Kastanienallee, Kastanien, Herbst, Blätter, ein schöner, funkelnder Abend, ein goldener Oktober in Berlin – einer von diesen Tagen, an denen man gerne lebt. Ich warte vor der Wohnung von Alexa Hennig von Lange, der grossen deutschen Schriftstellerin, die gerade auf der Frankfurter Buchmesse ihren neuen Roman ´Risiko´ vorgestellt hat. Ein gutes Buch. Holm Friebe und ich haben es uns gegenseitig vorgelesen auf der langen Fahrt nach Kassel zur Documenta. Und kontrovers diskutiert natürlich.
Alexa kommt herunter, und wir begrüssen uns herzlich. Eine schöne Frau.
„Du siehst phantastisch aus“, sagt sie.
„Dir muß ich es ja nicht sagen, es sagen ja schon alle anderen“, sage ich.
Ein geungener Beginn. Doch dann taucht eine bekannte Malerin von schräg hinten auf, umarmt mich, stellt sich als meine Freundin vor. Und es stimmt: ich kenne sie seit über 20 Jahren, wir gingen zusammen zur Schule, sie erst zwei Klassen über… weiter lesen
Archive for Oktober, 2007
Vielleicht war es ein bißchen verschmockt, der Bille so formalisiert und verschnörkelt zu antworten, aber ich durfte sie ja nicht anders behandeln als all die anderen Leserbriefschreiber vor ihr. Natürlich sieze ich Sibylle Berg nicht im wirklichen Leben, aber, und da ist es wie bei Beckmann im Studio, man darf nicht so vertraut in der Öffentlichkeit auftreten, das wirkt so waldemar-hartmann-mäßig. Trotzdem tut es mir leid; meine Antwort könnte auch als ‘ironisch’ mißverstanden werden, somit auch die Passagen, die sich auf ihr neues Buch “Die Fahrt” (Kiepenheuer & Witsch, 347 Seiten, Euro 14.90) bezogen und das ich wirklich gut finde. In dem Zusammenhang möchte ich auf ein sensationelles Interview verweisen, das Sibylle dem ‘Tagesspiegel’ gegeben hat und das am 7. Oktober veröffentlicht wurde. Die Überschrift lautete “Ich bin der Nobelpreisflüsterer”. Wer immer noch an ihr zweifeln sollte, muß das lesen, und wenn er das liest, wird er sie ins Herz… weiter lesen
Fragen Sie Joachim Lottmann. Heute: Sibylle Berg aus CH-1776 Zürich, Bergnergasse 12, hat strenggenommen keine rein literaturhistorische Frage, sondern eine fast schon persönliche gestellt: “In Ihren Eintragungen taucht immer häufiger der Name ‘Judith Bröhl’ auf. Wer ist diese Person? Gibt es sie, und wenn ja, wie sieht sie vom äußeren Erscheinungsbild her aus, sowie: welche Funktion hat sie innerhalb Ihres Werkes?” Antwort: “Liebe Frau Berg! Ich schätze Ihre Arbeiten seit vielen Jahren. Auch persönlich fühle ich mich Ihnen und Ihrem ‘äußeren Erscheinungsbild’ verbunden, seitdem ich das Glück und die Ehre hatte, Sie vor etwa zehn Jahren in Zürich durch den Verleger Gerd Hafmans kennen- und liebenzulernen. Auch und gerade Ihr neuestes OEuvre ‘Die Fahrt’ ist mir ein vertrautes und wichtiges Buch; ja, ich halte es für einen Dimensionswechsel in Ihrem Schaffen, geradezu für einen Sprung nach vorn (wenn das noch möglich war). Sie verlassen dort ganz eindeutig Ihre bisher so… weiter lesen
Nachdem Nichte Hase in ihrem Geburtstagsbrief nicht nur alles mögliche Gute und Gottes Beistand gewünscht hat – sie ist recht religiös – sondern noch viel umfangreicher ökologische Mahnungen ausgesprochen hat, muß ich darauf einfach, trotz Romanschreiberei, reagieren. Hase meint, mein Automobil dürfe ab dem 1. Januar 2008 nicht mehr in der Berliner Innenstadt fahren, und das sei gut so. Es sei eine der größten Enttäuschungen ihres jungen Lebens gewesen, daß ich, ihr Vorbild, ihr geliebter Onkel und gefeierte Schriftsteller, diese moralische Instanz im Kleinen, dieser Günter Grass der Popliteratur, in der alles entscheidenden Frage des Überlebens unseres Planeten, versagt hätte. Mein Festhalten an einem Auto ohne Kat, einem Wartburg Tourist 353 S, sei ein symbolisches Fehlverhalten und durchaus vergleichbar mit der (zu späten) Offenlegung der Mitgliedschaft in einer nationalsozialistischen Organisation eben des genannten Günter Grass im letzten Jahr. Soll heißen: nicht wirklich schlimm, aber symbolisch eben doch. Weil ich doch… weiter lesen
Da ich inzwischen an meinem neuen Roman schreibe, erlebe ich kaum noch etwas, das nichts damit zu tun hat. Eigentlich bin ich nur noch einmal wöchentlich außerhalb meines neuen Romans, wenn ich nämlich meine Post durchsehe. Ich setze mich dann bei schönem Wetter an einen Tisch vor dem “103″ (so heißt die Maxim-Biller-Bar offiziell) und öffne mit dem Frühstücksmesser die Briefe und E-Mails. Meine Sekretärin hat sie alle ausgedruckt und eingetütet. Da schreibt mir dann zum Beispiel dieser sympathische junge Schriftsteller, der “Traurige Ansichten eines Spaziergängers” (Roman, Deutschland 2006, ohne Verlag) geschrieben hat. Ein gutes Buch übrigens. Ich habe es mit Sympathie und Ernst gelesen, und es ist tatsächlich traurig, das heißt, es bewegt einen. Und ich weiß, wovon ich rede. Judith zeigt mir manchmal diese typischen Internet-Schriftsteller, die wirklich keinen einzigen Satz schreiben können. Und die natürlich auch nie spazieren gehen.
Dann ist da natürlich Post aus Leipzig,… weiter lesen
Ich hätte nie gedacht, dass die Reise nach Leipzig mir so guttun würde. Es sind ja gerade diese letzten schönen Tage, und schon ab morgen soll es übelstes Depressionswetter geben – auf Monate. Kalt, dunkel, naß, ersterbend langsam alles. Meine Gastgeberin, die ich im Rahmen meiner Aktion “24 Stunden mit Alexa Hennig von Lange” kennengelernt hatte, sagte mir daher: “Komm sofort, oder Du erlebst eine fremde Stadt bei schlechtem Wetter – das ist immer furchtbar.” Mit dem ICE dauert es genau 60 Minuten von Berlin nach Leipzig. Also ist diese Stadt subjektiv gefühlt nicht weiter weg als Hamburg. Für mich war es segensreich, nach all dem Ärger auf der Frankfurter Buchmesse (ESRA-Urteil!) und der entsetzlich wütenden China-Grippe in Berlin (alle liegen im Bett und glauben zu krepieren), rauszukommen und eine beträchtliche Entschleunigung zu erfahren. In Leipzig leben praktisch keine Menschen, aber die, die noch da sind, sind nett und fangen… weiter lesen
Ich hatte diese Sendung mit Eva Herman gesehen, in der Wiederholung am Vormittag, also Johannes B. Kerner, war aber mitten drin rausgegangen und saß nun neben den Mülltonnen im Hinterhof von der Kochstraße um eine zu rauchen. Natürlich hatte ich Angst, dass mich der Blogwart dabei erwischte. Aber es war mir egal, es war mir jetzt echt ALLES egal, weil ich so wütend war über die Sendung. Ich konnte mir das echt nicht zuende anschauen! Diese Eva Herman mit ihrem Buch „Das Eva Braun Prinzip“ oder wie das hieß. Und dann kam er natürlich doch, der Blogwart. Wie immer. Ertappte mich beim Rauchen. Rauchen in der „taz“! Das war wie Rushdie lesen in der Moschee. Ich stand schnell auf und trampelte hektisch weil schuldbewußt auf dem schon toten Zigarettenstummel herum. Um schnell davon abzulenken, sprach ich von der Kerner-Sendung, und dass mich das so fertig gemacht habe.
„Was war… weiter lesen
Das Buch ist draussen, nun könnte es mit dem Bloggen darüber zuende sein. Ziel war es ja, eine Öffentlichkeit für das gleichnamige Buch zu generieren, und das ist nun geschehen. Nachdem ich es bis auf die Titelseite der neuesten Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (und der letzten Welt am Sonntag) geschafft habe (und SPIEGEL online diese Woche), sollte ich es gut sein lassen. So war es schliesslich verabredet. Inzwischen drucken sie (nach nur neun Tagen) die zweite Auflage von AUF DER BORDERLINE, und in der ist sogar der Name in der Widmung richtig geschrieben. Es gibt nur EIN Problem: die leidige Angelegenheit „Südafrika“. Neuneinhalb Wochen lang hatte ich den Blog-Lesern nahezu täglich eine große Afrikareise versprochen. Sie kam nicht zustande, weil meine Begleitung nicht ausgerechnet im südafrikanischen Winter (wenn bei uns Sommer ist, wegen der Erdumdrehung… eine komplizierte Sache, die ich auch nicht verstehe) zum Kap der guten Hoffnung (und noch nicht… weiter lesen
Meine letzte Eintragung kam zu früh: ´Matusseks Kulturtipp Nr.48´ war zu dem Zeitpunkt noch gar nicht ins Netz gestellt, also nicht bei Spiegel.online. Ich hatte das so verzweifelte wie beeindruckende Filmchen (als ich umsonst im Kulturkaufhaus Dussmann surfte) im eigenen Bereich gefunden. Inzwischen sollte der Beitrag aber draussen sein. Apropos draussen: ich bin mal wieder ausgegangen, und wen traf ich prompt? Sibylle Berg. Sie las mit Wiglaf Droste im Deutschen Theater, und ich versteckte mich im Regieraum. Später stellte sie mir Wiglaf vor, der einen ganz vorzüglichen Eindruck auf mich machte. Wie Helmut Kohl mit Martin-Walser-Hut, dabei aber von natürlicher Autorität und einer angeborenen äußerlichen Wohlbeschaffenheit. Seine Leibesfülle hatte so ganz und gar nichts Abstoßendes, seine edle und offenbar maßgeschneiderte Kleidung aus dem späten 19. Jahrhundert wirkte souverän, mit einem Wort: Orson Welles gab mir die Hand, und ich fühlte mich geehrt. Leider mußte Sibylle dreimal meinen Namen wiederholen, ehe… weiter lesen
Heute suchte ich mein neuestes Buch bei Dussmann, was ein Kulturkaufhaus in Berlin ist, das immer aufhat. Ich war noch etwas von Matthias Matusseks SPIEGEL-Blog “Matusseks Kulturtipp” geschockt, den ich gerade gesehen hatte, nämlich im zweiten Stock neben der Audio Abteilung, wo man umsonst im Internet surfen kann, was ich natürlich jedesmal ausnütze. Danach erst ging ich ins Erdgeschoß und suchte mein Buch, wurde aber von einem Sondertisch abgelenkt, auf dem etwa 350 Exemplare von “Und das ist gut so” standen, dem Buch von Klaus Wowereit, seines Zeichens “Bekennender Bürgermeister von Berlin”.
Das Buch war in der BILD Zeitung bereits als Vorabdruck erschienen. Doch zurück zu Matussek: In seinem Blog droht er, nach nur 48 Kultsendungen “hinzuschmeißen”, also das Bloggen zu beenden. Natürlich ist der Aufschrei groß. Und ich selbst fühle mich herausgefordert, darauf in irgend einer Weise zu reagieren, mich dazu zu stellen, in welcher Art auch immer.… weiter lesen