Posts Tagged ‘Weltsozialforum’

10.02.2012 von Gerhard Dilger
blogavatar

Alternative Nobelpreisträger gegen Atombürgschaft

von Gerhard Dilger

Monika Griefahn, Co-Vorsitzende der Right Livelihood Award Stiftung (“Alternativer Nobelpreis”), überreichte gestern in Berlin einen offenen Brief von Alternativen Nobelpreisträgern und Mitgliedern des World Future Council an die Bundesregierung. Die Preisträger wenden sich gegen die Übernahme einer staatlichen Hermesbürgschaft für den Bau des brasilianischen Risikomeilers Angra 3. Sie zeichnen gemeinsam mit Vorstands- und Jurymitgliedern der Right Livelihood Award Stiftung. Hans-Joachim Otto, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, nahm den Brief entgegen.

Chico Whitaker mit einer Anti-Atom-Petition auf dem Weltsozialforum 2012

“Wir gratulieren der Bundesregierung zu ihrem Beschluss, aus der Atomkraft auszusteigen. Allerdings sollte sie dabei konsequent sein und auch nicht mehr den Bau von neuen AKWs im Ausland wie Angra 3 in Brasilien fördern,” erklärt Chico Whitaker Ferreira, Preisträger 2006 und Mitbegründer des Weltsozialforums, “sonst scheint das Leben eines Brasilianers weniger wert zu sein als… weiter lesen

30.08.2011 von Gerhard Dilger
blogavatar

Talkin’ ’bout a revolution

von Gerhard Dilger

Jean Ziegler hat der WOZ ein lesenswertes Interview gegeben.

Sie wurden kürzlich von den Salzburger Festspielen als Eröffnungsredner ausgeladen, wegen Ihrer angeblichen Nähe zu Libyens Herrscher Muammar al-Gaddafi.

Das ist ein Blödsinn, der seit zehn Jahren immer wieder aufgewärmt wird. (…)

YouTube Preview Image

.

Das System, das sich nach der Implosion der Sowjetunion durchgesetzt hat, steckt in einer schweren Krise: Die Staaten sind verschuldet, die Finanzmärkte ausser Rand und Band.

Ach was. Das ist nur eine Krise für die Arbeitenden. Sie bezahlen die Zeche – in Griechenland, in Spanien, in Portugal. Ihnen werden Sozialleistungen gestrichen, neue Steuern auferlegt, während sich in privaten Händen unglaubliche Kapitalreserven häufen. (…)

Ich war lange im Komitee des Weltsozialforums. In Belém waren wir 220.000 Menschen, die 8.000 Organisationen vertraten. Alle kämpfen an verschiedenen Bruchstellen des Kapitalismus. Es gab kein Programm, es gab nicht mal eine Schlusserklärung. Hier entsteht

weiter lesen

09.02.2011 von Gerhard Dilger
blogavatar

Eine andere Welt ist möglich? – Hunderttausende gegen Belo Monte

von Gerhard Dilger

“Eine andere Welt ist möglich? – Kampf um Amazonien” – so heißt der Dokumentarfilm, den Regisseur Martin Keßler nun auch in Brasilien vorgestellt hat.

Es handelt sich um den besten Film über den geplanten Bau des Megastaudamms Belo Monte am Rio Xingu, einem Nebenfluss des Amazonas. Keßler lässt vor allem jene zu Wort kommen, die von dem höchst umstrittenen Megaprojekt bedroht sind und sich seit Jahrzehnten dagegen wehren, etwa den austrobrasilianischen Bischof Erwin Kräutler. Zudem hat er das Weltsozialforum in Belém 2009 genutzt, um den Kontext von Belo Monte auszuleuchten. Die von den brasilianischen Steuerzahlern hoch subventionierte Wasserkraft kommt vor allem multinationalen Aluminiumkonzernen zugute.*

YouTube Preview Image

Antonia Melo von der lokalen Protestbewegung beklagt sich in diesem Ausschnitt (ab 1:19), dass Regierung und der Staatsbetrieb Eletronorte den Dialog verweigern. “Viele reden über Amazonien, ohne es zu kennen”, sagt der damalige Präsident… weiter lesen

24.12.2009 von Gerhard Dilger
blogavatar

Newsweek wünscht sich Putsch gegen Chávez

von Gerhard Dilger

Nach dem gelungenen Staatsstreich in Honduras ist 2010 Venezuela an der Reihe -

Evo Morales, Fernando Lugo, Hugo Chávez und Rafael Correa auf dem Weltsozialforum 2009

jedenfalls wenn es nach Newsweek geht. Das US-Magazin übt bereits an der passenden medialen Begleitmusik – in Form einer “Vorhersage”.  Als nächstes wird man Chávez wohl wieder einmal Verfolgungswahn unterstellen…

Merry Xmas!

22.03.2009 von Gerhard Dilger
blogavatar

Wem gehört die Welt?

von Gerhard Dilger

Kapitalismus funktioniert wie ein Schwarzes Loch: Er versucht sich alles um sich herum einzuverleiben. Alles muss zum Geschäft werden, auch das, was bislang in öffentlicher oder gemeinschaftlicher Regie geregelt wurde. (…) Doch gegen diese Einverleibung hat es durchaus Widerstand gegeben: In Bolivien wehrten sich Menschen gegen die Privatisierung der Wasserversorgung, in El Salvador gegen die des Gesundheitswesen, in Deutschland gegen die der Bahn, in Italien gegen die des Bildungswesens.

So beginnt das Editorial der jüngsten ila zum Schwerpunktthema Gemeingüter (engl. commons). Einen spannenden Überblick über die gerade beginnende Debatte um die Gemeingüter, die u. a.  auf dem letzten Weltsozialforum in Belém geführt wurde, liefert auch das Buch Wem gehört die Welt?, das am morgigen Montag in der Zentrale der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin vorgestellt wird.

Herausgeberin Silke Helfrich (r.), die zudem im Alleingang den hervorragenden CommonsBlog bespielt, diskutiert mit dem… weiter lesen

03.02.2009 von Gaby Küppers
blogavatar

Frischzellenkur fürs Weltsozialforum

von Gaby Küppers

Das Weltsozialforum im brasilianischen Belém begann mit einem Bad in der Menge. In jeder Hinsicht. Eine halbe Stunde lang goss es in apokalyptischen Strömen, kaum waren 80 bis 100 000 Menschen, darunter zahllose indianische Gemeinschaften, vom Hafen Richtung Kundgebungsplatz losgezogen. Kein Faden blieb trocken, Transparente wurden zu Megaschirmen umfunktioniert, Instrumente unter Plastikplanen versteckt. Doch den unverhofften Karneval im Januar ließ sich niemand nehmen. Kleider trocknen schnell unter der tropischen Sonne. Die Amazonasregion feierte vor allem sich selbst und ihre Vielfalt. Ein anderes WSF schien möglich.

“Belém, Glanz und Elend des Kapitalismus“, überschrieb die französische Tageszeitung Le Monde in ihrer Wochenendausgabe vor dem Beginn des achten Weltsozialforums (WSF) einen Artikel zum Schauplatz im Norden Brasiliens. Der Korrespondent ging ein auf Aufstieg und Niedergang der einstigen Blüte des Kautschukbooms, beschrieb den abgeblätterten Lack aus den eigens aus Europa Stück für Stück angeschipperten Stahlträgern des Eiffel’schen Marktgebäudes und schilderte Museumsimpressionen.… weiter lesen

27.01.2009 von Gerhard Dilger
blogavatar

Weltsozialforum: Kuscheln statt streiten?

von Gerhard Dilger

Ein zentrales Thema des Weltsozialforums in Belém wird Amazonien sein. Auch auf dem “Forum über Theologie und Befreiung”, das am Sonntag zu Ende ging, drehten sich viele Aktivitäten um die bedrohliche Lage für Mensch und Natur in der Neun-Länder-Region. Im Foyer wurde an die Ordensfrau Dorothy Stang erinnert, die ihren Einsatz für brasilianische Kleinbauern 2005 mit dem Leben bezahlte.

Stargast war der 70-jährige Befreiungstheologe Leonardo Boff, der klarsichtig die Krise Amazoniens und der Welt analysierte. “Das Weltsozialforum muss Druck auf die brasilianische Regierung ausüben, damit sie eine klare Amazonienpolitik entwickelt”, sagte er in einem Interview. Bislang gebe es nur punktuelle Maßnahmen gegen die Waldzerstörung, aber keinen kohärenten Plan, kritisierte Boff: “Wir brauchen keinen Plan zur Beschleunigung des Wachstums, sondern zur Integration und zum Erhalt Amazoniens.”

Doch bei seinen öffentlichen Auftritten zeigte sich eine Schwäche, die viel mit der politischen Kultur der lateinamerikanischen Linken zu tun hat: Kontroverse Debatten… weiter lesen

28.09.2008 von Gerhard Dilger
blogavatar

Revolutionen

von Gerhard Dilger

In unseren Breitengraden ist wieder viel von „Revolution” und „Sozialismus” die Rede.

Hugo Chávez (l.) sieht sich als Erbe des „Befreiers“ Simón Bolívar. Er hat in Venezuela die „bolivarianische Revolution“ ausgerufen und predigt seit dem 2005er-Weltsozialforum von Porto Alegre den „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“. In Bolivien übertreibt Evo Morales (r.)  von der „Bewegung zum Sozialismus“ nicht, wenn er sein Ziel als „demokratische und kulturelle Revolution“ umschreibt. Und Ecuadors Präsident Rafael Correa (M.) nennt das dortige linke Transformationsprojekt „Bürgerrevolution“.

Doch anders bei als früheren Revolutionen kommt in Venezuela, Bolivien und Ecuador die Macht nicht mehr aus den Gewehrläufen, sondern aus den Urnen. Die durchaus widersprüchlichen Reformprozesse sind eindeutig demokratisch legitimiert.

Beim heutigen Referendum über die neue, fortschrittliche Verfassung in Ecuador geht es zugleich um eine Bestätigung der „Bürgerrevolution“. Die Idee zu einem Verfassungskonvent wurde zuerst in den 90er Jahren von der indigenen… weiter lesen