28.01.2013 von Gerhard Dilger
Auf zwei Aktionärsversammlungen deutscher Multis regte sich vor kurzem erneut Protest gegen deren Rolle bei Megaprojekten in Brasilien.
Christian Russau redete am 18.1. auf der Hauptversammlung des Krisenkonzerns Thyssen-Krupp:
(…) ich spreche hier im Namen eines Bündnisses aus Dachverband der Kritischen Aktionäre, medico international, FDCL und KoBra – Kooperation Brasilien, das ist das Netzwerk der Brasilien-Solidaritätsgruppen in Deutschland.

Herr Cromme und Herr Hiesinger, vielen Dank für Ihre Ausführungen – nur leider muss ich Ihnen zum wiederholten Male erklären, dass ich es Leid bin, von ThyssenKrupp Falsches, Widersprüchliches und Lückenhaftes als Auskunft zu bekommen.
Erstens: Das TKCSA-Stahlwerk in Rio de Janeiro hat derzeit gar keine Betriebsgenehmigung. Das Einzige, was Sie haben, ist ein Abkommen zwischen Umweltamt und Ihrer Firma über die Anpassung der Durchführungsbestimmungen der Werkproduktion, ein sogenannter TAC-Vertrag (“Termo de Ajuste de Conduta – TAC“). Dies ist keine Betriebsgenehmigung. Der TAC-Vertrag listet
… weiter lesen
06.12.2012 von Gerhard Dilger
Oscar Niemeyer ist tot. Am Mittwochabend, wenige Tage vor seinem 105. Geburtstag, ist Brasiliens Stararchitekt in Rio gestorben.
“Samstags und sonntags arbeite ich am meisten”, erzählte er noch vor ein paar Jahren in seinem Atelier an der Copacabana. “Alleine blättere ich einige Bücher durch, schreibe einen Text, zeichne oder denke ganz einfach über das Leben nach.”
“Das Leben ist ein Hauch”, umriss der bekennende Kommunist und Atheist seine Philosophie. “Der Mensch ist nichts wert, er wird geboren und stirbt. Also muss er zum Himmel sehen und fühlen, dass er klein ist, dass er bescheiden sein muss, dass nichts wichtig ist.”
Eines seiner letzten umgesetzten Projekte war das 2011 eingeweihte Kulturzentrum im nordspanischen Avilés (s. u., Foto: dpa), eine gewohnt kurvenreiche, luftige Anlage. In Havanna ist nach seinem Entwurf ein neues Gebäude für die brasilianische Botschaft geplant, und in Caracas soll ein riesiges Denkmal zum… weiter lesen
12.06.2012 von Gerhard Dilger
Vor einer Woche habe ich bereits über die “Karawane für das Leben” von Copacabana nach Copacabana, also vom bolivianischen Wallfahrtsort am Titicacasee bis zur mondänen Strandpromenade in Rio, berichtet. Laut Plan befindet sich die Theatertruppe Trono aus El Alto derzeit in São Carlos (Bundesstaat São Paulo), wo sie ihr Stück “Bis zum letzten Tropfen” aufführt, auf diversen Blogs (etwa hier oder hier) ist das nachzulesen.

Worum geht es? Junge Leute aus Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Nicaragua, Frankreich, Belgien, Deutschland und Malta – Schauspieler, Helfer, Aktivisten – wollen vor und zum Umweltgipfel Rio+20 ihre Anliegen unter die Leute bringen, das Menschenrecht auf sauberes Wasser oder auf eine Landwirtschaft ohne agrotóxicos (wörtlich: Agrogifte, als Pestizide, Herbizide, Insektizide, Kunstdünger – absoluter Weltmeister im Verbrauch dieser “Agrogifte” ist Brasilien).
Gesponsert wird die Karawane von… weiter lesen
21.12.2011 von Gerhard Dilger
Von Christian Russau und Katarine Flor, amerika21.de
Rio de Janeiro. Am 9. November dieses Jahres soll es im umstrittenen ThyssenKrupp-Stahlwerk TKCSA in Rio de Janeiro zu einem Vorfall gekommen sein. Dabei brach unter den Arbeitern der Stahlhütte Panik aus. Dies zeigen die Bilder eines nun amerika21.de zugespielten Videos, das ein anonym bleibender Mitarbeiter des Stahlwerks mit seinem Handy auf dem Werksgelände aufgenommen hatte. Auf dem Video sind Arbeiter zu sehen, die in Panik von dem Hochofen des Stahlwerks wegrennen. Über den Vorfall hatte im November zuerst die Zeitung der Gewerkschaft der Ingenieure von Rio, Senge-RJ, berichtet. Ein besorgter Anwohner hatte der Zeitung von “einer großen Staubwolke” beim Stahlwerk und einem explosionsartigen Knall berichtet, der im Umkreis von bis zu 500 Metern zu hören gewesen seien soll.
Die Werksleitung der TKCSA erklärte gegenüber der Gewerkschaftszeitung, im Werk sei es… weiter lesen
22.08.2011 von Gerhard Dilger
14.11.2009 von Gerhard Dilger
Rios allercoolste Favela heißt Santa Marta. 13 1/2 Jahre nach Michael Jackson hat gestern auch noch Madonna das musikbegeisterte Armenviertel besucht.

Der Alltag in Santa Marta ist allerdings weniger erbaulich, wie Musiklehrer Pierre Ávila und andere erzählen.

Pierre Ávila von der NGO Atitude Social.

12.11.2009 von Gerhard Dilger
Blame it on Lisa oder Die Simpsons in Rio – als diese Episode 2002 ausgestrahlt wurde, war die Aufregung am Zuckerhut groß. Der 20. Geburtstag der Erfolgsserie ist zwar schon ein paar Wochen her, aber da war folgende Piratenkurzversion noch nicht verfügbar. Have fun!
28.06.2009 von Gerhard Dilger
In Rios Armenviertel Santa Marta, wo Michael Jackson im Mai 1996 Teile seines Videos They don’t care about us drehen ließ,
hat er bis heute besonders viele Fans. Rios Gouverneur Sérgio Cabral will dort sogar eine Jacko-Statue aufstellen lassen – ein ziemlich durchsichtiges Manöver, um sich bei der Bevölkerung anzubiedern. Denn für die Favela-BewohnerInnen ist der Songtext so aktuell wie vor 13 Jahren: Politiker interessieren sich gewöhnlich nur vor Wahlen für sie.
Schwer vorstellbar ist in Brasilien eine Aktion wie die von Jarvis Cocker bei einem Jackson-Auftritt in London, als der damalige Pulp-Frontmann auf die Bühne stürmte, um gegen das Messiasgehabe des androgynen Superstars zu protestieren:
06.10.2008 von Gerhard Dilger
Nächster Bürgermeister von Rio de Janeiro könnte der Grüne Fernando Gabeira werden.

Bei den gestrigen Kommunalwahlen in Brasilien überrundete Gabeira überraschend Marcelo Crivella, Senator und Bischof der einflussreichen Universellen Kirche des Gottesreichs.
Exguerillero Gabeira ist der Paradiesvogel der brasilianischen Politik. Dennoch dürfte es nicht leicht für ihn werden, die Stichwahl am 26. Oktober zu gewinnen. Denn neben seiner kleinen grünen Partei unterstützen ihn sonst nur noch rechtsliberale Parteien, die in Opposition zu Präsident Lula stehen.
Ergebnisse aus den Hauptstädten aller Bundesstaaten hier.