Auf der Yacht von Sascha Lobo
von lottmannGestern ein wunderschöner Impressionisten-Sonntag, wie auf den entsprechenden Bildern (Paris, Berlin). Sascha Lobo, dessen bemerkenswerte Erfolge der letzten 18 Monate (‘Wir nennen es Arbeit’, 11. Auflage, Heyne Verlag, Euro 17,95) inzwischen auch finanziell durchschlagen, lud mich auf seine Yacht, und wir kreuzten durch die ausgedehnten Berliner Seen. Später besuchten wir Herrndorf in der Novalisstraße. Es war Lobo’s Idee, doch auch ich wollte mich von der Existenz Herrndorfs überzeugen. Ich war nie zuvor bei ihm gewesen und begann bereits mit der These zu liebäugeln, den Mann gebe es gar nicht. In ‘Klage’ wurde das zuletzt geradezu nachgewiesen. Das ist ein berühmter Blog bei Vanity Fair. Sein Autor schließt mit den Worten: “…womit für mich zwingend nahezuliegen scheint, daß niemand anderes als Joachim Lottmann hinter dem offensichtlichen Pseudonym ‘Wolfgang Herrndorf’ steckt.” In dessen Wohnung kamen wir aber schnell zu einem anderen Schluß. Ich würde niemals Flaggen amerikanischer Colleges oder gar Football Teams (‘Dodgers’) in meine Küche hängen.
Wie gesagt, ein schöner Tag. Herrndorf, der die Korrektur seiner Fahnen (für die Taschenbuchausgabe von ‘Westwärts zieht der Allenbey Gürtel’) für uns unterbrach, fragte mich wieder diese Frage. Ich werde gleich verraten, welche. Da sie so oft gestellt wird und in den letzten Tagen zunehmend häufiger, will ich sie als offizielle Anfrage in meine Rubrik “Fragen Sie Joachim Lottmann” aufnehmen. Bitte sehr:
FRAGEN SIE JOACHIM LOTTMANN
Frage: “Immer wieder hört man das Gerücht, Sie hätten ein Buch über das Innenleben der Zeitschrift DER SPIEGEL schreiben wollen, das sich im Stil an Günter Wallraffs Klassiker ‘Der Aufmacher’ anlehnte, wären dann aber von diesem Plane wieder abgekommen. Stimmt dieses Gerücht, und wenn ja, was waren Ihre Gründe, so zu handeln?”
Antwort: “Tatsächlich habe ich Günter Wallraff schon als Jugendlicher außerordentlich verehrt. Das ist auch der Grund, warum ich ihn demnächst treffen und anläßlich seines 65. Geburtstages am 1. Oktober seine Biographie ‘Der Mann, der Günter Wallraff ist’ besprechen werde. Von allen seinen Büchern mochte ich auch wirklich sein Buch über das Innenleben der Bild Zeitung ‘Der Aufmacher’ am liebsten. Als ich bei der Zeitschrift SPIEGEL arbeitete, hatte ich zunächst überhaupt nicht den Plan, darüber ein Buch zu schreiben. Als man mir später solch ein Projekt nahelegte, merkte ich zudem schnell, dass hier alles, was Wallraff geschrieben hatte, genau umgekehrt war. Während sich die Bild Zeitung der Lüge verschrieb, verschrieb sich das Hamburger Nachrichtenmagazin der Wahrheit. Der Antrieb eines jeden Mitarbeiters dort war es, für die Wahrheit zu kämpfen, sie aus der Welt herauszumeißeln. Sie konnten sich ein anderes Motiv für ihren Beruf überhaupt nicht vorstellen. Im Grunde war grundsätzlich alles, was bei der Bild Zeitung mies war, beim SPIEGEL vorbildlich. Und während Wallraffs in bösen Farben gemaltes Personal verlogen, charakterschwach, persönlichkeitsentkernt und windelweich bis psychopathisch war, erlebte ich beim SPIEGEL ehrliche, starke, liebenswerte, integre Kollegen, zudem wahre Demokraten. Es war mir daher – sozusagen selbst beim ‘schlechtesten’ Willen – nicht möglich, ein ‘Enthüllungsbuch’ über diese feinen Menschen zu verfassen. Und ich glaube, selbst Günter Wallraff hätte an meiner Stelle genau das Buch geschrieben, das demnächst herauskommt, eben jenes heitere, niemals anklagende Kompendium AUF DER BORDERLINE NACHTS UM HALB EINS.”
Kommentar schreiben
Hab gerade g. wallraff im fernsehen gesehen,
es ging un die praktiken der leiharbeitsfirmen.
Hab’ selbst für eine gearbeitet auf dem edv-sektor,
diese firma(kölner raum) hat im arbeitsamt
leute geködert, die froh waren, wieder einen job
zu haben, zu ihren bedingungen(lächerlichers
Gehalt für hohe qualikationen)
kam mit ihren gehältern nicht nach, man selbst
mußte in unzumutbaren unterkünften hausen,
um dann nicht! ausgeruht zu firma zu kommen.
Hab’ das 1 jahr gemacht, und es war verflucht
schwierig da wieder rauszukommen, da man
zuhause praktisch nicht mehr ist. Die
Spesen(die natürlich auch nicht übernommen
werden,ok fahrgeld-das kam auch verspätet
oder nicht angemessen) haben mich in ziemliche schulden gestürzt.
Für mich war es moderne sklaverei, ich hätte
sowas gerne angezeigt, fand aber keine möglichkeit.
Suche, angeregt, durch diese sendung(Tagesthemen am 6.04.08)
leute, die mir helfen, solchen firmen das handwerk zu legen.(verbrecher)
wenn jemand die adresse von g.wallraff
(den ich überaus schätze) wäre ich auch
dankbar.
P.S.
ok mein kommentar hat jetzt nicht unmittelbar mit o.g.
beitrag zu tun, hoffe ihr nimmt es trotzdem auf, es halte das
thema für sehr wichtig, da ich in meiner jetzigen firma(feste stelle)
auch leute aus leiharbeitsfirmen sehe, die abgesehen von der bezahlung
auch rein menschlich in eine sklavenmentalität rutschen !!!!!!
gruß
Gruß