… und danke für den Fisch: Der Abgesang des “Mercurio” auf Puerto Montt
Eigentlich ist es ein Zufall, dass wir sie nicht kennen, Bernarda García und Alvaro Quintana. Sie wohnen irgendwo bei uns um die Ecke, in unserem Viertel, die Kinder gehen auf die Deutsche Schule. Gingen. Denn wie eine gerade im “Mercurio” erschienene Reportage schildert, sitzen die vier auf gepackten Koffern. Das Kapitel Puerto Montt ist für sie abgeschlossen: “Hier geht einfach nichts mehr.”
Der Ingenieur Quintana verdiente bis vor kurzem 5 Millionen Pesos (6.500 Euro) in einer Firma, die hydraulische Anlagen für die Lachsindustrie installiert und wartet. Die beiden Kinder besuchten die teuerste Schule am Ort, die Familie mietete ein großes Haus mit Garten, ging an den Wochenenden gut essen oder ins Casino von Puerto Varas, alles lief wie geschmiert. Dann geriet der Lachs in die Krise. Heute kann die Familie kaum noch… weiter lesen
Die nächsten Ferien stehen eigentlich erst im Juli an – aber in Puerto Montt geht zurzeit kaum ein Kind in die Schule. Das hat unterschiedliche Gründe: An den öffentlichen Schulen Chiles streiken seit vorletzter Woche die Lehrer, um eine von der Regierung in Aussicht gestellte, aber nie ausgezahlte Sonderzulage einzufordern. Noch ist keine Einigung ist in Sicht. Die vielen privaten Einrichtungen betrifft das nicht – dennoch sind viele mindestens bis kommende Woche geschlossen. Wegen Schweinegrippe.
Tatsächlich verbreitet sich das Virus in Chile so schnell wie in kaum einem anderen Land, und am schnellsten greift es in Puerto Montt um sich. Warum das so ist, stellt für die Gesundheitsbehörden ein Rätsel dar. Wahrscheinlich hat es viel mit dem feuchtkalten Wetter zu tun, das hier unten jeden Winter für generalisierte Atemwegsbeschwerden und Gliederschmerzen sorgt. Heute gibt es in der Stadt knapp 40 bestätigte Fälle von influenza… weiter lesen
Viel zu sehen ist hier nicht: Monte Verde (Foto: El Llanquihue)
Puerto Montt ist eine junge Stadt, so jung, dass schon hundertjährige Gebäude die Aura der Antike umweht. Umso besser, dass ein Ort ganz in der Nähe die fehlende Geschichtsträchtigkeit locker kompensiert: In Monte Verde wollen Archäologen bei Grabungen in den Achtzigerjahren die allerältesten Zeugnisse menschlicher Siedlungstätigkeit auf dem amerikanischen Doppelkontinent gefunden haben – mit geschätzten 14.000 Jahren noch deutlich älter noch als die der Clovis-Kultur in New Mexico.
Von so viel Bedeutsamkeit spürt man in Monte Verde selbst bislang nichts. An den Ufern des Chinchihuapi-Flüsschens gibt es, dem Ortsnamen entsprechend, hauptsächlich grüne Hügel sowie Kühe und Bäume zu sehen. Seit langem hegt die Stadt Pläne, hier ein standesgemäßes Museum zu errichten, das auch Touristen anziehen könnte. Das aber ging bislang nicht, weil sich das Gelände in Privatbesitz befindet und der chilenische Staat solche Projekte nur kofinanziert,
Frank Zappa and the Mothers Were at the best place around But some stupid with a flare gun Burned the place to the ground
Hätte ich auch nicht gedacht, dass ich eine Band, deren bis heute populärster Song erschien, als ich drei war, noch live zu Gesicht bekomme – sechsunddreißig Jahre später und immerhin in Drei-Fünftel-Originalbesetzung. Deep-Purple-Sänger Ian Gillan war aber auch ziemlich hinfällig und musste ständig nebens Mikro husten. Zudem verschwand er alle paar Minuten hinter die Bühne, um sich dort irgendwelche illegalen Substanzen, vielleicht aber auch nur einen Stoß Asthmaspray zu verpassen. Die restlichen Musiker rissen’s raus, mit richtig gut abgerocktem Rock, ebenso kreischenden wie virtuosen Soli und extrem routiniertem Timing. Aber das darf man nach vierzig Jahren Bandgeschichte ja auch erwarten.
Natürlich hätte ich in den vergangenen 20 Jahren in beliebig viele Deep-Purple-Konzerte gehen können, wenn ich gewollt hätte… weiter lesen
Seit den Kommunalwahlen am Sonntag ist Puerto Montt ein ziemlich einsamer Leuchtturm der auf Staatsebene regierenden Concertación: Nur zwei Hauptstädte der 14 Regionen Chiles (die región metropolitana nicht mitgerechnet) werden noch von Bürgermeistern des Mitte-Links-Bündnisses geführt. Dass die Bürger unserer Stadt den sozialistischen Amtsinhaber mit dem klingenden Namen Rabindranath Quinteros klar wiederwählten, dürfte einfach an dessen jovialer Persönlichkeit liegen – und daran, dass die Stadt trotz aller Lachs-Krisen immer noch floriert. Da liegt eben kein Wechsel in der Luft.
Im Rest des Landes sah das offenbar anders aus: Das rechte Bündnis Alianza por Chile erreichte bei der Wahl der Bürgermeister gut 40 Prozent der Stimmen und toppte damit die Concertación, die zwei Prozentpunkte darunter blieb. Für die Rechten ein Traumergebnis, das aus ihrer Sicht den Sieg bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr vorwegnimmt. Tatsächlich ist es der erste Wahlsieg überhaupt,… weiter lesen
Der Lachs gilt als Schwein des Meeres, weil man den gefräßigen Fisch in kurzer Zeit und Gefangenschaft auf ein stattliches Gewicht mästen kann. Die Lachsfarmen Südchiles, in Buchten, Fjorden und (je nach Entwicklungsstadium der Tiere) Seen der Region kann man aber auch gut und gerne mit der industriellen Hühnerzucht vergleichen: Hunderttausende dicke, silbrige Leiber verschlingen irgendwo unten im Wasser in enge Netze gepfercht ihr Kraftfutter. Oben sieht man nicht viel davon, nur ein paar rechteckige oder runde, mit Stegen verbundene Strukturen, die auf den blauen Wellen dümpeln. Und doch ist Chile heute nach Norwegen zweitgrößter Lachsexporteur der Welt.Der Lachs hat Puerto Montt und der Umgebung ungeahnten Wohlstand beschert, seit die Industrie in den Neunzigerjahren zu boomen begann. Dabei verdienen natürlich einige wenige sehr viel und sehr viele eher wenig, aber die Arbeitslosigkeit in der Region ist stark zurückgegangen. Der Lachs generiert Arbeitsplätze in allen
Insgesamt 234 Festnahmen, davon 160 in Santiago, 22 durch scharfe Munition, Schrotkugeln und Steinwürfe verletzte Polizisten und neun verletzte Demonstranten, davon einer mit einem schweren Schädeltrauma, vermutlich durch eine Tränengaskartusche – das war nach Angaben des Innenministeriums die Bilanz der diesjährigen Protestnacht des 11. Septembers. Immerhin: Es gab keine Toten zu beklagen wie in vergangenen Jahren.
Die Ausschreitungen am “once” finden hauptsächlich in armen Randbezirken, aber auch im Zentrum von Santiago statt, sie haben sich als Gewaltritual längst vom eigentlichen Anlass gelöst. Während der Protest von Attacken auf die Infrastruktur der “eigenen” Viertel geprägt ist (nicht unähnlich dem, was in Berlin-Kreuzberg über viele Jahre hinweg am 1. Mai geschah), fährt die Staatsmacht im Gegenzug an Repressionswerkzeug auf, was die Arsenale hergeben.
Zu Schlagstöcken, Gummigeschossen, Tränengas und Wasser hat sich an diesem 11. September eine neue “nicht-tödliche Waffe” gesellt: Ein Long Range Acoustic Device (LRAD), wie… weiter lesen
Puerto Montt, unsere kleine, verregnete Stadt im Süden des Landes, besitzt etwas, was in Chile noch lange nicht Normalität ist: eine Salvador-Allende-Straße. Die steil ansteigende und ziemlich unansehnliche Ausfallstraße, die kürzlich bis zur Uferpromenade verlängert wurde (im Rahmen des Infrastrukturprogramms zur 200-Jahr-Feier der chilenischen Unabhängigkeit) dürfte sogar eine der größten und längsten im Lande sein. In Santiago gibt es lediglich eine Avenida Salvador Allende weit draußen an der Peripherie, dafür aber immer noch eine Avenida 11 de Septiembre zur dankbaren Erinnerung an den Putsch von 1973.
Was in Chile rar ist, gibt es andernorts zuhauf. Diese hübsche Website hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle Salvador-Allende-Straßen und -Gassen, -Ruen und -Avenuen der Welt fotografisch zu dokumentieren. Auch Schulen, Krankenhäuser und Bibliotheken sind dabei, sowie ein Öltanker namens Pablo Neruda und ein Planet namens Víctor Jara. Mit Abstand führend bei… weiter lesen