Archive for August, 2007

28.08.2007 von lottmann
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Buch umsonst: AUF DER BORDERLINE NACHTS UM HALB EINS (20 Seiten, Ende / Fußnoten)

von lottmann

gelesen. So euphorisch war noch nie über Brock berichtet worden. Sich trotzdem darüber zu beschweren, sprach gegen den, der das tat. Ich durfte also bleiben.
(25.) Auch die anderen Zeitungen berichteten über den Streit zwischen “taz” und Dannenberg, was mir schon unheimlich war. Noch ein halbes Jahr danach berichtete Hubert Spiegel in der FAZ, das Geheimnis um Sophie Dannenberg sei nun gelüftet, es handele sich um meine Nichte Hase, und der Roman sei von ihr, Nichte Hase, geschrieben worden.
(26.) Dieser Text greift frühzeitig ein Thema auf, dass mich danach immer intensiver beschäftigen sollte, nämlich die Benachteiligung von Jungen gegenüber Mädchen. Am 18. März 2007 schrieb ich in der Welt am Sonntag, die Schüler würden in ihren Leistungen um fast ein Drittel gegenüber den Schülerinnen zurückbleiben. Und zwar keineswegs, weil sie kleinere Gehirne hätten.
(27.) Zum erstenmal schlug ich das Thema dem SPIEGEL vor, als die Gruppe… weiter lesen

27.08.2007 von lottmann
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Sonderkapitel, Nachlese

von lottmann

Wenn ich in wilder Assoziation sagen soll, was mir in den 72 Stunden alles passiert ist (10.000 Zeichen kommen bestimmt locker zusammen), so klingt das so: Greta und Laura waren erkennbar Persönlichkeiten, die in fünf bis zehn Jahren (oder geht heute alles noch viel schneller?) so bedeutend sein werden, daß sie mich, wenn ich sie auf dem Handy anrufe, einfach wegdrücken. Ich habe das in meinem Leben immer wieder erlebt. Ich lerne die großen Persönlichkeiten stets vor ihrer Berühmtwerdung kennen. Ich sehe sofort, wenn ein Mensch berühmt wird. Seltsam, daß das nicht auch anderen so geht. Andere merken es erst, wenn ihnen die Person aus den Medien entgegenplatzt: „Oh, hoppla, das ist doch die kleine Maus, die mich auf dieser Party angequatscht hat, wo war es doch gleich?“ Ich dagegen erkenne eine kommende Berühmtheit sofort. Immer. Unfehlbar. Ich habe mich da noch nie geirrt. Diesmal, bei 9to5, waren es Laura… weiter lesen

25.08.2007 von lottmann
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von lottmann

Noch nie bin ich so viel und beherzt Treppen gestiegen wie bei diesem „9to5 festival“. Wenn ich nicht gerade live bloggen mußte. Ein irres Gefühl übrigens. Das live bloggen. Das Treppensteigen auch. Aber das Treppensteigen kannte man ja schon, von früher, als die Häuser noch keine Lifts hatten; wir älteren hatten das noch miterlebt, nach dem Krieg. Lifts gab es auch im Radialsystem, aber sie waren den Massen nicht gewachsen. Dauernd dachte man, jetzt stürzt gleich ein Aufzug mit seiner Überladung von vielen Dutzenden zahlenden Nerds krachend in die tiefe Tiefe.
Aber, wie gesagt, das live bloggen, ein irres Feeling. Normalerweise marschiere ich ja wie Millionen andere Arbeitnehmer auch zu meinem Arbeitsplatz, morgens um neun, in die Kochstraße, versuche nicht zu spät zu kommen, grüße den Pförtner, tue freundlich zu den Kollegen, blogge bis zur Mittagspause, reihe mich ein, erzähle frauenfeindliche Witze, und versuche auch sonst, den Erwartungen an… weiter lesen

23.08.2007 von lottmann
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Sonderkapitel: live bloggen vom 9to5 festival-camp

von lottmann

Live bloggen ist natürlich viel schwieriger als normales bloggen zu Hause, wo man Fehler noch auf unpeinliche, diskrete Weise korrigieren kann. Live bloggen ist das Schwierigste überhaupt. Es ist, als müßte ein Fußballspieler im Spielerinterview direkt in der Sportsendung spontan und ohne Teleprompter antworten. Etwa auf die Frage, ob es Mißstimmungen zwischen ihm und dem Nebenspieler gebe. Die richtige Antwort (auf dem Telepromter) wäre: “Nun, gut, es ist richtig, wir müssen um unseren Platz kämpfen, aber die Medien schreiben immer Dinge, weil sie halt was schreiben müssen.” Was aber sagt der Mann OHNE diese Hilfsmittel? Wahrscheinlich versagt er. Aber hier, im 9to5 festival der “Wir nennen es Arbeit” Organisation, darf niemand versagen. Es ist das größte soziale Massenereignis seit dem live8festival vor einem Jahr. Auf dem “Deck” tippen versunken hunderte von Fotografen mit Schiebermützen in ihre tragbaren W-LAN-Maschinen und nennen es Arbeit. Auch ein paar wenige neue junge Alte, die… weiter lesen

20.08.2007 von lottmann
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von lottmann

„Fragen Sie Joachim Lottmann“: Herr de Beukelaer aus 22654 Neusshof bei Emden möchte folgendes wissen:
„Literatur für meine Generation wird immer seltener. Ich bin der Helmut-Schmidt-Jahrgang 1920/21, der seine Knochen noch für´s Vaterland hingehalten hat. Acht Jahre war ich Berufssoldat, auch in der Ostfront tätig (u.a. Stalingrad, Charkov). Landser-Romane werden kaum noch geschrieben. Auch das Fernsehen setzt immer mehr Sendungen meiner Altersgruppe ab, also André Rieu, Karl Moik, Sendungen der Volksmusik und so weiter. Können Sie dagegen vorgehen?“
Antwort: „Ich selbst bin Demokrat und niemals in die völkerrechtswidrigen Angriffskriege Ihrer Generation verwickelt gewesen. Dennoch und gerade WEIL ich demokratisch gesinnt bin, will ich den faschistisch oder faschistoid geprägten Jahrgängen ihr Bedürfnis nach eigenen Kultursendungen wie eben André Rieu oder „Die Große Parade der Volksmusik“ nicht beschneiden oder ausreden. Zudem muß man nicht Nationalsozialist sein, um diese Formate zu mögen; es reicht ein schlechter Geschmack in Verbindung mit einem… weiter lesen

18.08.2007 von lottmann
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von lottmann

…und weiter „Fragen Sie Joachim Lottmann“! Diesmal mit einer Frage, die mir in der einen oder anderen Weise schon oft gestellt wurde und die ich letztes Wochenende nun endlich apodiktisch beantwortet habe. Ich hatte bis jetzt nicht die Muße, Frage und Antwort abzudrucken, zumal der Bereich etwas persönlicher ist als sonst, aber nun ist wieder Wochenende und ich will es tun. Herr Allramseder (ohne Vornamen) aus München Solln schrieb mir schon am 16. Juni 2007:
„In all Ihren Texten spielen Frauen für den Ich-Erzähler eine große, wenn nicht sogar zu große, alles überwältigende Rolle, ohne daß man als Leser genau sagen könnte, welche. Wie steht es wirklich in Ihrem Leben? Lieben Sie eine Frau, oder würden Sie gern eine lieben? Haben Sie eine bestimmte im Auge, und wenn nicht, wie müßte sie aussehen?“
„Der Punkt, den Sie ansprechen, ist tatsächlich von größter Wichtigkeit für mich. Viele wissen nicht,… weiter lesen

17.08.2007 von lottmann
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von lottmann

Gleich zum Einstimmen „Fragen Sie Joachim Lottmann“. Eine Frage von Bernd F. Schneider aus 68443 Höxter (Breisgau):
„Der Name des deutschen Gegenwartsschriftstellers Wolfgang Herrndorf fällt in Ihren Beiträgen verhältnismäßig häufig. Wie stehen Sie persönlich zu ihm?“
„Ich schätze besonders seinen letzten Roman ´Jenseits des Van-Allen-Grabens´. In meinen Augen ist es das sprachlich beste Buch des noch jungen Jahrhunderts. Aber ich mag den Autor auch als Mensch, und es tut mir leid, daß die gleichnamige Figur in meinem Kubatext nichts von dem transportiert, was der wirkliche Wolfgang Herrndorf besitzt: Ernsthaftigkeit, Klugheit, Zerbrechlichkeit und einen Grad an Humor, der den Mann nicht heiter macht, sondern ihn überwältigt, in die Ohnmacht hinein. Ich freue mich schon heute auf die erste Biographie dieses komplexen, bisher einzigartigen Menschen. Er trägt übrigens gar keine ´Mitte-Glatze´, sondern kurzes, graues Haar, das ihn eher viril als jugendlich wirken läßt.“
Die Frequenz der Medienanfragen nimmt nun… weiter lesen

16.08.2007 von lottmann
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13. Kapitel: DAS BUCH

von lottmann

Nun ist es amtlich: Die große Afrikafahrt ist gescheitert. Ich traute mich einfach nicht. Die Pleite könnte größer nicht sein. Die Empörung schlägt hohe Wellen. Reisen sind sowieso an sich schon blöd. Nur die spezielle Versuchsanordnung könnte den Reiz ausmachen. Und da ist mir diesmal bis zuletzt keine eingefallen. Ich kann ohne Frau nachts nicht schlafen, unter keinen Umständen, niemals – und Judith hatte insgesamt nur bedingt Lust auf Regenwetter in Holland bei 17 Grad im November. Denn das ist die Jahreszeit dort gerade. Von wegen brütender Urwald, Trommeln, Moskitos, Liane. Stattdessen Bloemfontain mit Reihenhäusern und Tulpenzuchtanlagen. Für diesen Gefallen hätte ich alle Kosten für Judith mitübernehmen müssen: nochmal zehntausend Rand mehr. Und das hätten meine Gastgeber schon mal GAR NICHT verstanden: wenn ich alleine gekommen wäre und dann über die fehlende Frau gejammert hätte. “Wozu eine Frau, hier ist es doch schön?”
Ich stellte mir vor, wie ich… weiter lesen

13.08.2007 von lottmann
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12. Kapitel: Urwald, virtuell.

von lottmann

Immer wird hart getrunken in Afrika, und viel gelacht. Da versteht man schon, daß der eine Ingenieur mal ausrastet, als die Gefangene zu fliehen versucht. Gebückt, gedehnt, auf Zehenspitzen, fast auf allen Vieren wie eine Katze, schleicht sie aus dem Camp. Das Feldbett war wohl doch nichts für sie. Als der Ingenieur es bemerkt, stürzt er nach vorn, direkt auf sie zu, packt mit beiden Händen von hinten ihren schlanken Hals, geht um sie herum, zwingt ihren nackten Körper zu Boden, und das alles in Sekundenbruchteilen. Er drückt die Ärmchen nach unten, preßt sie auf den weichen Untergrund. Er setzt sich schwer auf das Mädchen aus dem Urwald, das jetzt noch Chriu-Chriu heißt und später Liane genannt (und getauft) wird, öffnet ebenso blitzschnell die Hose, mein lieber Gott, schon ist sie unten, diese weiße, beulige Khaki-Männerhose, und fast gleichzeitig schlägt er dem Mädchen mit der Faust ins Gesicht. Wollte er… weiter lesen

12.08.2007 von lottmann
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…weiter in dem Abdruck…

von lottmann

“…Die Wahrheit ist, daß das Nachtleben in Manhattan seit sechseinhalb Jahren einen beispiellosen Niedergang erlebt. Bürgermeister Giuliani hat ja nicht nur die Kriminalität ausgerottet, sondern auch die lockeren Sitten, von mir aus: diese gewisse Liberalität. Wer heute sein Autoticket nicht bezahlt, wird genauso eingebuchtet wie einer, der sich eine Perücke aufsetzt und lacht, wenn das Sternenbanner gehißt wird. Doch das ist nicht der Punkt. New York ist inzwischen die sicherste Stadt der Welt und damit eine ideale Wohngegend für Saturierte. Für schwerreiche Bürgerliche. Sie treiben die Preise hoch, und kein Künstler, kein Genie, kein kreativer Kopf kann die Miete länger bezahlen, nicht in Manhattan. Und damit zerbricht das cross over der Einflüsse, diese göttliche Mixtur verschiedener kultureller, sexueller, künstlerischer Ingredienzien, der Mythos New York, der seine ständige Erneuerungsquelle im Nachtleben hatte. Da herrschen jetzt Gucci, Ralph Lauren und andere Spießerfirmen, also der sprichwörtliche Armani-Anzug geht da aus und ein. Gerhard… weiter lesen