Der chilenische Wahlkampf läuft inzwischen auf Hochtouren und bringt manche Überraschung mit sich. Etwa die, dass nach einhelliger Meinung der meisten Beobachter Jorge Arrate, der Kandidat der außerparlamentarischen Linken, die erste Fernsehdebatte der verbliebenen vier Kandidaten eindeutig für sich entschieden hat. Das wird dem silberhaarigen Ex-Sozialisten zwar nicht in den Präsidentenpalast verhelfen – die besten Umfragewerte für ihn liegen bei vier Prozent der Stimmen -, aber der linken Sache schadet es gewiss nicht. Arrate, der von den Kommunisten und den “allendistischen” Sozialisten unterstützt wird, punktete mit sicherem, entspanntem und humorvollem Auftreten, aber auch mit glasklaren Aussagen zum größten Skandalon im Chile von heute: der abgrundtiefen sozialen Ungleichheit, die allen löblichen Gesundheits- und Rentenreformen zum Trotz das Land spaltet.
Im Mittelfeld bewegten sich Marco Enríquez-Ominami, der Querschläger aus den Reihen der Sozialistischen Partei, dessen jugendlich-rebellisches Image unter dem stark reglementierten TV-Format litt, und Ex-Präsident … weiter lesen
Gestern vor 20 Jahren verlor Pinochet das Plebiszit, das ihn für weitere acht Jahre im Amt bestätigen sollte. Es war keine vernichtende Niederlage – aber immerhin. Aus diesem Anlass heute zwei historische Videoclips: die Wahlwerbung der NO-Kampagne (Nein zu Pinochet), die nach anderthalb Jahrzehnten Diktatur von vielen Chilenen als extrem erfrischend erlebt wurde, sich dabei aber jedes nur denkbaren Zahnpastareklame-Klischees bedient. Auch Aerobic wurde da getanzt.
Die Gräuelkampagne, mit der das Pinochet-Lager (das SÍ) seine Gegner zu diskreditieren suchte, kam nicht ganz so gut an:
Besonders erhellend der Spruch Aunque el marxista se vista de seda, marxista queda (“Auch wenn der Marxist sich in Seide kleidet, er bleibt doch ein Marxist” – der Original-Spruch geht so ähnlich, man muss nur mono - Affe – für marxista einsetzen).