vonericbonse 19.10.2018

Lost in EUrope

Eric Bonse, EU-Korrespondent der taz in Brüssel, schreibt hier all das über Europa und seine Krise(n), was die EU gerne verdrängen würde | Bild: dpa

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Jetzt besteht kaum noch Zweifel: Der ehemalige Doppelagent Skripal wurde wohl tatsächlich vom russischen Geheimdienst vergiftet, wie die Regierung in London stets behauptet hat. Allerdings sagen die Briten nicht die ganze Wahrheit.

Skripal sei ein Verräter und „Dreckskerl“, sagte der russische Präsident Putin laut „Guardian“. Damit hat er indirekt zugegeben, dass der russische Überläufer „bestraft“ werden sollte – mit dem Giftgasanschlag in Salisbury.

Bisher hat Putin das bestritten. Zuletzt hat er sich jedoch in Widersprüche verwickelt. Als die britische Regierung Überwachungsfotos mit den mutmasslichen russischen Angreifern veröffentlichte, machte er darüber noch Witze.

Nun ist dem Zaren das Lachen vergangen – aus seiner Sprache spricht Rachsucht. Allerdings bleibt auch jetzt unklar, woher die Attentäter das Giftgas Novichok hatten. Kam es wirklich aus Russland? Erwiesen ist das nicht.

Unklar ist auch immer noch, was Skripal eigentlich in Salisbury trieb. Ein ruhiges Rentnerdasein dürfte er nicht geführt haben. Statt dessen soll er für vier westliche Geheimdienste gearbeitet haben, heißt es bei „telepolis“.

Darunter war auch der britische Geheimdienst MI6, berichtet die „New York Times“. Angeblich hat Skripal brisante Infos über Korruption im Umfeld von Putin geliefert, meldet das Blatt unter Bezug auf ein Enthüllungs-Buch.

Das würde auch erklären, warum Putin so wütend ist. Doch warum erfahren wir all das nicht aus London? Wieso tun die Briten immer noch so, als sei Skripal ein harmloser Rentner gewesen – und der MI6 völlig ahnungslos?

Wieso stellen sich die Briten als unschuldige Opfer dar, das von der EU beschützt werden muss – wenn sie (und ihre europäischen Geheimdienst-Kollegen) Skripal für offensive Aktionen gegen Russland genutzt haben?

Siehe auch „Giftgas: Was Merkel und Macron verschweigen“

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