Es gibt keine Genies ohne Exzentrik, und an ihr sollt ihr sie erkennen, wußte schon Goethe – das gilt natürlich auch für Britney Spears und erst recht für Matthias Matussek. Dem wird in den Medien zur Zeit allerlei nachgesagt, zum Beispiel, dass er mit Kate Moss Telefonsex versucht haben soll – oder sie mit ihm – was sich aber arg nach Zeitungsente anhört. Man spürt richtig, wie Neider, talentlose Kollegen und abgeblitzte Schreiber ihm schaden wollen. Eher glaubwürdig weil protokolliert ist der Vorwurf, der ehemalige oder Noch-Kulturchef des SPIEGEL habe im Lift des SPIEGEL Hochhauses in der Brandstwiete in Hamburg eine 17jährige Engländerin verbal missbraucht. Matussek behauptet, die Schülerin, die mit ihrer Mutter in Hamburg ihre Ferien verbrachte, habe sich als 27jährige ausgegeben. Dagegen sagte die Mutter der Chefredaktion, ihre Tochter habe dem Ressortleiter vorher ihr Alter genannt. Da steht nun Aussage gegen Aussage. Auch Britney Spears hat wieder Ärger… weiter lesen
Archive for Dezember, 2007
Die letzten Stunden vor Heilig Abend haben begonnen. Und die letzten Tage vor Ende dieses Blogs. Die letzten Käufer oder Downloader vom Borderlinebuch müssen sich beeilen. Inzwischen gibt es nämlich kaum noch Exemplare in den großen Kaufhäusern und Buchhandlungen. In den Zeitungen schreiben die Kritiker, die kostenlose PDF-Datei-Fassung (siehe Blog-Eintrag vom 13. Dezember „Weihnachtsgeschenk: ganzes Borderline-Buch zum Downloaden“) sei viel schlechter als das richtige Buch, voller Fehler, peinlicher Ungenauigkeiten beim Umbruch und dergleichen. Auch sei das eigene Ausdrucken mit circa 35 Euro Kosten für Tintenpatronen viel zu teuer. Maik Soehler von der Netzeitung dagegen zieht diese Summe in Zweifel; womöglich sei es noch teurer. Auch der designierte Cheflektor Marco Verhuelsdonk von Kiepenheuer & Witsch drängt darauf, die PDF augenblicklich vom Netz zu nehmen, da nämlich kaum noch richtige Exemplare in den Regalen der Geschäfte stünden. Die nächste Auflage komme erst 2008 in die Läden. Wer jetzt zu Weihnachten unbedingt „Auf… weiter lesen
Ich mag meinen Bruder. Ich lief die Treppe hinunter, durch das schöne alte unsanierte DDR-Treppenhaus, und sah schon sein Auto. Ein schicker Ford Mondeo, dunkelblau, ein Kombi, mit Servolenkung, Baujahr 1993. Vorher hatte er ein rotes Modell gahabt, noch besser, keine acht Jahre alt, aber das war in Polen leider gestohlen worden. Er saß am Steuer und lächelte mich nett an. Mein Bruder. Gut sah er aus.
Die allerbeste Nachricht hatte ich erst eine Stunde vorher gekriegt: Er konnte wieder laufen! Ein halbes Jahr lang war er Invalide gewesen. Nach einem sogenannten Sportunfall beim Beachvolleyball hatte er sich falsch operieren lassen und konnte seitdem das Bein nicht mehr bewegen. Natürlich sollte man keinen ‘Sport’ betreiben, der für junge nackte Frauen erfunden worden war. Mein Bruder war schon über 40, näherte sich der magischen Zahl 50, die wir als Kinder immer als natürliches Lebensende angesehen hatten. Offenbar zu recht, denn… weiter lesen
Ich traf meinen Bruder im ‘day et jour’, dem französischen Frühstückscafé in der Hufelandstraße. Er sah gut aus und las den ‘Tagesspiegel’. Wir waren zum Weihnachtstreffen verabredet, dem traditionellen Shopping-Marsch durch die Innenstadt. Normalerweise treffen wir uns dazu am Bahnhof Zoo. So hielten wir es ein halbes Leben lang. Aber den Bahnhof Zoo gibt es nicht mehr, stattdessen den neuen Hauptbahnhof, und da hätten wir uns verlaufen. Deshalb also plötzlich diese Änderung. Ich übergab ihm die Geschenke für ihn und seine neue Patchwork-Familie. Umgekehrt erhielt ich Sachen für mich, Judith, und Sohnemann Armin Boehm, den sensationell erfolgreichen romantischen Maler, den wir bekanntlich adoptiert haben, wie jeder Blogleser und sogar mein Bruder inzwischen weiß.
Ein neues Café, ein neues Viertel. Wir unterhielten uns sehr nett. Die Bedienung brachte einen selbstgebackenen Kuchen nach dem anderen. Sie sah übrigens sehr gut aus, diese Bedienung. Meinem Bruder fielen fast die Augen aus dem… weiter lesen
Nicht nur an den armen Marco W. müssen wir in diesen Tagen und Stunden vor dem Fest denken, und uns für ihn freuen natürlich, also dass er jetzt mit seinen Lieben Weihnachten feiern kann, sondern auch an andere Menschen in Not. Menschen, Verwandte, Freunde, ehemalige Kollegen, womöglich Kranke, oder traurige Mitbürger, die Schlimmes durchgemacht haben. Es ist die Zeit, gerade an sie zu denken. Ich will es heute tun. Ich will ihnen meine gutgemeinten Weihnachtsgrüsse senden, hier im taz-Blog. Zum Beispiel Anko ´Christian´ Ankowitsch. Er war einmal ein ganz Grosser. Freunde besuchten ihn in seinem Büro in der Friedrichstraße. Der junge Holm Friebe kam vorbei damals… wobei mir, Entschuldigung, nochmal Marco W. und seine Befreiung einfällt. Es ging dabei ja nicht nur um den armen Pubertanten, dem ein ungeschickter und harmloser vorzeitiger Samenerguß zum Strick gedreht wurde, zum Kapitalverbrechen und zur gewollten Vernichtung seiner Existenz. Es ging in Wirklichkeit um… weiter lesen
Eben sollte ich Taxi spielen und Judith von ihrer Tante abholen und nach Hause fahren. Ich war schon im Bett gewesen und sagte: „Okay, aber ich klingele dich nur runter.“ Die Tante war Kölnerin, ebenso wie ihr Mann, also der Onkel, und beide waren, zusammen mit weiteren Verwandten, offenbar nach Berlin gezogen. Das kann man sich immer schwer vorstellen, also dass Kölner ihrer Stadt Köln für immer Lebewohl sagen, aber es geschieht häufig. Hunderttausende sind schon hier. Es macht ihnen gar nichts aus. Aber sie bleiben Kölner, glaube ich. Ich lief also die Treppe runter, wuchtete meinen schweren Männerkörper (schnell mehrere Pullover übergestreift, wahllos ein Jackett gegriffen, dicker Wintermantel, abgetragene NVA-Stiefel) in den gußeisernen Wartburg Kombi und zündete den uralten Motor. Nur noch wenige Tage, dann greift die neue Abgasordnung des Berliner Senats (Fahrverbot in der Innenstadt). Aber so – „WOOOAAAAARRRRR!!!!!“
Kleinkinder fielen aus den Betten, Ausländer brachten ihre… weiter lesen
WELTAMSONNTAG NR.50 16.DEZEMBER2007 KULTUR 77 Wurde Matthias Matussek zu Recht abgesetzt?
von lottmann(Originalabdruck der Printausgabe)
Nur zwei Jahre leitete der Publizist das Kulturressort des “Spiegel”. Anfang des Monats musste er seinen Posten räumen. Mitarbeiter warfen ihm einen
harschen Führungsstil und konservative Ansichten vor. Was sie verkennen: Er hat ein außergewöhnlich gutes Blatt gemacht, schreibt Joachim Lottmann
GESTORBEN IST Rudolf Augstein
vor fünf Jahren, aber tot ist er erst
jetzt. Die “Spiegel”-Turbulenzen
dieser Tage in ihrer unwürdigen,
seltsam archaischen Art, sind der
Bruch mit 60 Jahren linkspatrioti
scher Kontinuität. Hier revoltierten
mehrere Generationen des Zeit
geistes. Seit 1947 war diese Institu?
tion – manche meinten: das letzte
preußische Ministerium – verkör
pert in der Person Augsteins DAS
deutsche Nachrichtenmagazin, mit
Betonung auf Deutsch. Seit dem
Sturz von Aust und Matussek ist es
nur noch ein Nachrichtenmagazin.
Alle, die jetzt hämisch ihre Rech
nungen begleichen,… weiter lesen
Marco W. ist frei! Und die WamS hat meinen Text gedruckt! Und der Himmel ist strahlend blau, ideal für einen ausgedehnten Bummel durch den Türkenmarkt in Kreuzberg! Was für ein toller Tagesbeginn – ich mußte es gleich Judith sagen.
„Marco W. ist befreit worden!“
Sie wußte sofort, wer Marco W. war. Hätte ich gesagt ´Frank Walter Steinmeier ist erschossen worden´, hätte sie nicht gewußt, wer das war. Nämlich unser Außenminister, Vizekanzler, stellvertretender SPD-Vorsitzender, Bundestagsabgeordneter, Schroeder-Intimus und ehemaliger Kanzleramtschef. Dafür gibt es Leute – sogar Freunde von mir – die Marco W. nicht mal dem Namen nach kennen! Natürlich ist mir Judith da lieber. Sie ist aktueller.
„Nein!“ rief sie.
„Doch, echt! Sie haben ihn rausgeholt! Der Anwalt der alleinerziehenden Mutter des Mädchens hat sofort Einspruch eingelegt, aber es war zu spät! Er saß schon im Rumpelbus zur schlecht gesicherten Grenze in den Bergen.“
„Ich fasse… weiter lesen
Es weihnachtet sehr. Zeit, die Geschenke zu kaufen. Nämlich das gute Buch. Für den lieben Freund, die attraktive Freundin. Am besten natürlich: ‘Auf der Borderline nachts um halb eins / Der Mann, der beim SPIEGEL Joachim Lottmann war’. Sozusagen das Buch zur aktuellen Entwicklung im Hamburger Nachrichtenmagazin. Die Erlebnisse eines phantasiebegabten Schriftstellers in den gnadenlosen Mühlen des härtesten Politmagazins der Welt. Kleber machte es nicht, nun kommt Gabor Steingart doch noch, der ‘Ruf’ steckt schon in den Kehlen, und Aust wird einfach (endlich) Herausgeber… und so weiter… gerade jetzt will man doch die Hintergründe zu alldem wissen, wie es dazu kam, kommen konnte, kommen MUSSTE.
Und nur noch zwei Tage bis Heilig Abend! Da setzt der Kulturshopping-Endspurt jetzt voll ein, und wir können endlich unser Versprechen einhalten, die digitale Form dieses beeindruckenden Geschenkbuches ins Netz zu stellen. Als Geschenk an sich, eher noch aber als Appetizer: Sodaß jeder der… weiter lesen
Ich hoffe, diesem Mann nicht furchtbar Unrecht zu tun. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist groß. Ich glaube sogar, sie ist über 50 Prozent. Trotzdem ist das, was ich zu sagen habe, also dieser Verdacht, so ungeheuerlich, dass ich ihn einfach äussern muß. Und ich gebe auch zu, dass ich ihn nicht sofort hatte. Meine erste Reaktion auf die Kleber-Nachricht war positiv: ah, dieser nette, integre, gutaussehende Mann vom ZDF, den ich immer so mochte, weil er der einzige deutsche Nachrichtensprecher in 40 Jahren war, der wie Robert Redford aussah. Prima, dass er das macht. Mit dem SPIEGEL. Mal nicht so ein Hass-Objekt wie Stefan Aust. Also ich hasste Aust nicht, aber ich war ja auch anders als alle anderen. Ich war ja selbst ein Hass-Objekt, deswegen konnten wir uns gut leiden, der Aust und ich. Also ich ihn. Umgekehrt war es schon eine Ehre, dass er mich überhaupt kannte, mich nie… weiter lesen