13.09.2012 von Hildegard Willer
Ob es Zufall war, dass der peruanische Präsident Ollanta Humala ausgerechnet am 12. September 2002 eine Pressekonferenz mit der Auslandspresse anberaumte ? Genau 20 Jahre zuvor, am 12. September 1992, zeigte sein Vor-vor-vorgänger Alberto Fujimori der verdutzten Öffentlichkeit einen Abimael Guzmán im Käfig. Das Bild vom bärtigen Terroristenführer im gestreiften Sträflingsanzug, der hinter Käfigstäben kommunistische Parolen schrie, ging damals um die Welt.
Für Fujimori war dies der wohl bedeutendeste politische Sieg seiner Amtszeit, für Peru bedeutete die Gefangennahme des Anführers des Leuchtenden Pfades den Anfang vom Niedergang der maoistischen Terrorgruppe “Leuchtender Pfad” oder Sendero Luminoso. Der blutrünstigsten Guerrilla Lateinamerikas – nach den Ergebnissen der nachfolgenden Wahrheitskommission gingen 54% der ingesamt 70 000 Toten auf das Opfer des Sendero Luminoso und der sehr viel kleineren Gruppierung MRTA - weinte in Peru kaum jemand eine Träne nach. Auch Präsident Humala erinnert sich, wie er vor 20 Jahren, noch als Offizier der peruanischen… weiter lesen
12.02.2012 von Hildegard Willer
Gut 10 000 Bergbaugegner sind am Freitag, den 10. Februar durch Lima marschiert, um im Parlament zwei Gesetzesentwürfe abzugeben: einer soll den Bergbau in Wasserquellgebieten untersagen; der andere Bergbau mittels Zyanid und Quecksilber (was bei der momentanen Technologie einer de-facto-Einstellung des Gold- und Silberbergbaus entsprechen würde). Das letzte Mal waren soviele Menschen Ende Mai 2011 auf den Strassen Limas, um gegen die Kandidatin Keiko Fujimori zu protestieren und für den Kandidaten Humala. Dieses Mal sind es Bergbaugegner aus ganz Peru, die ihre Forderungen auf die Strassen der Hauptstadt tragen.

Am Protestmarsch haben vor allem Bürgerinitiativen aus ganz Peru teilgenommen, die sich gegen Bergbauprojekte auf ihren Gebieten wehren. Konkreter Anlass für den Protestmarsch sind die Auseinandersetzungen um das geplante Goldabbauprojekt “Conga” in Cajamarca, im Norden Perus. In einem 10-tägigen Fussmarsch waren gut 500 Bauern aus Cajamarca nach Lima gekommen , um gegen das von der Regierung Humala unterstützte Projekt zu… weiter lesen
25.11.2011 von Gerhard Dilger
Von Stephanie Boyd, Lateinamerika Nachrichten 450
Nach den Wahlen in Peru, aus denen der linksnationalistische Ollanta Humala als Sieger hervorgegangen ist, sind die Erwartungen auf dem Land hoch. Von dort bekam er den Großteil seiner Stimmen und die Bewohner_innen erwarten, dass er sich wie im Wahlkampf versprochen für ihre Rechte einsetzt und diese gegen Großkonzerne verteidigt. In Asacasi, einem kleinen Dorf, dessen Lebensgrundlage durch ein Kupferbergbauprojekt bedroht ist, treffen die Anwohner_innen die ersten präventiven Maßnahmen, um sich gegen den schweizerischen Konzern Xstrata zu wehren.
Die Straße ist mehr als schlecht. Es würde vieler Leute, schwerer Maschinen und mehrerer Wochen harter Arbeit bedürfen, um sie erst einmal in einen schlechten Zustand zu bringen. Ohne Vorwarnung endet der Asphalt bereits nach zwanzig Minuten Fahrt außerhalb von Cuzco, der Touristenstadt mit ihren 5-Sterne-Hotels und Sushi-Restaurants. Und das, obwohl mein Ziel, die Stadt Tambobamba, nicht irgendein vergessener Ort im Niemandsland ist. Tambobamba ist die Hauptstadt der Provinz Cotabambas und liegt nur ein paar Fahrstunden entfernt vom massiven Las- Bambas-Kupferprojekt, das sich momentan in der Bauphase befindet.
Normalerweise profitieren Städte, die an Straßen zu Bergbauprojekten liegen, von einer vernünftigen Straßenanbindung – vor allem wenn es die Straße zur Provinzhauptstadt ist. Nicht so Tambobamba. Die Arbeiter_innen des Bergbauunternehmens werden per Hubschrauber eingeflogen und die Straße verbleibt in einem armseligen Zustand. … weiter lesen
14.09.2011 von Hildegard Willer
Nein, es ist kein Oxymoron, keine rhetorische Verschleifung zweier Gegensätze: Peru erlebt Flitterwochen.
Mit seinem neuen Präsidenten, mit seiner Fussballmannschaft und natürlich mit seiner Gastronomie. Etwas ungewohnt für ein Land, das sich so lange als Armenhaus und “failing state”, als Land der Extreme vorkam. Zuletzt als sich der Linksnationalist und ehemalige Putschist Ollanta Humala und die Diktatorentochter Keiko Fuijmori in der Stichwahl gegenüber standen. Humala gewann, unter grössten Bedenken sowohl aus Wirtschaftskreisen wie auch aus Kreisen derjenigen, die um die Demokratie in Peru fürchteten. 6 Wochen nach seinem Amtsantritt kann Ollanta Humala auf den Rückhalt von 70% der Bevölkerung zählen, wie eine jüngste landesweite Umfrage ergab. Das sind fast 20% mehr als die 52%, die vor drei Monaten für Humala gestimmt haben. Drei Gründe mögen den Ausschlag geben für diese hohe Beliebtheit:
Zum einen hat Humala mit der Ernennung eines marktfreundlichen Finanzministers die aufgeschreckten Wirtschaftskreise beruhigt. Nachdem Miguel Castilla… weiter lesen
10.04.2011 von Hildegard Willer

Wen die Peruaner lieben, den nennen sie bei Vornamen oder geben ihm oder ihr einen Spitznamen. Damit ist man sozusagen in die Familie aufgenommen, im Guten wie im Schlechten. Oft verweisen die Spitznamen auf kulturelle Stereotypen, die im multikulturellen Peru äusserst vielschichtig und dynamisch sind. Die vier aussichtsreichsten Kandidaten für die morgigen Wahlen sind von den Peruanern deswegen längst “getaggt” worden: Comandate, Cholo, China, Gringo.
Schauen wir uns an, wie die Kandidaten diese Stereotypen bewusst einsetzen oder aber sich dagegen wehren.
El “Comandante” Ollanta Humala:
Der Übername “Comandante” rührt von der militärischen Vergangenheit Humalas und erinnert positiv an seinen Putschversuch gegen den in den letzten politischen Zügen liegenden Alberto Fujimori. Vor allem die Wähler in den ländlichen Gegenden wählen Humala eben deswegen: weil sie sich von ihm die Regierung der festen Hand erhoffen, die gegen Schlendrian, Korruption und sonstige Übel vorgeht. Im negativen jedoch erinnert “Comandante” an… weiter lesen
26.03.2011 von Hildegard Willer
Endlich wird es spannend. Während sich der limenische Sommer dem Ende zuneigt, wird es im Rennen um die Präsidentschaftswahl am 10. April nochmal richtig heiss.
Nachdem es wochenlang danach aussah, als ob Alejandro Toledo auf jeden Fall in die zweite Runde kommen würde, und Ollanta Humala und Pedro Pablo Kuczynski (auf Grund seines für Peruaner unaussprechlichen Namens nur PPK genannt) weit abgeschlagen waren, ist 2 Wochen vor den Wahlen wieder alles offen. Die letzte Umfrage von Datum S.A. sieht Toledo mit 19,4% knapp vor Ollanta Humala und PPK mit 17,6% der Stimmen. Keiko Fujimori, die Tochter des einsitzenden Ex-Präsidenten Alberto Fujimori, folgt mit 16,1%, der vormalige OB von Lima, Luis Castañeda, dicht dahinter mit 15%.
Zum einen ist dies ein guten Zeichen: Endlich könnte über Inhalte geredet werden. Denn der Links-Kandidat Ollanta Humala und der als Vertreter der Wirtschafts-Elite angesehene PPK vertreten ursprünglich antagonistische Positionen, auch wenn beide Kandidaten mit… weiter lesen
24.02.2011 von Hildegard Willer
Alle kehren zurück, beginnt ein bekanntes peruanisches Lied. Der Titel könnte auch für die Wahlkampagne 2011 stehen. Auf der politischen Bühne machen sich die Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen am 10. April bereit, und, siehe da, es sind alles alte Bekannte: Alejandro Toledo, peruanischer Präsident 2001-2006; Ollanta Humala, der 2006 die Wahlen knapp gegen Alan García verloren hat; Luis Castañeda, bis vor kurzem Bürgermeister von Lima; Keiko Fujimori, die Tochter des verhafteten ExPräsidenten Alberto Fujimori, sowie Pedro Pablo Kuczynski, Wirtschafts- und Premierminister in der Toledo-Regierung: sie alle wollen am 10. April von den Peruanerinnen und Peruanern gewählt werden.
Die besten Chancen hat gemäß den Umfragen Alejandro Toledo. Er hatte sich vor 10 Jahren um die Rückkehr Perus zur Demokratie verdient gemacht, hat Fujimoris liberales Wirtschaftsprogramm weitergeführt und die Grundlagen für das anhaltende Wirtschaftswachstum gelegt. Trotz dieser unbestrittenen Erfolge wurde Alejandro Toledo während seiner Präsidentschaft viel gescholten und wenig geliebt.… weiter lesen