Archive for April, 2008

21.04.2008 von lottmann
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Das Niveau steigt

von lottmann

Mit Thomas Lindemann und Philipp Rühmann ist es gestern noch herzallerliebst geworden. Die beiden waren sich ja in all den Jahren noch niemals vorgestellt worden! Es war ein Augenblick wie damals zwischen Livingstone und dem anderen großen Forscher mitten in Sven Lager’s Afrika, als sie sich zur Freude der um sie tanzenden Negerkinder die Hand gaben. So auch gestern.
“Thomas Lindemann, nehme ich an?”
“In der Tat, der bin ich. Philipp Rühmann?”
“So ist es.”
“Guten Tag, Philipp.”
“Guten Abend, Thomas Lindemann!”
Allseitige Freude, minutenlanges Händeschütteln. Da so viele Leute Thomas heißen, spricht man den Nachnamen bei ihm immer mit, wißt Ihr. Wir besprachen dann vier Stunden lang Berufsgeheimnisse, bis Judith Bröhl dazu stieß, die sofort das Niveau nach oben trieb. Eben noch waren wir bei irgendwelchen Zoten rund um Betriebsfeste im Axel Springer Verlag, als Judith nervös, aber nicht unfreundlich, unterbrach:
“Was… weiter lesen

19.04.2008 von lottmann
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Fragen Sie Joachim Lottmann

von lottmann

“In Ihren Texten taucht gelegentlich der Papst auf. Wie stehen Sie zu ihm geistig-inhaltlich?” (fragt Martin Eichel, Frankfurt). Antwort: Geistig kann man zum Heiligen Vater gar nicht stehen, sondern nur geistlich. Aber auch das fällt mir zur Zeit schwer, da ich ganz mit meinem Buch ‘August, September, Oktober’ beschäftigt bin. Natürlich verfolge ich im Fernsehen seine Reise in die Vereinigten Staaten von Amerika. Es ist dort bereits herrlicher Frühling, und der Pontifex in seinen wunderbaren weißen Kleidern macht dort eine großartige Figur. Indem er immer wieder die Konfrontation mit dem sexuellen Mißbrauch der Priester sucht, ist ihm die Aufmerksamkeit des ganzen Landes via Medien sicher – und das sieben Tage lang! Doch nun zu Ihrer Frage. Ich nehme an, sie zielt eben auf diese seine Haltung zum massenhaften sexuellen Mißbrauch im Priestergewand. Tausende und Abertausende Opfer seien aktuell zu beklagen, behauptet Benedikt XVI. Nun, ich glaube nicht daran. Die ganze… weiter lesen

17.04.2008 von lottmann
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Offene Fragen

von lottmann

Allmählich ahne ich, daß es diese Straßenbahnfahrten waren, ans Ende der Stadt, die wir Anfang April unternahmen, die das alles auslösten… ich muß das einmal der Reihe nach erzählen, der Blogleser hat ja ein Anrecht darauf. Es gibt schließlich ganze Körbe von Anfragen (siehe auch ‘Fragen Sie Joachim Lottmann’). “Warum hört der Blog auf?”, “Wie geht es weiter mit dem Peking-Boykott?”, “Was wurde denn nun aus Katrin Kruses Uhr?”, “Wollen Sie das Blog wirklich schließen, Herr Lottmann?”, “Ich möchte so gern zwischen Ihnen und Frau Bröhl vermitteln, weiß aber gar nicht recht, wie…”, “Wie ging es aus mit den sympathischen Jung-Journalisten von WELT KOMPAKT?”, “Ich und meine Frau wären Ihnen verbunden, wenn Sie noch eine Photographie der sogenannten ‘Maxim-Biller-Bar’ in Ihren taz-Blog hineinsetzen könnten” und so weiter (wird gleich getan: siehe Foto unten).
Tja: ich will mich meiner Verantwortung nicht länger entziehen. Zunächst einmal: Es ist alles in Ordnung.… weiter lesen

09.04.2008 von lottmann
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Boykottiert Peking 2008!

von lottmann

Ich werde heute diesen (dieses?) Blog beenden, was nicht nur einen guten Grund hat, sondern gleich zwei. Zum ersten schreibe ich ja seit Ende März an meinem popliterarischen FAUST II, nämlich diesem 600-Seiten-Opus mit dem Namen ´August-September-Oktober´ (Verlagswunsch), das mein Ur-Werk ´Mai, Juni, Juli´ nach Ablauf einer vollen Lebensspanne bzw. einer ganzen Generation fortführen, abschließen, dekonstruieren, überwinden, ich weiß nicht was noch, soll. Wie ich gesehen habe, fließt doch ein bißchen Konzentration ab, wenn ich dabei weiter blogge. Man sieht das auch bei anderen Bloggern, etwa bei Matthias Matussek, der in seinem ´Matusseks Kulturtipp´ immer genialer wird, absolut im ‘flow’ ist dabei, aber für den SPIEGEL weniger schreibt als früher. Mir fiel es gerade heute auf, als ich nämlich seinen Bericht über die Zadek Inszenierung ´Nackt´ las, den ich überwältigend gut fand: mit solchen ansatzlos geschlagenen Volltreffern schlug er früher seine Gegner im Wochenrhythmus zu Boden. Jetzt kommt das viel… weiter lesen

08.04.2008 von lottmann
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Gute Nachrichten in der Welt

von lottmann

Jetzt zeigt sich, daß der Avantgardist immer schon alle vorhergehenden Epochen in sich trägt: Judith tut sich mit der Hochkultur leichter als deren offiziellen Vertreter. Sie liest den Lacan als wäre es Micky Maus. Karl-Heinz Stockhausen ist ihr vertrauter als mir, der ich mich im Musikunterricht damit abquälte, im Hamburger Johanneum. Und auch die elaborierte Sprache schlägt sie nun plötzlich an, als habe sie nie etwas anderes gesprochen. Hoffentlich halten die Leute mich nicht für Professor Higgins, der seine Miss Doolittle trainiert und geschleift hat, denn nichts wäre falscher. Das gute Kind hatte einfach keine Lust, schon vor der Zeit auf street credibility und wildes Leben zu verzichten. Schön, daß es nun soweit ist? Ich weiß nicht so recht.
Immerhin bin ich froh, am Mittwoch, wenn die Zwillinge ihr Buch in München vorstellen (Moderator: Matthias Matussek), keine Skandalnudel à la Amy Winehouse neben mir zu haben, sondern das neue… weiter lesen

07.04.2008 von lottmann
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Judith liest

von lottmann

Noch zu Ostern bei der Staffel von Germany’s next top model fluchte sie (“Die Brüste sind echt scheiße operiert, die Alte kann sich jetzt ins Knie ficken, die arme Sau…”), rauchte immer mehrere Zigaretten gleichzeitig bis das Bett fast abgefackelt war, soff vier Flaschen Veltins pro Folge, trat rülpsend und johlend gegen den altersschwachen Fernseher wenn eine der Tussen wieder zu heulen anfing: Judith Bröhl, bis vor wenigen Tagen Berlins prominenteste Anhängerin der Trash Kultur. Doch das ist für immer vorbei – jetzt LIEST sie! Ja, Bücher, echte richtige Bücher, manche sogar kartoniert. Nicht, daß sie das nicht schon gekannt hätte. Wie jeder Mensch mit Abitur hatte sie diese Klumpen einst lesen müssen, als Kind schon, und später als Jugendliche auch noch. Judith hat zudem noch eine sauber abgeschlossene Hochschulausbildung, was viele nicht wissen. Aber FREIWILLIG lesen – darauf wäre sie in tausend Jahren nicht gekommen, wenn… ja, wenn nicht… weiter lesen

06.04.2008 von lottmann
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Endlich Pfingsten!

von lottmann

Ostern ist schon wieder eine Ewigkeit her. Da muß es ja inzwischen Pfingsten sein. Das ist natürlich gar nicht schlecht. Nur eines bleibt unklar: Wo ist eigentlich mein Auto geblieben, der Wartburg Tourist 353 Super? Aber auch dafür gibt es eine Antwort. Mein lieber Jugendfreund und (ehemaliger) NVA-Führungsoffizier Clemens baut den Wagen zur Zeit zum ‘Filmauto’ um, damit es diese blöde Umweltplakette bekommt, genauer gesagt, die Ausnahmegenehmigung. Dazu muß er, also der Wartburg, in einen ‘historischen Zustand’ versetzt werden. Und der historische Zeitpunkt ist natürlich immer das Jahr 1989, das Jahr des Mauerfalls. Nachträglich eingebaute oder angeschraubte Dinge (falscher Kotflügel, Papst-Benedikt-Poster, Bundeswehr-Reifen) müssen entfernt, die Deutschland-WM-Fahne durch das Hoheitszeichen der DDR ersetzt werden. Wer meinen Jugendfreund (Foto) für wenig fesch für einen geborenen deutschen Offizier hält, sollte ihn einmal auf alten Fotos sehen: total zackig, maßgeschneiderte Uniform, alles andere als verweichlicht. Das Auto hatte er übrigens von seinem Vater geerbt,… weiter lesen