16.11.2009 von Claudius Prößer
Das hat bislang noch kein chilenischer Film geschafft:
“La Nana” von Sebastián Silva wurde nicht nur beim Sundance Festival 2009 prämiert, sondern hatte in den USA bis Anfang November bereits knapp 150.000 Dollar
eingespielt. Schon deswegen fand Regisseur Silva, sein Werk habe verdient, als chilenischer Kandidat für den besten ausländischen Film der Oscar-Akademie ins Rennen zu gehen. Aber die zuständige Jury
nominierte Miguel Littins “Dawson – Isla 10″, und seitdem gibt es viel böses Blut unter Chiles Cineasten.
Silva versuchte Littin mit einem nächtlichen Telefonat davon zu überzeugen, seinen Film zurückzuziehen, der war selbstverständlich tief gekränkt, und mancher unterstellte der Jury, sich vor einen politischen Karren spannen zu lassen. Dabei bedurfte es gar keiner Einflussnahme von oben, um “Dawson” durchzusetzen, den Film, der von dem Lager erzählt, das die Militärs nach dem Putsch von 1973 für hochrangige Politiker der Unidad Popular auf einer patagonischen Insel… weiter lesen
15.10.2009 von Claudius Prößer
Mit dem heutigen 1:0 gegen Ecuador hat sich die bereits für die WM-Teilnahme qualifizierte chilenische Nationalmannschaft noch einen runden Abschluss der eliminatorias gegönnt. Auf Platz zwei der Liste hat sich die Roja hochgearbeitet, nur ein hauchdünner Punkt trennt sie von den Brasilianern. Nach zwölf Jahren endlich wieder vom Weltmeistertitel träumen! Natürlich wird jetzt gefeiert.

Einer, der nach Ansicht vieler Chilenen ein gerüttelt Maß an Verantwortung für diesen Erfolg trägt, ist Trainer Marcelo Bielsa. Dieser Tage dürfte sich der Argentinier kaum auf die Straße wagen: Man würde ihm am liebsten ununterbrochen die Füße küssen dafür, eine junge Mannschaft ohne Stars wie Marcelo Salas oder Iván Zamorano mit liebevoller Strenge und bedingungsloser Hingabe an den Fußball zu einem Team aufgebaut zu haben, das verblüffend gut funktioniert. So groß ist die Hingabe des rosarino, wie ihn die Presse nach seiner Heimatstadt Rosario gerne nennt, dass man ihn seit August… weiter lesen
26.08.2008 von Claudius Prößer
Puerto Montt, unsere kleine, verregnete Stadt im Süden des Landes, besitzt etwas, was in Chile noch lange nicht Normalität ist: eine Salvador-Allende-Straße. Die steil ansteigende und ziemlich unansehnliche Ausfallstraße, die kürzlich bis zur Uferpromenade verlängert wurde (im Rahmen des Infrastrukturprogramms zur 200-Jahr-Feier der chilenischen Unabhängigkeit) dürfte sogar eine der größten und längsten im Lande sein. In Santiago gibt es lediglich eine Avenida Salvador Allende weit draußen an der Peripherie, dafür aber immer noch eine Avenida 11 de Septiembre zur dankbaren Erinnerung an den Putsch von 1973.

Was in Chile rar ist, gibt es andernorts zuhauf. Diese hübsche Website hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle Salvador-Allende-Straßen und -Gassen, -Ruen und -Avenuen der Welt fotografisch zu dokumentieren. Auch Schulen, Krankenhäuser und Bibliotheken sind dabei, sowie ein Öltanker namens Pablo Neruda und ein Planet namens Víctor Jara. Mit Abstand führend bei… weiter lesen