Archive for Dezember, 2007

10.12.2007 von lottmann
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Matthias Matussek

von lottmann

Judith gab mir ein Buch zurück, oder das, was einmal ein Buch gewesen war. Also gewesen sein KÖNNTE. Jetzt sah es eher wie ein zerkochtes Fertiggericht aus.
“Was ist das? Ich meine, was war das?” fragte ich erschrocken.
“Das Buch von Sven Lager, ‘Mein Leben als Wal’, das du mir gegeben hast. Vielen Dank nochmal, ich hab jetzt fertig.”
Alle Bücher, die ich ihr lieh, sahen nach wenigen Tagen so aus. Total zerfleddert, zerlesen, besudelt, mit Fettflecken und Speiseresten versehen, die Seiten oft herausgerissen oder nass und verklebt. Judith las eben sehr intensiv. Ich zog die Augenbraue hoch:
“Na, sehr pfleglich behandelt hast du es ja nicht.”
“Was? Willst du mir auch noch Vorwürfe machen, dass ich dein Scheissbuch gelesen hab?”
“Nein, nein, im Gegenteil.”
Ich konnte mich jetzt nicht mit ihr streiten. Ich mußte einen Artikel über Matthias Matussek schreiben.
“Also,… weiter lesen

03.12.2007 von lottmann
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Gabor Steingart

von lottmann

Judith las gerade einen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über Ludwig Erhard und das Deutsche Wirtschaftswunder, während ich mir nochmal Gabor Steingarts China-Artikel vornahm, für den er gerade den Helmut-Schmidt-Preis für herausragende journalistische Leistungen bekommen hatte. Der Mann wr ja eigentlich ein Wirtschaftler. Als Chefredakteur mußte er natürlich ein Allrounder sein, und das war er auch. Er leitete das Hauptstadtbüro in Berlin, und zuletzt berichtete er von New York aus als Korrespondent für Amerika. Aber sein eigentliches Kerngebiet war weder Klima noch Terror, sondern die Wirtschaft. Er schrieb Bestseller-Bücher über die Wirtschaftsmacht China, die Globalisierung, den wirtschaftlichen Niedergang Deutschlands. Er hätte ein großes Licht sein können, mit seinem Wissen und Talent. Aber seltsamerweisen hatten seine Texte so überhaupt nichts Erhellendes. Je länger man las, desto nichtssagender wurde alles. Er war in der Lage, auf zwanzig Seiten den kommenden Börsencrash schlüssig und lückenlos zu beweisen. Aber genauso gut konnte er… weiter lesen

02.12.2007 von lottmann
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Stefan Aust

von lottmann

„Das Papier ist nicht das Problem, aber die Tintenpatronen sind so arschteuer“, meinte Judith, als sie von der Möglichkeit erfuhr, das ´Borderline´-Buch bald herunterladen zu können. „Bei 500 Seiten brauchst du mehrere Patronen. Du mußt schon stinkereich sein, um das bezahlen zu können.“ Sie sagte immer ´stinkereich´, niemals ´reich´. Ich selbst drückte mich nie so aus, von mir konnte sie es nicht haben. Ich sagte auch nicht ´arschteuer´, sondern ´preislich ungünstig´ oder ´vergleichsweise am wenigsten preiswert´. Jedenfalls kam das Buch im Eigendruck auf 40 Euro, und da nutzte es auch nichts mehr, wenn man den Umschlag eigenhändig kolorierte und eine Fotografie des Autors, ebenfalls heruntergeladen, auf die letzte Seite klebte. Das Geschenk machte einen etwas hilflosen Eindruck, wie bei armen Leuten, die gefälschte Luis-Vuitton-Taschen verschenkten.
Wieder allein mit Judith, konnte ich auch besser über das Stefan-Aust-Problem sprechen. Ich beklagte mich ein wenig:
„Dir kann ich es ja sagen,… weiter lesen

01.12.2007 von lottmann
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Ein Lichtlein brennt

von lottmann

Endlich ist der Dezember da, der schöne Weihnachtsmonat! Überall in Brandenburg und Berlin klingeln die Glocken der Weihnachtsmärkte, und Tina Beautiful und ich marschieren einen nach dem anderen ab. Thomas Lindemann ist auch dabei, und Britta, und ausserdem Judith, Viktoria und der marktradikale Heiko (mein alter Lektor bei Haffman´s). Junge Leute eben, sogenannte Neue Frauen vor allem. Weihnachtsmärkte gab es früher gar nicht so viele, also einer pro Stadt, nehme ich an; letztes Jahr waren es zwei, dieses schon zwanzig. In den zirkusartigen Dröhn- & X-Mas-Zentren ist überhaupt nur pickliges Jungvolk zu sehen, allesamt nochmal 10, 15 Jahre jünger als Tina Beautiful (Name v. d. Red. geändert), 25 Jahre jünger als Thomas, der älter ist als er aussieht. Das sind dieselben Typen, die nachmittags noch bei Hertha waren, ich erkenne sie wieder. Da haben sie noch mit Thomas Brussig ihren Frust rausgeschrien (0:2 gegen Leverkusen). Junge, stiernackige Dosenbier-Typen. Muß ich… weiter lesen