lesen
14.12.2008 von Gerhard Dilger
Leonardo Boff hat heute seinen 70. Geburtstag gefeiert.
“Immer wieder neu kreativ zu sein, im wunderbaren Durcheinander zwischen der profanen Wirklichkeit und dem religiösen Denken – das macht mir am meisten Spaß.” Nichts liegt Boff, der sich als “franziskanischen und ökumenischen Katholiken” definiert, ferner als der Gedanke an den Ruhestand. “Bis zum Jüngsten Gericht werde ich für Gerechtigkeit kämpfen”, versichert der Befreiungstheologe.
Genézio Darci Boff wurde 1938 als Enkel italienischer Einwanderer in Concordia im südbrasilianischen Bundesstaat Santa Catarina geboren. Den Namen Leonardo nahm er in einem franziskanischen Priesterseminar an. Von 1965 bis 1970 studierte und promovierte er in München.
Der erste große Einschnitt in seinem Leben war seine Rückkehr nach Brasilien. Im Amazonasgebiet musste der frischgebackene Doktor der Theologie erfahren, dass die dort lebenden Menschen mit “dem hochgescheiten Zeugs aus Deutschland” nichts anfangen konnten. In Petrópolis bei Rio de Janeiro, wo er bis heute lebt, schrieb Boff anschließend das… weiter lesen
25.08.2008 von Gerhard Dilger
Seit 10 Tagen ist er nun schon Paraguays Präsident, der kürzlich durch den bayerischen Papst von seinem Bischofsamt freigestellte Fernando Lugo.

Mit Margarita Mbywangi ernannte der Befreiungstheologe erstmals eine Indígena zur Vorsitzenden des nationalen Indigenen-Instituts, dann schickte er fast die gesamte Armee- und Polizeiführung in den Ruhestand.
„Ich habe keine Angst vor Chávez, ich habe keine Angst vor Evo“, verkündete Lugo am Tag der Amtseinführung – und schmetterte abends mit seinem venezolanischen Kollegen demonstrativ den Mercedes-Sosa-Song „Todo cambia“.
Einen guten Eindruck von der Aufbruchstimmung in Paraguay vermittelt das Tagebuch von Hermann und Ute Schmitz, den rührigen Begründern der Pro Paraguay Initiative im niederrheinischen Kempen.
P. S. Die Amtseinführung war auch ein lateinamerikanisches Fest. Hier Fernando Lugo mit den großen alten Linken Leonardo Boff (Brasilien), Eduardo Galeano (Uruguay) und Ernesto Cardenal (Nicaragua):
