Begegnung mit Peter Handke

von lottmann

Ich fuhr dann tatsächlich nach Wien. Vor exakt 18 Jahren, am 19. Jänner 1990, war ich schon einmal dort gewesen. Ich wußte das so genau, weil es damals zu einer prägenden, gleichwohl zufälligen Begegnung mit dem Schriftsteller PETER HANDKE gekommen war, über die ich den Roman „Begegnung mit Peter Handke“ (1990) geschrieben hatte. Ich hatte diesen handgeschriebenen Roman, eigentlich eher eine lange Kurzgeschichte, meinem Freunde und Gastgeber Tex Rubinowitz geschenkt, als Anerkennung für seine vielen Freundlichkeiten während dieser ersten Wien-Tournee. Nun konfrontierte er mich wieder damit, wie wir noch sehen werden. Denn er besaß das Textstück noch immer. Inzwischen war es Millionen wert.
Im Januar 1990 war alles anders als im Januar 2008. Damals fanden zwei völlig unterschiedliche Völker zueinander, die Deutschen und die DDR-Bürger, es war gerade der Höhepunkt dieser historischen Anomalie. Wildfremde Menschen fielen sich in die Arme, es kam zu ethnischen Verschmelzungen, dem Gegenstück oder Gegenteil zu den sonst so beliebten ethnischen Säuberungen. Noch ahnte niemand, dass Ossis und Westdeutsche so unterschiedlich waren wie Hamburger und Bayern, unterschiedlicher als die Stämme Kenias, die sich gerade gegenseitig abschlachten (die sind wenigstens alle schwarz). Man feierte trunken. Man sang, in unverständlichen Dialekten, das Deutschlandlied. Nur in Österreich, der dritten Ethnie dieser Art, blieb alles ruhig. Kein Trabant fuhr durch die Straßen. Keine Fahne wurde im Vorgarten gehißt. Ich weiß das alles so genau, weil ich selbst da war! Wie jetzt wieder.
Vor 18 Jahren mußte man noch 22 Stunden und 45 Minuten im Zug von Hamburg nach Wien fahren. Heute gibt es Flugzeuge, die die gewaltige Strecke in wenigen Stunden und ohne Zwischenstopps zurücklegen. Modernste Betankungsflugzeuge sorgen dafür, dass das gewaltige Luftschiff während des Fluges nachbetankt werden kann und nicht in fremden Ländern notlanden muß. In der ersten Klasse kann man sich hinlegen oder sogar ins Kino gehen, also einen modernen Spielfilm sehen. Ulf Poschardt, der mitflog, tat das, während ich, obwohl auch erste Klasse, lieber ein bißchen im Mittelgang spazieren ging und den Stewardessen zuwinkte. ´Valkyrie´ mit Tom Cruise hätte mich bei meiner Einstimmung auf Österreich nur gestört.
Am Flughafen Wien ´Johannes Heesters´ – leider haben inzwischen fast alle Flughäfen diese blödsinnigen Zusatznamen – erwartete mich ein Fahrer mit einem grossen LOTTMANN-Schild in der Hand. Auch Ulf Poschardt wurde so empfangen, sowie eine junge Porno-Rapperin, die ebenfalls mitgeflogen war. Wir waren alle drei Gäste dieser Talkshow am selben Abend. Die Porno-Rapperin war dem armen Poschardt bereits jetzt zuviel. Er versuchte schon, nicht im selben Auto mit ihr fahren zu müssen. Ich möge doch, schlug er vor, meinen Fahrer der Schlampe überlassen und stattdessen mit ihm fahren. Ich bejahte, merkte dann aber, dass wir verschiedene Hotels hatten. Und dann fiel mir noch ein, dass ich noch gar keine Schilling eingewechselt hatte und dem Fahrer kein Trinkgeld geben konnte. Das begann ja heiter.
Wien war natürlich völlig zugeschneit. Räumfahrzeuge waren pausenlos im Einsatz, um die wichtigsten Straßen freizuhalten. Der Fahrer hatte zum Glück einen allradgetriebenen Steyr-Unimog und überwand alle Hindernisse rasch und verwegen. Allerdings sprach er die ganze Zeit. Die Ausländer würden immer mehr werden, es seien jetzt schon 20 bis 25 Prozent. Die Ausländer seien skrupellos, da mittellos. Junge Burschen würden 90jährige Frauen totschlagen und ihnen die Tasche wegnehmen. Dabei tat er liberal-aufgeklärt: Das sei ja nur den Umständen geschuldet. Sie benähmen sich wie Tiere, die Ausländer, aber nur, weil die Umstände sie dazu zwingen würden. Die jungen Albaner und Balkan-Männer stächen alles nieder, was sich ihnen in den Weg stelle, aber nur, weil sie sonst keine Chance hätten.
„Jo, dös muaß mon verstähn…“ sagte ich zustimmend. Die armen tierisch verrohten Messerstecher, sie konnten weiß Gott nichts dafür. Nur ausweisen mußte man sie, mehr nicht, und zwar ohne Groll. Also – das war meine Meinung.
„Jo, jo“, stimmte der Taxler zu.
In grossen Riesenbuchstaben leuchtete der Schriftzug VIENNA INTERNATIONAL JOHANNES HEESTERS hinter uns auf. Es war 16 Uhr und schon stockdunkel geworden. Sein Vater, meinte der Taxifahrer, habe immer gesagt, es käme sie wieder, die böse Zeit. Sein ganzes Leben lang habe er das gesagt. Mit 19 sei er in den Krieg gezogen.
Ich fragte nicht weiter nach. Wer weiß, welche Weiterungen das gegeben hätte. Mit 19 die böse Zeit, und jetzt kommt sie wieder, wegen der vielen Ausländer, was konnte das bedeuten? Ich sagte, ich müsse noch Akten lesen.
Im feinen Hotel Fürstenhof fühlte ich mich sofort wohl. Ich wurde wie ein König, oder zumindest wie Fürst Pückler behandelt. Meine Zimmer waren groß und schattig. Überall standen altmodische gemütliche Möbel auf den dicken roten Teppichen, und kleine Kronleuchter beleuchteten die Räume samt Ecken und Winkel. Es gab einen großen Fürstenbalkon, der auf eine Kirche blicken ließ, die wie der Stephansdom aussah. Er war es nicht, sah aber so aus. Bis zum Bischof hatte man es nicht weit, als Fürst. Also, in früheren Zeiten, nehme ich an. Inzwischen war die Monarchie in Österreich abgeschafft (anders als in England).
Ich schlief ein Stündchen, dann läutete der Diener: ein Reporter sei für mich da. Ich gab dem Österreichischen Rundfunk ein Interview. Ein gewisser Martin Pieper interviewte mich, in seinem Fach eine Größe, wie man mir später sagte, dennoch rührte er mich vor allem als Mensch. Denn mein erster Eindruck war, dass er eine selbstgebastelte Brille trug. Das muß man sich einmal vorstellen! Der hatte nicht das Geld für eine echte Brille, oder für die Krankenversicherung, ich weiß es nicht. Das silbriggraue Blechgestell mußte er sich zu Hause selber löten, wahrscheinlich im sechsten Bezirk, wo die Armen wohnten. Ich war schlagartig elektrisiert, bot meine Hilfe an. Ich versprach, mich in Deutschland um eine echte Brille für ihn zu kümmern. Man konnte, vielleicht zusammen mit Günter Fielmann als Sponsor, einen Hilfsfond gründen, in den Künstler und erfolgreiche Medienberufler einzahlen konnten, vor allem natürlich zur Weihnachtszeit…
Aber ich will mich nicht zu lange an diesem Punkt aufhalten. Es machte mir nur deutlich, dass es in Österreich nicht allen so gut geht wie uns Aufschwungs- und Merkeldeutschen. Wer hier eine Brille braucht, der schnallt den Gürtel etwas enger, streicht dem Jüngsten das Ferienlager, verkauft den Fernsehapparat oder erzählt allen, er/sie würde jetzt endlich eine Diät machen, und schon ist das Geld da. Man kann die Brille ja auch in Monatsraten abstottern, dann merkt es keine Sau. 36 oder 48 Raten später spricht selbst in der Familie keiner mehr von dem Kraftakt. Aber nun endlich wieder zu meiner Wien-Tournee: Das Interview wurde sehr gut, Herr Pieper verbeugte sich vielmals und entfernte sich dabei, mich ansehend und sich immer weiter verbeugend, Richtung Ausgangstreppe, die er fast im Sturz nach unten überwand. Ein wunderbarer Mann. So höflich. Er hatte die Treppe nicht kommen sehen, mit den falschen Plastikgläsern in der Behelfsbrille, nehme ich zu seinen Gunsten an. Ein Tölpel war er bestimmt nicht. Man mußte ihm einfach „helfen“…
HELFEN. Was für ein schönes Wort, gerade in unserer Zeit. Es blubberte so angenehm in der oberen Bauch- oder unteren Lungengegend. Gerade, wenn man Geld hatte, viel Geld, wie ich, als erfolgreicher taz-Blogger. HEL-FEN… es konnte der Rap meines Lebens werden… hel-fen, hel-fen…
Um 20.30 Uhr kam wieder ein Fahrer und fuhr mich zum ORF. Inzwischen hatte ich den Concierce kennengelernt und mich sofort mit ihm angefreundet. Er besaß nämlich einen Artikel über mich im ´Standard´, und den ließ er mich signieren. Er schnitt ihn aus und klebte ihn ins Gästebuch. Dann hatte er noch ein Buch von mir, nämlich ´Auf der Borderline nachts um halb eins´, und auch das signierte ich. Er schenkte mir zwei Wien-Postkarten, die das Hotel Fürstenhof von außen zeigten und den Westbahnhof, und er gab mir zwei Cola und einen Red Bull aus.
Im ORF traf ich wieder auf meine Talk-Gäste aus dem Flugzeug, dazu auf Tex Rubinowitz, der sich einen Khomejni-Vollbart hatte wachsen lassen und wie der Prophet selbst aussah.
„Tex, du bist doch nicht Muslim geworden?“ platzte es aus mir heraus. Die Sendung lief bereits, er konnte nicht darauf eingehen.
Stunden später erst erfuhr ich den Grund: seine Freundin Hertha Hurnaus, die Carla Bruni Österreichs, hatte sich zwecks Urlaubs ins Ausland abgesetzt. Wozu sich dann noch rasieren? Andere Frauen (z.B. Christina Stürmer) wollte er nicht küssen. Auch hatte er am Freitag (heute!) ein Konzert seiner Kultband „Mäuse“, wo er sich auf der Bühne extatisch in Scherben wälzen mußte (oder muß, in wenigen Stunden), und da war es, beim Barte des Propheten, gesünder für die Gesichtshaut, diesen Pelz zu tragen.
Leider sah ich Ulf Poschardt nur wenige Minuten, denn kaum waren wir von der Kamera eingefangen, trat die Porno-Rapperin, die in Deutschland bereits durch einen Skandal bei Maischberger bekannt ist, auf Poschi zu und schleuderte ihm den ekligen Inhalt ihres Getränks ins Gesicht. Gesicht, Haare, Hemd, Anzug, vor allem die Hose wurden genäßt und versaut, und die Porno-Bitch schimpfte dazu unflätig auf den vornehmen Chefredakteur von ´Vanity Fair´ ein. Die Moderatoren konnten es kaum fassen, dass sie diese Szene wirklich sahen, dass sie wirklich auf Sendung waren, dass sie tatsächlich dieses phantastische Mediengeschenk bekamen, dass die Quote ihrer Talkshow auf Jahre stabilisieren mußte. Und die Porno-Sau machte weiter, sagte wirklich all diese scheußlichen Worte, sowas wie „Na, willste ihn jetzt am liebsten reinstecken oder was du Wichser du verfickter kleiner Arsch du…“ und so weiter. Poschardt war natürlich sofort aufgestanden, hatte das blöde Kabel samt Transformator aus der Jackett-Innentasche gezogen und war grußlos aus dem Studio gegangen. Aber die Rapperin schimpfte ihm noch minutenlang hinterher, als stünde er noch irgendwo versteckt hinter der Kamera. Die Moderatoren fühlten grenzenlosen Jubel in sich, durften es aber nicht zeigen, wie damals Johannes B. Kerner, als Eva Herman aus Versehen Autobahn gesagt hatte. Das war der Karrieresprung! Das war der Mantel des Schicksals, der durchs Studio gewandert war, und sie hatten seinen Saum berührt! Nun waren sie selbst wer. Sie hätten die blöde Rapperin küssen mögen. Aber sie mußten jetzt den Seriösen geben. Ich wurde würdevoll als weiterer Gast vorgestellt.
Was dann geschah, will ich nicht langatmig einer kleineren, aber liebenswerteren Öffentlichkeit mitteilen. Talkshows waren eigentlich nie mein Medium, weil ja doch immer alles comedy sein muß. Selbst wenn man ganz bewußt NICHT lustig wird, lachen alle, Stichwort Helge Schneider.
Ehrlich gesagt fiel mir auf keine Frage etwas ein. Was nur bedeuten konnte, dass ich zu keiner Frage etwas zu sagen gehabt hatte. Es mußten also gänzlich uninteressante, unwichtige, unpolitische Fragen gewesen sein, denn ich wurde ansonsten durch nichts behindert. Ich hatte keine Angst, sondern gute Laune. Die ging erst nach der achten irrelevanten Frage weg. Ich kann mich übrigens an keine einzige Frage erinnern.
Dass die Veranstaltung trotzdem auch von mir positiv gesehen wurde, lag an zwei Dingen: einer der beiden Moderatoren war nett, und ich mochte ihn auf Anhieb. Hätte ich ihn vorher kennengelernt, hätte er bestimmt andere Fragen gestellt, etwa nach Obama und Hillery. Am selben Tag war diese Wahl in New Hampshire, die nichts weniger bedeutete als die Rettung der Welt, die nun nicht in einen bedeutungslosen Dauergospel versackte (Obama), in einen ewigen Polit-Rap bis zum Jüngsten Tag, konsequenzlos, machtlos, fatalistisch, die Führung bald an die Chinesen abgebend, cool, charismatisch, ineffizient und ökonomisch desaströs. Die Welt wurde nun von Hillary Clinton geführt, und das war für uns alle von unschätzbarem Vorteil. Nein, solche Themen kamen hier nicht vor. Stattdessen sollte ich eine Nasenspülung mit Salzwasser vor laufender Kamera vorführen. Ängstlich sah ich auf die Striptease-Rapperin und überlegte, ob ich nicht lieber von ihr geohrfeigt werden wollte. Das war genauso entwürdigend, aber weniger eklig, und gab mir zudem den perfekten Grund, die Sendung the poschardt way zu verlassen. Ich blinzelte zur Rap-Lady hinüber, aber die dachte gar nicht daran, mich (auch noch) zu schlagen. Ihren Skandal hatte sie in der Tasche, eine zweite Aktion in derselben Sendung konnte ihn nur verwässern. Außerdem hatte ich Miss Porn schon im Flugzeug zugeflüstert (da ich ja nicht blöd war und wußte was kam), ich sei selbst für die zunehmende Pornographisierung von Staat & Gesellschaft. Meine Freundin Judith würde auch den ganzen Tag solche Worte sagen, und ich selbst finge schon beim Scheiß-Zähneputzen damit an. Ich fänd´s gut, was sie mache, die verlogenen Arschlöcher bei den verfickten Scheißmedien sollten sich von mir aus verpissen, man solle endlich so sein wie man sei und so weiter. Damit war ich als Schlag-Objekt ausgeschieden…
Der zweite positive Aspekt war Tex Rubinowitz. Er trat mittendrin als dritter Moderator auf und rettete den Abend. Natürlich stellte er ganz andere Fragen, überreichte mir diese handgeschriebene Erzählung von 1990 „Begegnung mit Peter Handke“ und bat mich, daraus vorzulesen. Ich tat es nur zu gern. Die anderen beiden Moderatoren waren von dem Text plötzlich schwer beeindruckt und beeilten sich anschliessend, meinen aktuellen Deutschland-Bestseller „Auf der Borderline nachts um halb eins“ zu loben und ständig ins Bild zu halten. Es wurde zur reinen Verkaufs-Show, und ich mußte an meinen Lektor Marco Verhülsdonk denken, der sicherlich jetzt vor dem Fernseher jubelte. Der nettere von den beiden Moderatoren – tatsächlich erinnerte er mich an Thomas Gottschalk, wobei man wissen muß, dass ich Thomas Gottschalk wirklich sehr mag, so unverständlich das auch für nahezu alle sein wird – bat mich sogar, aus der ´Borderline´ vorzulesen und überzog dafür die Sendung beträchtlich (auch wieder: wie Gottschalk!). Ich stand auf, lief durchs Publikum, das aufgeschlagene Buch in Augenhöhe, und las die SPIEGEL-Geschichte „Der grosse Charity Schwindel“ vor. Ich tat das, weil ich wußte, dass die NETZEITUNG am Tag darauf einen Beitrag von mir druckte, der ICH UND DAS INTERNET hiess und auf diese Bob-Geldof-Story Bezug nahm.
Nach der Sendung ging ich mit Tex Rubinowitz in eine lesbische Bar. Wir führten Das Gute Gespräch und er kam mir nicht nur beruflich näher, sondern fast schon, möchte ich sagen, als Mensch. Wer ist, haben sich Generationen gefragt, Tex Rubinowitz? Das ist natürlich ein weites Feld, und wir gingen nach drei Martini Bianco, die allesamt Tex bezahlte. Im Hintergrund küßten sich (wahrscheinlich lesbische) Frauen, was Tex nicht sehen konnte, da er zur Wand guckte, ich aber schon. Geistesgegenwärtig, wie ich manchmal selbst noch im halbbetrunkenen Zustand sein konnte, dachte mir in dem Moment sofort: Das berichte ich in meinem taz-Blog! Was hiermit geschehen ist.
Am nächsten Tag kam es zu weiteren Interviews mit Zeitungen und abends zur großen Lesung in der Philharmonie. Es war restlos ausverkauft. Überall im siebenten, achten und sechsten Bezirk hingen Plakate mit meinem Bild: „Heute um 8 Uhr kommt… LOTTMANN!“ Das fand ich total nett, denn das Bild zeigte mich auf einem Joe-West-Sofa sitzend.
Ich hatte mich gut vorbereitet, also meine Texte vorab laut in der Fürstenhof Suite deklamiert, vor allem den von 1990 „Begegnung mit Peter Handke“, aber mit einem rechnete ich nicht: dass Peter Handke selbst kommen würde. Er tat es auch nicht, aber, viel besser, seine attraktive Tochter Amina Handke. Über sie hatte ich in „Begegnung mit Peter Handke“ besonders ausführlich geschrieben. Denn sie kam ja auch in Handkes Werk von Anbeginn an vor: wie sie gezeugt, geboren, in die ´Welt´ gesetzt wurde, als Baby heranwuchs, grösser wurde, zum kleinen Mädchen heranreifte, Haare bekam, Sprechen lernte, eingeschult wurde und so weiter und so fort. Ich hatte, spätestens seit „Geschichte vom Bleistift“, Amina ebenso gern kennenlernen wollen wie Handke himself. Es passierte nie. Stattdessen lief ich dem Vater unverhofft in die Arme, siehe die Erzählung. Nun also dasselbe mit der Tochter. Man muß nur alle 18 Jahre nach Wien kommen, dann erfüllen sich die innersten Wünsche.
Amina Handka sah unglaublich nett aus. Und, um es gleich zu sagen, wie niemand sonst. Sie schien einen sofort zu kennen, deswegen keinerlei Angst vor einem haben, und dennoch der klassisch schüchterne Mensch zu sein. Sie war, anthroposophisch gesehen, der ganz entgegengesetzte Pol zu… na, Lady Pornfuck natürlich. Wir unterhielten uns nett, wobei vor allem Tex Rubinowitz (den in Wien alle ehrfurchtsvoll ´den Rubinowitz´ nennen) redete, äusserst aufgeregt natürlich, denn auch Tex hat ein Auge für schöne Frauen. Leider war es bereits acht Uhr, und die Lesung begann. Man hörte bereits das typische erwartungsvolle Rascheln und Raunen von vielen hundert Menschen, die sich in einer großen Philharmonie eingefunden haben. Ich mußte also auf die Bühne, obwohl ich doch viel lieber Amina Handke geherzt hätte. Ich schaffte es aber noch, ihr mein Buch ´Die Jugend von heute´, das sie mitgebracht hatte („Dein bestes seit ´Mai, Juni, Juli!´“) zu signieren und meine Handynummer darunter zu setzen.
Ich las als erstes ein Portrait der Dichterin Bettina Galvagni. Als ich merkte, dass das Publikum atemlos zuhörte, ja man eine Stecknadel hätte fallen hören, bat ich einen Mitarbeiter, die Lesung digital aufzuzeichnen. Ich konnte den Abend dann als Podcast ins Netz stellen, und jedermann und jedefrau weltweit würde fortan die Möglichkeit einer Lottmannlesung besitzen. Vielleicht gefiel das den Leuten ja viel besser als meine dauernden Kommentare? Hier im Saal schien es so zu sein.
Nach der Lesung kam es leider zu dem im Literaturbetrieb üblichen Ritual, mit „ein paar netten Leuten von der Veranstaltung und deren Freunden aus lokaler Politik, Kirche & Wirtschaft“ noch nett zusammenzusitzen und literweise BIER zu trinken. Ich hasse Bier. Ich kann nicht verstehen, wieso man nach geistigen Eindrücken dieses gehirnlähmende Gesöff in den armen eigenen Magen pumpen soll, bis er platzt und das Gehirn gleich mit. So inszenierte ich einen künstlichen Streit mit Thomas Glavicek, der stolz das Patronat der Veranstaltung übernommen hatte, und übte gleich mal the poschardt way of exit. Ich pusselte Kabel und Funkbox aus dem Jackett, übergab es dem Techniker, und ging.
Immerhin hatte ich noch ein paar nette Fans kennengelernt, vorher. Mit dem einen verabredete ich eine Bettina-Galvagni-Recherche, denn ich wollte sie gern wiedersehen. Mit dem anderen eine Amina-Handke-Recherche, denn ich wollte sie gern heiraten, nein, wer will das nicht, also ich wollte sie erst recht gern wiedersehen. Und nicht erst in 18 Jahren.


2 Kommentare zu "Begegnung mit Peter Handke"

  1. Selten so einen Müll gelesen.

  2. Zu Deiner Papparazzi-Beschreibung von Sahra Wagenknecht (PDS/Die Linke.) hier eine leicht satirische Antwort:

    Hör mal zu, Lottemann !
    1. Bei Marzahn reicht ein h (nicht Mahrzahn) ! Das Wort Bolschewiken gibt es nur in Deiner Phantasie, es heißt entweder Bolschewisten oder aber Bolschewiki (aus dem Russischen übernommen). Auch bei Satiren sollte man auf Rechtschreibung achten. Den Begriff Vortsandstisch kenne ich gar nicht. Sollte das „furzen am Tisch” heißen ? Das Wort „Ungeotheanische” stammt wohl aus dem Marsmännchen-Deutsch für Fortgeschrittene. Auf der Erde begegnete mir das Wort noch nicht. Ebenso: mediokren. Bitte was sind saftig-satte Almhütten ? Kann man da rein beißen ? Und: „13 Hanseln saßen da rum, alle oberhalb des Rentenalters”. Ich wußte gar nicht, daß nach dem Rentenalter noch was kommt. Wie schön, aber wovon leben die, wenn nicht von ihrer Rente? Oder meintest Du etwa Renteneintrittsalter?
    2. Auch für Satiren gilt: kein unverständlicher Anachronismus, also konkret zu den von Dir erwähnten Kintop -Zeiten paßt schlecht die Atombombe. Falls Du´s nicht glaubst, mal im Lexikon nachschauen, falls Du eins hast.
    3. Falls Du Behinderte meinst, reduziere sie bitte nicht auf Spastiker, wer weiß, vielleicht kriegst auch Du mal Parkinson und sitzt im Rolli und bist schlechter zu Fuß als eben jene Spastiker !
    4. Welche Gattung Altstudenten sind, erschließt sich mir auch nicht – meinst Du Langzeitstudierende ? Die Bildung ist frei, wer mit 90 Architektur studieren will, soll es tun, vorausgesetzt er hält das Praktikum auf der Baustelle durch. Dies ist auch ein Ausdruck individueller Freiheit !
    5. Daß Frau Wagenknecht Rezitationsabende vor Kohl und Gysi gleichermaßen hält, war mir neu. Wie Kohl dort oder im Allgemeinen guckt, interessiert uns, als ob in Thüringen ´ne Bockwurst platzt.
    6. Den Begriff „Penner” gibt es soziologisch nicht. So hieß lediglich ein langjähriger Bundestagsabgeordneter der SPD . Meinst Du den ?
    7. Ekelhaft ist Deine Bemerkung: „Ein Vergewaltiger und brauner Schläger hätte leichtes Spiel.” Soll das eine Regieanweisung sein ?
    8. Ob Marsmännchen sich autistisch geben oder nicht, entzieht sich meiner Kenntnis, ich habe wie der Rest der Welt noch nicht Gelegenheit gehabt, eins zu beobachten. Frage: Wo sind denn in Deiner Phantasie die passenden Marsfrauchen ?

    Also Lottemann, frei nach Loriot, rate ich Dir, daß mit dem Journalismus laß lieber bleiben, gründe mit Deiner Tochter ´ne Herrenboutique in Wuppertal und mach dann den
    Papstbesuch !

    Augenzwinkernde Grüße
    Gerold Steigenberger

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