Posts Tagged ‘Miguel Enríquez’

09.12.2009 von Claudius Prößer
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“Ich twittere den ganzen Tag”

von Claudius Prößer

taz-Argentinienkorrespondent Jürgen Vogt hat kurz vor den Präsidentschaftswahlen in Chile den Überraschungskandidaten Marco Enríquez-Ominami (36) interviewt. Das latin@rama-Blog veröffentlicht die vollständige Fassung des auf taz.de erschienenen Gesprächs.

Herr Enríquez-Ominami, sind Sie ein Linker?

MEO: Ein fortschrittlicher Linker.

Als sie sich als Kandidat aufgestellt haben, sind Sie abgegangen wie eine Rakete. Fast aus dem Stand heraus kamen sie auf 13 Prozent. Wie erklären sie sich diesen Erfolg?

MEO: Mein erster Wahlslogan war: Chile hat sich verändert. Also nicht nur, dass sich Chile verändern muss, sondern sich bereits verändert hat. Dagegen irrt sich die Concertación, wenn sie vorgibt, Chile hätte sich zwar verändert, aber man könne noch immer Politik machen wie in der Zeit um 1988. Über vieles wurde und wird nicht gesprochen. Wir bieten eine neue Form des Politikmachens: Mutig, ehrlich, glaubwürdig. Das ist nichts Neues in der Welt, aber neu für die politische Klasse in… weiter lesen

28.11.2009 von Claudius Prößer
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Eine linke Handbewegung

von Claudius Prößer
Alejandro Goic, Regisseur und Schauspieler sowie seit den Sieb­zi­ger­jah­ren be­ken­nen­der Sozialist, unterstützt im Wahlkampf Jorge Arrate. Vor­her hat­te er sich für die Kandidatur von Alejandro Navarro ins Zeug ge­legt, bis der Senator aufgab und Marco Enríquez-Ominami zur neuen lin­ken Hoff­nung kürte. Das hält Goic für einen schlechten Scherz: “MEO instrumentalisiert das Erbe derer, die sich unter der Diktatur aufgeopfert haben, solidarisch waren, sich für die Armen und die Würde der Arbeiter eingesetzt haben. Dieses Erbe, diese Tradition verunglimpft er. Er ist der Prototyp des Yuppie, des rechten Liberalen. Als Unternehmer gehorcht er diesem kulturellen Paradigma.”

Dass “MEO” von vielen Chilenen als De-facto-Rechter betrachtet wird, liegt auch an manch un­durch­sich­ti­ger Figur in dessen Wahl­kampf­kom­man­do: etwa Max Marambio, einst Mitglied der politischen Leibwache Allendes (der GAP), der später auf und mit Kuba äußerst lukrative Geschäfte machte und Carlos Cardoen dort einführte, einen Mann, der sich unter Pinochet mit… weiter lesen

24.05.2009 von Claudius Prößer
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Marco, el fenómeno

von Claudius Prößer

Der Mann ist 35 Jahre jung, Abgeordneter der Sozialistischen Partei Chi­les und will im Dezember Präsident werden. Nicht von seiner Partei, son­dern von Chile. Seine Chancen stehen besser, als man vermuten könnte.

Marco Enríquez-Ominami heißt der Mann, der die Chefs der regierenden Concertación (darunter die Sozialisten) als “Dinosaurier” bezeichnet. Der glaubt, die “Lösungsansätze der 70er-, 80er- und 90er-Jahre” hätten “weder die Kraft noch ausreichend Legitimität, um radikale Reformen einzuleiten”. Seine eigenen Lösungsansätze sind im Netz unter www.marco2010.cl nachzulesen: mehr Solidarität und weniger Neo­li­be­ralismus, mehr Demokratie und Transparenz, bessere Rechte für Ar­beit­nehmer und Verbraucher, bessere Bildung, konsequenterer Um­welt­schutz. Ganz so radikal klingt das nicht, aber wegen Enríquez-Ominami kriegt derzeit mancher Politiker der Concertación täglich büschelweise graue Haare.

“Marquito”, wie ihn Camilo Escalona, der Vorsitzende der Sozialistischen Partei, einmal abfällig genannt hat, strebt das höchste Amt der Republik nämlich ohne den Segen der regierenden Koalition an. Die schickt… weiter lesen