Archive for Januar, 2008

30.01.2008 von lottmann
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Format “history”: Mein Agent der Herr Bär

von lottmann

Die Intellektuellen in der alten Bundesrepublik hatten eine seltsame Eigenschaft, die man sich heute beim besten Willen nicht mehr vorstellen kann und für die es auch kein Wort gibt. ‚Absprache‘ träfe es am ehesten. Sie sprachen sich untereinander ab.
Eines Tages traf es mich. Meine Frau Caroline und ich hatten eine Party für 150 Menschen gegeben, und die Intellektuellen des Ortes waren nicht gekommen. Sie hatten sich untereinander abgesprochen, daß ich ab sofort ‚peinlich‘ sei und nicht mehr dazu gehöre.
Das Leben ging weiter. Aber plötzlich wurde mein Buch nicht mehr verlegt. Ich bekam keine Aufträge aus dem Kulturbetrieb mehr. Alle meine Freunde, auch die engsten, wechselten die Straßenseite, wenn sie mich sahen.
Eine kuriose Zeit. Ich wechselte die Stadt und suchte mir neue Freunde. Meine Frau wanderte nach Amerika aus, um neu anzufangen. Ich verdiente mein Geld außerhalb des Kulturbetriebs, sogar in der Werbung. Aber immer… weiter lesen

29.01.2008 von lottmann
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Journalistisches Zwischenhoch

von lottmann

Morgens um sechs fiel mir ein, dass ich für die taz etwas über diese Frau X-Ypsilon schreiben sollte, und ich machte es schnell. Obwohl so spät, so schludrig, zwischen Frühstück und ersten PHOENIX-Übertragungen, machte es Spaß und trug mir allseits Lob und Anerkennung ein (und 600 Euro, was mich nun wirklich überraschte. Soviel kriegte man sonst nur beim Bloggen). Stunden später schon hielt ich das druckfrische, noch duftende Papier in der Hand. Am Abend erzählte mir Linda T. von einer absurden Verhandlung mit einer entlegenen Zeitung in der Schweiz. Sie, Linda Tüting, sollte etwas über Mode und Verzweiflung schreiben, lehnte ab, und das brachte die Schweizer dazu, ihr immer mehr Geld anzubieten. Als es vierstellig wurde, schlug sie ein, ohne weiter nachzudenken. Ich überlegte: War das nicht eigentlich ein toller Beruf? Leider hatte ich gerade einen echten Lauf in Sachen Neue Deutsche Lottmann Literatur. Meine Wiener Begegnung mit Amina Handke… weiter lesen

24.01.2008 von lottmann
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Linda Tüting

von lottmann

Ich ging auf den Wartburg zu, er war wie immer nicht abgeschlossen, hebelte sacht die schwere Eisentür auf, und zwängte mich umständlich nach innen. Den Gurt legte ich noch nicht an, das war zu kompliziert, und ich mußte mich auf den Vorgang des Zündens und Startens konzentrieren. Wenn nämlich der Zündfunken auf das Mischbenzin-Gas-Gemisch im Motor traf, mußte man blitzschnell vier- bis achtmal Gas geben, diese erste Sekunde war entscheidend. Der Motor heulte auf, sackte gleich wieder ab, als träte man mit dem Gaspedal nun in ein Luftloch, drohte zu krepieren, abzusaufen, machte einen absinkenden, schrecklichen Orgelton.
Und heulte wieder auf, im letzten noch verbliebenen Moment. Eine Viertelsekunde später, und es wäre vorbei gewesen. Dann hätte ich die Ersatzbatterie anschliessen müssen – ein zeit- und nervenraubender Vorgang. Dann hätte ich es nicht mehr rechtzeitig bis zu Linda T. geschafft, und zu Judith Bröhl erst recht nicht. Linda T. war,… weiter lesen

20.01.2008 von lottmann
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Bettina Semmer und die Kunst

von lottmann

Abends dann mal wieder Vernissagen bei Bettina Semmer und Zipp. Im Auto diesmal die Reichen und die Ganz Reichen. Kein Wartburg, sondern der tolle Q7 von Armin Boehm, dem erfolgreichen romantischen Maler, und gesteuert von Gesine, der attraktiven Freundin von ihm, ´Monopol´-Edelfeder und Kunstszene-Liebling. Tim Eitel dabei und all die anderen aus der Ecke. Und Cornelius Tittel! Später sollte Florian Illies noch aufgepickt werden. Da hatte ich wenig zu melden. Mein Vorschlag, erstmal bei Semmer in der Großen Hamburger Straße reinzuschauen, blieb ungehört. Oder doch nicht? Plötzlich fuhr der schwere Luxusbolide genau durch die Hamburger Straße, auf Semmers Galerie zu! Super, rief ich, doch noch geschafft, da wird sich die Betzi aber geehrt fühlen, von soviel Prominenz. Aber Gesine fuhr dran vorbei.
„Halt! Hey, hier ist es doch! Bettina Semmers Galerie!“
„Du, weißt du, es ist echt schon spät jetzt…“ murmelte Armin Boehm.
„Ja, aber wo wir… weiter lesen

18.01.2008 von lottmann
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Mathias Müller von Blumencron

von lottmann

Ach ja, das „zweitens“ habe ich gestern noch vergessen. Im SPIEGEL dreht sich wieder das Karussel. Gleich zwei neue Chefredakteure wurden gefunden (wir berichteten) und sogar installiert, also vor allem Müller von Blumencron, unser aller Verbindungsmann zu spiegel.online, das er so erfolgreich geführt hat, daß heute mehr Menschen spiegel.online lesen als den SPIEGEL selbst. Gute, ja sehr gute Entscheidung. Stefan Niggemeier, der sich eigentlich nie irrt, und wenn, dann kriegt er immer gleich einen häßlichen Prozess an den Hals, hält sich in Sachen „Unfried neuer Kulturchef“ neuerdings zurück. Aber nur öffentlich (jetzt kämpft er mit allen Mitteln um Seriosität). Intern ist er sich bereits sicher. Warten wir also noch ab, bis die Tinte trocken ist auf dem Vertrag. Der Neben-Chefredakteur des SPIEGEL heißt übrigens Georg Moscolo, ideengeschichtlich ein unbeschriebenes Blatt. Sein Stuhl als Leiter des Hauptstadtbüros wird nun frei – eigentlich ein schönes Plätzchen für Qualle. `Vanity Fair´ titelte bekanntlich… weiter lesen

17.01.2008 von lottmann
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Jens Jessen vs. Bild Zeitung

von lottmann

Irgendwann kommt vielleicht bei vielen Männern der Tag, an dem die vitale, unverbrauchte, noch blühende Frau breitbeinig im Nachthemd vor ihnen steht und die Frage aller Fragen stellt, ja, herausschreit, als würde ein Geschwür aus ihr herausplatzen, oder ein verschluckter Tintenfisch wie bei Sigourney Weaver in ´Alien II´:
„Du willst mich doch ficken, warum tust du es nicht!“
Da muß man dann erklären, was der Grund ist, und nun ist der Zeitpunkt gekommen, die Wahrheit über Mann und Frau zu sagen und dabei alles zu entlarven, vor allem sich selbst. Es ist eine lose-lose-situation. Und ich würde jetzt gern haut- und zeitnah über diese Situation berichten, aber – es geht gerade nicht, aus aktuellen Anlässen heraus. Und wer interessiert sich schon für Privates, wenn sowas passiert:
Erstens – Jens Jessen wird heute von der Bild Zeitung frontal angegriffen, und zwar in unfreiwillig selbstentlarvender Weise. Unter der Überschrift… weiter lesen

15.01.2008 von lottmann
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Jens Jessen

von lottmann

Ich wunderte mich, dass die Freunde mich ausgerechnet in der verlassenen ehemaligen Wohnung von Philip treffen wollten. Es hatte natürlich mit Philip zu tun, soviel war klar. Philip Albers war entlassen worden, auch er. Man nannte es nicht so brutal; er hatte seinen eigenen Auflösungsvertrag unterzeichnen müssen. Das waren vielleicht Zeiten! Ich rechnete damit, dass ich gleich mit weiteren Hiobsbotschaften konfrontiert werden würde. Aber es handelte sich eher um Prophylaxe, um Angst, um Rückversicherung – und um vermeintlichen oder realen Verrat. Überall in Deutschland wurden die Leute des gestürzten SPIEGEL-Kulturchefs wie Hasen gejagt. Jetzt wollten die Freunde wissen, ob ich hinter dem Sturz Poschardts stünde. Absurd! Einen Tag, nachdem er in Vanity Fair einen doppelseitigen pro-Matussek-Artikel gebracht hatte (siehe aktuelle Ausgabe), hatte es ihn zerrissen. Das sagte ich sofort zu meiner Verteidigung:
„Jungs, was redet ihr da, ihr wißt doch selbst, dass Ulf für Qualle Partei ergriffen hat in… weiter lesen

13.01.2008 von lottmann
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Ulf Poschardt vs. Amina Handke

von lottmann

Ich saß noch lange mit Thomas Lindemann, Beautiful Kaiser und vielen anderen Mitte-Journalisten zusammen (und Judith Bröhl natürlich), und alle bestürmten mich mit Fragen nach Ulf Poschardt und Vanity Fair. Meine Gedanken waren aber die ganze Zeit bei Amina Handke. Gewiß, Beautiful Kaiser war schön, aber war sie nicht auch ein wenig schmal, also gemessen an Judith Bröhl (siehe Foto im Anschluß an diesen Eintrag)? Und Judith Bröhl selbst, gewiß hatte sie zu bieten, was jeder Herr meines Alters am meisten liebt und schätzt (siehe Foto im Anschluß an diesen Eintrag), aber hatte ihr Vater „Das Gewicht der Welt“ geschrieben? So grübelte ich, während die anderen Rainer Schmidt zum neuen Chefredakteur ausriefen. Mein letzter fester Anstellungsvertrag vor meiner SPIEGEL-Tätigkeit war übrigens Textchef bei „Max“ gewesen, wo auch Rainer Schmidt Chefredakteur gewesen war, und während wir den dritten Martini Bianco tranken, platzte die Nachricht herein, auch „Max“ werde dichtgemacht. Mein Gott,… weiter lesen

12.01.2008 von lottmann
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Nachtrag zu “Begegnung mit Peter Handke”

von lottmann

Langsam wird es mir schon selber unheimlich mit meinem Blog: Kurz nach dem gestrigen Eintrag “Begegnung mit Peter Handke” mitsamt dem Vorfall um Ulf Poschardt, wurde derselbe als Chefredakteur der ‘Vanity Fair’ gefeuert. Es war einen Tag nach Ausstrahlung der beschriebenen Talkshow und zwei Tage nach Veröffentlichung des Artikels über Buch und Blog ‘Auf der Borderline nachts um halb eins’ (mitsamt dem Verhältnis zur SPIEGEL-Krise) in der NETZEITUNG. Natürlich gibt es da keine Zusammenhänge. Wollte ich über die Gründe des Rausschmisses spekulieren, fielen mir ganz andere Dinge ein. Aber es macht mir schlechte Laune, darüber zu spekulieren. Ulf Poschardt war der vielleicht wichtigste Chefredakteur im Lande und der beste Chef dazu. Er hat ein elegantes, kluges Magazin im Sinn gehabt.

11.01.2008 von lottmann
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Begegnung mit Peter Handke

von lottmann

Ich fuhr dann tatsächlich nach Wien. Vor exakt 18 Jahren, am 19. Jänner 1990, war ich schon einmal dort gewesen. Ich wußte das so genau, weil es damals zu einer prägenden, gleichwohl zufälligen Begegnung mit dem Schriftsteller PETER HANDKE gekommen war, über die ich den Roman „Begegnung mit Peter Handke“ (1990) geschrieben hatte. Ich hatte diesen handgeschriebenen Roman, eigentlich eher eine lange Kurzgeschichte, meinem Freunde und Gastgeber Tex Rubinowitz geschenkt, als Anerkennung für seine vielen Freundlichkeiten während dieser ersten Wien-Tournee. Nun konfrontierte er mich wieder damit, wie wir noch sehen werden. Denn er besaß das Textstück noch immer. Inzwischen war es Millionen wert.
Im Januar 1990 war alles anders als im Januar 2008. Damals fanden zwei völlig unterschiedliche Völker zueinander, die Deutschen und die DDR-Bürger, es war gerade der Höhepunkt dieser historischen Anomalie. Wildfremde Menschen fielen sich in die Arme, es kam zu ethnischen Verschmelzungen, dem Gegenstück oder Gegenteil… weiter lesen