Archive for Mai, 2008

31.05.2008 von lottmann
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Beim Friseur

von lottmann

Heute beim Friseur die Vanity Fair vom 15. Mai gelesen. Da konnte ich endlich einmal nachprüfen, ob meine diversen Halbvermutungen über dies Organ wenigstens ein bißchen stimmten. Tja, ein bißchen vielleicht schon. Aber insgesamt war es anders als meine bösen Vorstellungen. Gar kein Konsumblatt. Aber auch nicht gut. Am Ende hatte ich doch wieder nur leichte Depressionen und dachte: “Oh weh, armer Rainald.”
Dann in die Innenstadt, am Alexanderplatz vorbei, wo sie ein Plakat meiner ehemaligen Frau aufgehängt hatten (Foto), also sagen wir meiner ehemaligen Frau minus zehn Jahre plus Photoshop (und natürlich macht Liebe blind), bis zur Friedrichstraße, wo gerade die Gewerkschaft der Polizei demonstrierte (darüber ein Sonderbericht morgen). Ich schlängelte mich dran vorbei, erreichte das Kulturkaufhaus Dussmann und las gebannt 50 Seiten – das ist viel für mich – aus dem Buch ‘Die Ausgeschlossenen’ von Heinz Buge.
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28.05.2008 von lottmann
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Adam Soboczynski und sein Buch ‘Die schonende Abwehr verliebter Frauen’

von lottmann

Gewohnheitsmäßig ging ich von der Kastanienallee kommend die Schönhauser Allee entlang, bog in die Sredzistraße ein, dort, wo das Kino ‘Kulturfabrik’ ist, und da ich bis zur Lesung von Adam Soboczynski noch ein bißchen Zeit zu überbrücken hatte, gestattete ich mir ein Vergnügen, das ich als Student zur Meisterschaft entwickelt hatte: Kino hopping. Ich ging also in irgendeinen Film, und wechselte dann nach zehn Minuten. Beim dritten blieb ich fasziniert hängen – ein großes Drama von Sidney Lumet, mit Marisa Tomei in der Hauptrolle. Breitwand-Amerika, groß, tragisch, menschlich, unnachahmlich. Ich atmete richtig das ganz echte, das ganz große Kino, jede Minute, den zeitgenössischen Stand unserer Kultur, der abendländischen sozusagen. Als ich wieder rauskam, fühlte ich mich so gereinigt, als käme ich aus einem sechswöchigen Klosteraufenthalt. Freiwillig also bewußt hätte ich mich niemals für einen Sidney Lumet Film entschieden, wäre immer lieber in den nächsten Tarantino gelaufen.
Dann mit Nichte… weiter lesen

27.05.2008 von lottmann
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Nicht bumsen

von lottmann

Im ZDF Nachtstudio sah ich wie jetzt jede Woche unsere Freunde Peter Schneider (Schriftsteller, pathologischer Vertreter der Generalthese “In den 50er Jahren gab es noch den Kuppelei-Paragraphen, und auf Rasenflächen durfte man nicht spielen”), die Getty-Zwillinge, und noch einer oder zwei, ach ja, Tanja Dückers. Wir haben ja immer noch (noch 6 Monate und 4 Tage) das Jahr 1968. Es geht um die damalige sexuelle Revolution, um Alice Schwartzer damals und heute. Ein Mann sagt: “Wir wollten doch alle nur bumsen.” Der Moderator denkt ähnlich, Tanja Dückers kennt das Wort nicht, Jutta Winkelmann sagt: “Wir wollten NICHT bumsen!” Zum erstenmal fand ich die Zwillinge gut im Fernsehen, was fast schon bedenklich ist. Bisher wirkten sie in diesem Lügenmedium immer wie Fremdkörper. Nun hat es sich umgedreht: die anderen wirken wie Vollidioten, schwer von der Demenz gezeichnet, während die beiden Frauen Vernunft, Verantwortung und Jugendlichkeit ausstrahlen. So wie Ursula von der… weiter lesen

25.05.2008 von lottmann
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Die norwegische Autorin Edy Poppy und ihre Heldin Ragnhild Moe

von lottmann

Norwegen ist das Land Knut Hamsuns… für mich jetzt auch das Land jener blonden, blau-grau-äugigen Schriftstellerin, die ich einmal bei Thomas Lindemann traf und jetzt wieder auf der Lynch-Party, die aber nicht so heißen will, wie sie heißt, nämlich Ragnhild Moe, sondern sich von ihren Freunden Edy Poppy nennen läßt. Das müssen schon gute Freunde, die sowas mitmachen, denn zweifellos ist Ragnhild Moe ein perfekter Name für eine Erotik-Autorin. Nur: Natürlich ist das Mädchen überhaupt keine Erotik-Autorin, sondern sieht nur so aus. Dem Goldmann Verlag war dieser kleine Unterschied partout nicht beizubringen, und so erschien ihr europäischer Bestseller ‘Anatomy. Monotony’ in Deutschland unter dem schlüpfrig sein sollenden Titel ‘Die Hände des Cellisten’, mit Porno-Umschlag, nassen Brüsten, und eben dem verschmähten ‘richtigen’ Namen. Die junge Frau wird hierzulande offenbar nicht verstanden, und das muß an dem Sog der Pornographisierung liegen, tut mir leid, daß dieses Wort schon wieder fallen muß. Eddy… weiter lesen

23.05.2008 von lottmann
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Heimweg

von lottmann

Die helle, waagrecht auf die kilometerlange, abschüssige Großstadtstraße fallende Sonne ging gerade auf, als ich von der ‘Liebling’ Party zurückkam. Ich parkte den Wartburg Tourist 353 Super (Foto) und strebte auf die Geheimwohnung zu. Waren noch Glatzen unterwegs? Da! Direkt vor mir tauchte eine Glatze auf (Foto), aus dem Nichts, nein, aus dem Hauseingang meiner Geheimwohnung! Jesus, hätte ich doch nur in der repräsentativen Stadtwohnung in der Schönhauser Allee 41 übernachtet! Aber ich mußte ja erst zu dem hübschen Mädchen, und von da aus war es näher zur Geheimwohnung. Nun sprach mich die Glatze auch noch an, klar. Jetzt kam ein Unglück zum anderen.
“Hallo, Herr ‘Lottmann’…”
Adrenalin schoß in mein Hirn. Blitzschnell überlegte ich mir eine Abwehrstrategie. Ich wollte, bevor die Glatze mich angriff, möglichst martialisch ‘rüberkommen’. Ich schnarrte:
“Guten Morgen, Kamerad!”
“Hi hi… so früh schon auf den Beinen, ‘Herr Lottmann’?”
Immer dieses… weiter lesen

22.05.2008 von lottmann
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‘Liebling’ Party

von lottmann

Das war sicher der Abend des Jahres – für mich. Vorglühen bei guten Freunden, die historische letzte Schmidt-und-Pocher Sendung im Hintergrund. Klar, daß die nie mehr auftreten dürfen, obwohl Charlotte Roche einiges dafür tat, die Sendung aus der Schmuddelecke rauszuziehen. Diese sympathische Engländerin konnte bestimmt nichts dafür, daß der junge, dem Mediendruck nicht mehr gewachsene Pocher die Nerven verlor. Schäbig übrigens von Harald Schmidt, daß er das nicht stoppte, seinen Kollegen ins eigene Messer hetzte. Hätte ich nicht gedacht von ihm. Wir schalteten ab, als Roche ging, und ab im Wartburg zur Friedrichstraße, großer Auftritt mit dem Wagen vor dem Cookies, endlose Schlange, Party des Jahres, ‘Liebling’-Ausgaben lagen überall rum, ich griff mir eine.
Und da war sie nun, die Zeitschrift, die alle eigentlich von ‘Vanity Fair’ erhofft hatten (während Vanity Fair alle Hipnesserwartungen rätselhafterweise nicht einlöste). Ich begann zu lesen. Der Aufsatz von Georg Diez über Antikapitalismus gleich… weiter lesen

21.05.2008 von lottmann
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Im Osten Berlins

von lottmann

Wie kommt es nur, fragte ich mich heute wieder, als ich aus der Geheimwohnung im Bötzowviertel trat, daß in Berlin die Männer. die jungen vor allem, wie Russen aussehen? Sie haben ja alle diese base caps auf und kleiden sich in einer ununterscheidbaren Weise in einer Art Sträflings-Uniform, als gingen sie gerade zum GULAG und nicht zum SCHLECKER, aber vielleicht ist es gar keine base cap, sondern eine Modifikation der guten alten Schiebermütze, wie sie alle Ganoven seit Brecht getragen haben vor dem Krieg? Ist das ganze Outfit samt obligatorischer Glatze in Wirklichkeit Folklore? Sind es einfach Nachkommen des halbkriminellen Lumpenproletariats der 20er Jahre, angereichert durch Produkte der millionenfachen Vergewaltigung deutscher Frauen durch sowjetische Soldaten? Immer wieder fällt im Fernsehen ja wie beiläufig der Satz “…und fast keine Frau entkam den Soldaten, die nur zu guten Grund hatten, sich für die massenhaften unmenschlichen Kriegsverbrechen der nationalsozialistischen Heeresangehörigen in Hitlers Vernichtungskrieg… weiter lesen

20.05.2008 von lottmann
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www.vanityfair.de/extras/rainaldgoetz

von lottmann

In ‘Klage’ steht heute, man solle einmal bei Matussek nachfragen, was aus seinen Freundschaften geworden sei. Gemeint ist Matthias Matussek, Star-Autor des SPIEGEL, dessen neues Buch gerade fertig geworden ist. Ja, der Mann kann zu dem Thema wirklich etwas sagen, der hat natürlich viele Freunde, zum Beispiel mich, wir mailen fast täglich. Das war ja die große menschliche Erfahrung auch für mich beim SPIEGEL, daß man Freunde hat, richtige echte Freunde! In den zwölf Monaten, in denen ich der Redaktion dort angehörte, kam ja sofort mein uraltes Vorurteil auf den Prüfstand, ich sei ein Außenseiter und würde von den Menschen nicht sonderlich geschätzt. Zum erstenmal in meinem Leben kamen Leute auf mich zu, ganz von selbst, aus eigenem Antrieb, freundlich, neugierig, offen, ohne jedes Ressentiment, aus allen Schichten der Bevölkerung. Fast schien es so, als würde jeder, der das Wort SPIEGEL hörte, mich plötzlich mögen. Mißgünstige Kollegen von früher riefen… weiter lesen

19.05.2008 von lottmann
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Kinski, Gott, Pöbel

von lottmann

Der Klaus Kinski Film war vielleicht sogar das perfekte Kunstwerk. Denn einerseits trug Kinski eine Rolle vor – er spielte Jesus Christus – und zum anderen schaffte er es, die 5.000 Zuschauer in der Berliner Waldbühne so zu provozieren, daß sie sich wie jener Lynch-Pöbel verhielten, der Jesus kreuzigen lassen wollte. Ein äußerst schmaler Grat, dieses Provozieren und fast Gelychtwerden. Im Kino verstanden das ein paar Deppen nicht, genau hinter mir, so ein Pärchen, das auch noch zu spät gekommen war und sich darin lustig fand, kleine blöde halblaute Kommentare zu geben. Ich drehte mich um und herrschte sie in äußerst scharfer Weise an: “Könnt Ihr Maulhelden nicht endlich einmal DIE FRESSE HALTEN?!” Der eine von ihnen, der Mann, brauchte Sekunden, bis er, um vor seiner Freundin das Gesicht zu wahren, ein ängstliches “selber Arschloch” nuschelte. Daraufhin erhöhte ich meine Stimmgewalt noch und schmetterte schrill und dramatisch:
“WAS WEISST… weiter lesen

18.05.2008 von lottmann
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Klaus Kinski

von lottmann

Judith ist in Indien geblieben, und ich telefonierte nun immer häufiger mit Eva Klose. Sie meinte kichernd, dem Rainald hätte ich es aber gegeben, hi hi hi. Ich dachte erst, sie meinte ‘den Rainer’, also Rainer Langhans, und lachte unbeholfen mit. Hatte ich es dem Rainer irgendwo gegeben? Wahrscheinlich. Bei drei Langhansbüchern hatte ich mitgeschrieben. Aber ich mochte den doch, ‘den Rainer’. Eva Klose meinte aber, wie ich bestürzt merkte, Rainald Goetz. Ich dementierte postwendend. Oh nein, das sei ein Mißverständnis, ich fände den sehr gut, den Blog ‘Klage’!
“Ja ja, hi hi hi…” sagte Eva Klose.
“Wirklich!”
“Gegeben hast du’s ihm trotzdem, du Batzi.”
“Im Gegenteil, MEIN Beitrag war doch dünn, diese längst bekannten Ausführungen über Döpfners Bild Zeitung…”
“Ach, komm.”
“Ja, ich lese die Bild Zeitung doch immer noch gern. Weil ich weiß, wie schlecht sie erst in fünf Jahren sein wird…”weiter lesen