vonericbonse 20.12.2018

Lost in EUrope

Eric Bonse, EU-Korrespondent der taz in Brüssel, schreibt hier all das über Europa und seine Krise(n), was die EU gerne verdrängen würde | Bild: dpa

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Die EU will ihre Bürger schützen, auch vor “Fake News” und “Desinformation”. Deshalb hat der EU-Gipfel beschlossen, die Abwehrmaßnahmen auszubauen. Fragt sich nur, gegen wen man sich wehren will.

Bisher zielten alle Abwehrmaßnahmen auf Russland. Die massenhafte Verbreitung von Falschnachrichten sei eine akute Herausforderung und Teil einer hybriden Kriegsführung, hieß es beim EU-Gipfel.

Doch der Gipfelbeschluss nennt kein Land, nicht einmal Russland. Haben sich die EU-Chefs nicht getraut, die russischen Trollfabriken anzugehen? Fehlen die Beweise? Oder zielen sie vielleicht auch auf andere?

Dies legen Äußerungen führender EU-Politiker nahe. So beschuldigte Kommissionschef Juncker den ungarischen Regierungschef Orban, „Falschmeldungen“ zu verbreiten – gemeint war Junckers angebliche Mitschuld am Brexit…

Frankreichs Staatschef Macron will prüfen lassen, ob und wie die “Gelbwesten” falsche Informationen und böswillige Gerüchte verbreiten. Und Belgiens Premier Michel kündigte eine Untersuchung zum UN-Migrationspakt an.

Gemeinsam ist diesen drei EU-Chefs, dass sie gegen Informationen vorgehen wollen, die sie in ihrer Amtsführung stören. Man könnte auch sagen: Sie wollen gegen mißliebige Informationen und Meinungen vorgehen!

Das macht die Kampagne gegen Desinformation so bedenklich. Denn unter dem Vorwand, gegen einen äußeren Gegner – Russland – vorzugehen, bereitet die EU offenbar eine Kampagne gegen Kritiker vor.

Die Europawahl dient dabei wohl nur als Vorwand. Wäre es anders, so müßte die EU zuallererst gegen “Desinformation” und “Fake News” aus UK vorgehen – oder ist der Brexit etwa kein wichtiges Thema bei der Wahl im Mai?

Siehe auch “Wer gefährdet die Europawahl?”

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https://blogs.taz.de/lostineurope/2018/12/20/wer-streut-falsche-informationen/

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kommentare

  • Zitat „EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker mit EU-Fahne“ was erwarten wir von dem Steuerparadies Luxemburg, nachdem Griechenland durch die schwarzen Nullen Europas „gerettet wurden“ und wir bis heute nicht einmal eine Europäische Verfassung haben.
    Das letzte Elaborat nennt sich Vertrag von Lissabon freiwillig als „Aktion europa“ 2010 ISBN 978-92-79-16048-6 und ist bis heute noch keine Verfassung Europas!
    „2019 haben wir Europa Wahlen d.h. nur wer hinschaut, kann etwas sehen – und siech selbst regieren!
    Wir benötigen den selbstdenkenden Souverän!

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