Archive for April, 2007

28.04.2007 von lottmann
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4. Kapitel: Der Sahara-Sommer im April

von lottmann

Die nächsten Tage waren einfach nur noch heiß, und nachts wurde nicht mehr geschlafen und tagsüber auch nicht. Es war das schönste, beste und wärmste Aprilwetter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, was die Leute nicht davon abhielt, es als “Klimakatastrophe” zu denunzieren. Eine Katastrophe war es höchstens für meinen Blog, denn ausgerechnet jetzt, da alle Zeitungen über ihn berichteten und die Zahl der “Besucher” MySpace Dimensionen annahm, kam ich nicht mehr zum Schreiben. Und selbst wenn – ich hätte die ungeheure soziale Dynamik dieser Tage unmöglich wiedergeben können. Schon für eine Stunde hätte ich zehn Seiten gebraucht, und dann fehlten immer noch die anderen 23 Stunden. Und war es nicht auch unmoralisch, die Leute zum Lesen zu verführen, wo sie doch enenso gut nach draussen gehen konnten, um am Geschehen teilzuhaben? Schliesslich brachen auch noch die Galerie-Tage aus, in Berlin, und 63 Galerien zeigten ihre neuesten Sachen. Das Viertel explodierte.
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27.04.2007 von lottmann
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von lottmann

Abends traf ich meinen Bruder. Seit unserem traditionellen Weihnachtsmarsch am Samstag vor Heilig Abend hatte ich ihn nicht mehr gesehen. Wir gingen immer, schon mit acht, neun Jahren, an diesem Samstag durch die großen Geschäfte und besahen uns die Spielsachen, die andere Kinder bekamen. Auch an Ostern trafen wir uns immer. Nur dieses Jahr nicht, da hatten wir keine Lust mehr gehabt. Besser gesagt, ich. So kurz nach dem Verlust meiner lieben, geliebten Frau stand mir nicht der Sinn nach österlichen Feiern. Oder nach Dem Guten Gespräch, das ich mit meinem Bruder immer führte. Eigentlich seltsam, denn ein Mensch, dem das widerfahren ist, was mir widerfahren ist, müßte sich doch gerade nach Dem Guten Gespräch sehnen. Aber ich wollte mit niemandem darüber reden.
Wir trafen uns am Brecht Denkmal vor dem Theater am Schiffbauerdamm, im Volksmund unbegreiflicherweise BE genannt (spricht man be-ee aus). Ich saß genau neben Brecht, denn… weiter lesen

24.04.2007 von lottmann
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von lottmann

(23. April 2007) Die zweite Hälfte meines Arbeitstages auf der Art Cologne verlief angenehmer und vor allem schneller als die erste. Der Artikel ging mir gewohnt rasch von der Hand. Manchmal schlurfte ich ein bißchen durch die Hallen, fragte Galeristen aus, machte Notizen. Bei Leo König lernte ich David Scher aus New York kennen. Natürlich riefen wieder alle möglichen Leute an, und während ich sonst beim Schreiben das Handy ausschalte, nahm ich diesmal jeden Anruf dankbar entgegen. Die Schlange vor meinem Glaskasten der Z.I.A., besser gesagt war es eine Art Menschenmenge, war auf etwa 60 Leute angewachsen, und denen mußte ich ja irgendetwas, und sei es noch so dürftig, bieten. Severin rief natürlich wieder an, und wer meine letzten Bücher kennt, weiß, dass er das an guten Tagen stündlich tut. Die Ehre gebührt nicht mir allein; er ruft auch alle anderen Freunde stündlich an, und die ihn, und sowieso jeder… weiter lesen

22.04.2007 von lottmann
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von lottmann

“Hallo Gabriele! Ich bin in Köln, auf der Köln-Messe! Wo bist denn DU?”
Sie war natürlich auch da. War schon durch alle Hallen gewandert, hatte aber den Z.I.A. Pavillon übersehen. Nun mußte sie schon wieder mit “wichtigen Leuten” (schnarch) zu mittag / zu abend / zu sonstwas essen. Prima – as war ja mein Thema.
“Was steht auf der Speisekarte? Was habt Ihr bestellt? Also was genau? Und wie schmeckt es? Wie heißt das Lokal?”
Gabriele nannte mir ziemlich flüssig die verschiedenen Sachen, also Speisen und Gastro-Info. Aber sie hatte schlechte Laune. Weil ich sie tags zuvor nicht zurückgerufen hatte. Fans der Kommunikationsgesellschaft, also hardcore fans wie die Uhrlau (sie könnte ein T-Shirt “I LOVE TO COMMUNICATE” tragen), mögen es nicht, wenn man sie nicht in der vorgeschriebenen Zeit zurückruft. Man durfte jede Meinung, jede Haltung haben, aber die Regeln der Kommunikationsgesellschaft waren unumstößlich. Ich entschuldigte mich.weiter lesen

20.04.2007 von lottmann
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3. Kapitel: Das Double

von lottmann

(19. April 2007) Als ich am nächsten Morgen die große Flügeltür zum Balkon aufschlug und nach draußen sah, den Blick hob, zum Himmel hoch, wo ich die aufgehende Sonne vermutete, über den Dächern des Hackeschen Marktes, regnete es.
Der Frühling war vorbei. Der “Frühling der Gefühle”, wie ich ihn genannt hatte. Gleichzeitig mußte ich nach Köln fahren, um dort auf der Art Cologne für die Z.I.A. zu arbeiten. Es heißt zwar immer, Leute wie ich, mit so einem fetten taz-blog im Rücken, bräuchten kein Geld. Oder überhaupt mit einem Blog. Der oder das Blog kann sogar in der Netzeitung sein – die übrigens richtig gut ist – oder sogar im “Spreeblick”. Hauptsache Blog, also wenn es um das große Geld geht. Selbst gestandene Redakteure der taz, die seit 23 Jahren eine vierstellige Summe monatlich nach Hause tragen, jedenfalls wenn der Partner mitverdient, kriegen ganz lange Stielaugen, wenn sie sehen,… weiter lesen

17.04.2007 von lottmann
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von lottmann

(17. April 2007) Ich riß die Tür auf. Vor mir stand Ariadne von Schirach. Ich mußte lachen.
“Entschuldige, ich muß lachen, weil ich eben durch den Spion sah, und dachte, es wäre Heike Melba Fendel!”
“Ach! Sieht die mir denn ähnlich?”
“Hm… eigentlich schon. Könnte wirklich Deine Mutter sein…”
“Jolo! Das ist doch eine tolle, junge Frau!”
Wir waren durch die Wohnung bis zum Balkon gelaufen. Mir fiel wieder ein, wieso ich auf die Melba gekommen war. Die hatte ich nämlich, als Judith noch im Bad war, LANGE im Bad war wie immer, beim Routine-Zapping im ZDF Nachtstudio gesehen, so um zwei Uhr oder so, wahnsinnig spät. Die mußten eine unglaubliche Quote haben.
“Der Spion verzerrt ja immer alles. Und weißt Du, wie ich darauf kam? Die Melba war gestern im ZDF Nachtstudio, diese spätnächtliche Philosophiesendung mit diesem…”
“Ich weiß. Mit Sascha Lobo… weiter lesen

16.04.2007 von lottmann
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von lottmann

(16. April 2007) Der Papst hatte Geburtstag! Für mich war das immer ein besonderer Tag. Ich mußte daran denken, wie ich im Jahr davor selbst dabei gewesen war und den Segen erhalten hatte. Wieder feierte er eine Messe auf dem Petersplatz, das Wetter war prächtig. Rom! Ich war mit Shawamyi dagewesen, meiner dahingegangenen Frau, die damals noch nicht so hieß. Ich sagte den neuen Namen ein paarmal vor mich hin, um mich daran zu gewöhnen. Womöglich kam sie in irgendeinem anderen Leben nochmal auf mich zu, und dann durfte ich sie auf keinen Fall mit “Hallo, Irene!” begrüßen.
Das Fernsehen übertrug den Gottesdienst, und dazu muß man wissen, dass der heilige Vater seinen Geburtstag um einen Tag vorfeierte. Das brachte bekanntermaßen Unglück, aber nicht für Leute, die dem Aberglauben abgeschworen hatten, wie zum Beispiel exponierte Christen, oder auch bekennende Fans von Diedrich Diederichsen oder Jean-Jacques Rousseau. Ich mochte den… weiter lesen

15.04.2007 von lottmann
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von lottmann

(15.4.2007) Schon früh am Morgen stach die Sonne ins Zimmer, so hell, dass ich lieber aufstand. Judiths Computer, auf dem wir noch eine Folge Larry David gesehen hatten und danach blöderweise den Film “Transamerikana”, lag noch auf dem Bett. Es war Wochenende. Wir machten uns einen schönen Tag, was nicht verhindern konnte, dass wir abends wieder ausgingen. Denn wir hatten uns mit allen guten Freunden vom letzten Abend auf eine sofortige Wiederholung verständigt. Weil es doch “so ein großer Abend” (Holm Friebe) gewesen war und der totale Frühling dazu. Übrigens fand ich “Transamerikana” deprimierend. Alle handelnden Personen waren von geschlechtsspezifischen Motiven getrieben, bei jedem Gedanken, jeder Handlung, jedem Satz. Ein Mann ließ sich zur Frau umoperieren und AHNTE nicht einmal, dass es auf der Welt auch noch andere Themen gab als diesen Gender-Scheiß. Und dann wieder das Klischee vom Generationenkonflikt. Den es in Wirklichkeit seit 20 Jahren nicht mehr gibt.… weiter lesen

15.04.2007 von lottmann
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(15.4.2007) Schon früh am Morgen stach die Sonne ins Zimmer, so hell, dass ich lieber aufstand. Judiths Computer, auf dem wir noch eine Folge Larry David gesehen hatten und danach blöderweise den Film “Transamerikana”, lag noch auf dem Bett. Es war Wochenende. Wir machten uns einen schönen Tag, was nicht verhindern konnte, dass wir abends wieder ausgingen. Denn wir hatten uns mit allen guten Freunden vom letzten Abend auf eine sofortige Wiederholung verständigt. Weil es doch “so ein großer Abend” (Holm Friebe) gewesen war und der totale Frühling dazu. Übrigens fand ich “Transamerikana” deprimierend. Alle handelnden Personen waren von geschlechtsspezifischen Motiven getrieben, bei jedem Gedanken, jeder Handlung, jedem Satz. Ein Mann ließ sich zur Frau umoperieren und AHNTE nicht einmal, dass es auf der Welt auch noch andere Themen gab als diesen Gender-Scheiß. Und dann wieder das Klischee vom Generationenkonflikt. Den es in Wirklichkeit seit 20 Jahren nicht mehr gibt.… weiter lesen

15.04.2007 von lottmann
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(15.4.2007) Schon früh am Morgen stach die Sonne ins Zimmer, so hell, dass ich lieber aufstand. Judiths Computer, auf dem wir noch eine Folge Larry David gesehen hatten und danach blöderweise den Film “Transamerikana”, lag noch auf dem Bett. Es war Wochenende. Wir machten uns einen schönen Tag, was nicht verhindern konnte, dass wir abends wieder ausgingen. Denn wir hatten uns mit allen guten Freunden vom letzten Abend auf eine sofortige Wiederholung verständigt. Weil es doch “so ein großer Abend” (Holm Friebe) gewesen war und der totale Frühling dazu. Übrigens fand ich “Transamerikana” deprimierend. Alle handelnden Personen waren von geschlechtsspezifischen Motiven getrieben, bei jedem Gedanken, jeder Handlung, jedem Satz. Ein Mann ließ sich zur Frau umoperieren und AHNTE nicht einmal, dass es auf der Welt auch noch andere Themen gab als diesen Gender-Scheiß. Und dann wieder das Klischee vom Generationenkonflikt. Den es in Wirklichkeit seit 20 Jahren nicht mehr gibt.… weiter lesen