Nils Minkmar schrieb dann in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sehr prominent über diese ‘Klage’ Abschiedsparty, wie ich ja auch, und so ergibt sich für mich die Notwendigkeit eines Nachtrags, eines ganz kleinen. Minkmar sieht nicht, daß es Goetz um das Denken geht und nicht ums Erzählen. Vielleicht muß ich das mit einem Détail aus der Partynacht, das ich sorgsam verschwieg, untermauern. Als ich nämlich über die Feuerleiter die brüllend heiße Party vorzeitig verließ und Goetz mir in gebührendem Abstand heimlich gefolgt war, traf ich ihn unten auf der Straße etwa 500 Meter weiter. Soweit war er gegangen, um einen Platz zu finden, an dem er sich abkühlen konnte, ohne von einem der Partygäste aufgestöbert zu werden. Er wollte sich natürlich auch sozial abkühlen. Die nahezu völlig distanzlosen Begegnungen mit den vielen viel zu bekannten Mitmenschen hatten ihn noch mehr zermürbt als die Sauerstofflosigkeit in dem zellenartigen, fensterlosen Partyraum. Er hatte… weiter lesen
Archive for Juni, 2008
Das Ende von Rainald Goetz’ Abschiedsparty ist noch immer nicht in Sicht. Sie begann ja auch erst um 22 Uhr, zu einer Zeit also, als Holland gerade den Ausgleichstreffer gegen Rußland erzielte. Ich sah das Spiel mit hochrangigen Funktionären der Z.I.A. in einem Kreuzberger Lokal, in Sichtweite zur Goetz-Party. Um 23 Uhr marschierten wir geschlossen rüber und waren die ersten Gäste. Der Hausherr und Blog-Beender begrüßte uns mit Handschlag. Er freute sich über diese ersten Gäste riesig, wie immer bei ersten Gästen, denn vorher denkt man als Gastgeber ja schnell, es käme NIEMAND. Und dann doch diese Gesichter. Ich dankte Goetz förmlich für die Einladung (die es gar nicht gegeben hatte), und stellte ihm meine Begleiter vor, nachdem ich vorher höflich gefragt hatte, ob sie ihm bereits bekannt seien. Goetz meinte, das Gesicht des einen zu kennen – es war Philipp Rühmann – den anderen Herrn aber leider noch gar… weiter lesen
Testbild 1:

(casa nathusius lottmann grottammare, italia)
Testbild 2:

(‘taz’-Autor Lottmann in Havanna am 80. Geburtstag Fidel Castros)
So, das hat ja schon einmal geklappt, sogar phantastisch gut geklappt (nach stundenlangen Fehlversuchen mit dem falschen ‘Browser’)… Nun wollen wir mal die nächste Dateiübertragung testen: eine PDF. Es geht hier um einen Print-Text, genau gesagt um einen Auftrag, den ich von der taz und gleichzeitig von der WamS hatte. Klingt kompliziert, ist aber nur logisch: Ché Guevara hat heute 80. Geburtstag, und das wollten natürlich beide politischen Zeitungen würdigen. Die taz wollte wieder so einen liebevollen Artikel wie meinen über Fidels 80. Geburtstag (Blog-Leser kennen ihn noch, vom letzten Jahr), und die WamS, vom anderen Ende des politischen Spektrums, wollte wieder so ein richtig böses Antikommunismus-Manifest im J’accuse!-Stil. Ehrlich gesagt war mir in diesem Fall die letztere Variante viel näher: Erstens wollte… weiter lesen
Seit Rainald Goetz die Gerüchte über das Ende seines Blogs ‘Klage’ bestätigt hat, geht nichts mehr in diesem Metier. Hier auf taz.online hat man das Feld fundamentalistischen Nerds überlassen und unüberwindbare neue technische Hürden aufgestellt. Wer nicht seit seinem vierten Lebensjahr seine gesamte Freizeit vor dem Computer verbracht hat, kriegt seine Texte nicht mehr gepostet, und andere Dateien, Fotos, PDFs etc. schon gar nicht. Blockwart Broeckers hat ein neues harsches Regiment errichtet. Deutsche Tugenden vor Inhalt! Technisches vor politisches Bewußtsein! Einziger Trost: Es gibt übermorgen eine Rainald-Goetz-Abschiedsparty in Berlin.
Der Leiter des SPIEGEL Hauptstadtbüros stellte seinen erstes literarisches Werk vor, einen poetischen Schlüsselroman über die Amouren in der Kanzlerschaft Gerhard Schröders. Ich war mit meiner Nichte Hase zugegen, nämlich in der Pan Am Lounge des Eden Hotels, und stellte natürlich kritische Fragen. Mir gefiel das Buch sehr gut, denn ich hatte mir immer schon gewünscht, es würde mehr tolle Gerhard-Schröder-Romane geben als nur ‘ZOMBIE NATION’ (Kiepenheuer & Witsch 2006, 440 Seiten, 29,90 Euro). Natürlich durchzog dennoch ein klangreiner, nie schwankender Kammerton absoluter Politikverdrossenheit den an sich schönen Text, und das wird den Lesern natürlich sehr gefallen. Mir auch, weil es perfekt gemacht war und ich es in dieser Reinheit noch nicht gehört hatte: alle handelnden Personen sprachen diesen bis zum Würgegefühl bekannten Polit-Sprech. Trotzdem war es keine Literatur, denn Menschen aus Fleisch und Blut haben auch noch andere Seiten. Als Frog (friend of gerd) weiß ich, wovon ich spreche.
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Heute purzeln die Ereignisse nur so. Angeblich hat an diesem Tag das Topchecker-Bunny (Foto) geheiratet. Und gleichzeitig hat die Weltmeisterschaft begonnen, mit Schweiz gegen Portugal. Und ich habe die Plattform ‘Bundesrepublikanische Schriftsteller gegen Rassismus, Fremden- und Frauenfeindlichkeit’ ins Leben gerufen. Einige Gründungsmitglieder wollten das Kommittee erst ‘deutsche Schriftsteller gegen… u.s.w.’ nennen, aber ich fand ‘deutsch’ zu belastet, und außerdem gefällt mir, daß in dem Adjektiv ‘bundesrepublikanisch’ das Wort Republik enthalten ist. Heute auch erfuhr ich (verspätet), daß der Guru, zu dem Rainer Langhans mit den Beatles 1967 geflogen ist, Maharishi Mahesh Yogi, gestorben ist. Sehr schade. Gerade wollte ich ihn selbst besuchen, also Anfang nächsten Jahres. Judith Bröhl, begeisterte Neu-Inderin seit vielen Wochen und ein bißchen (im doppelten Sinn) weggetreten, hat mich eingeladen.
Morgen ist nun angeblich das WM-Spiel Deutschland gegen Polen (also besser: Bundesrepublik gegen Polen), und ich werde es privat auf einer public viewing party bei Martin… weiter lesen
Maxim Biller stellte heute sein erstes Kinderbuch vor, aber nicht in einer öden, schmucklosen Veranstaltungshalle, sondern in einem alten Berliner Zauberklub. Schon Huidini und der Zauberer Dante sind im ‘Magischen Zirkel’ aufgetreten. Alle dachten, so ein Kinderbuch von Maxim Biller, das ist bestimmt ganz ätzend und bitter. Und Maxim sagte dann auch: “Ich wollte immer schon ein ganz anderes Kinderbuch schreiben, nicht so verlogen und süßlich, sondern von einem ganz häßlichen Kind, das sich total unbeliebt macht und dann stirbt!” Er hatte immer lauter gesprochen, seine Augen wurden bei den letzten Silben immer schwärzer – aber es war nur ein Scherz. Das ‘bittere’ Kinderbuch kommt angeblich erst beim nächstenmal, aus Rache, falls sich ‘Ein verrückter Nachmittag’ schlechter verkaufen sollte als Jim Knopf oder das blöde ‘Momo’. Naja, das ist aber nicht zu befürchten. Zwischen Maxim und mir saß die reizende Johanna Adorján, und ich sagte, ihr Artikel über ‘Sex and… weiter lesen
Ehrlich gesagt klang für langjährige Kenner des Autors der wehmütige Eintrag über ein privates Redakteurstreffen der alten Vanity Fair Mannschaft vor zehn Tagen in ‘Klage’ bereits wie… Abschied. Man ahnte, daß es nun nicht mehr lange gehen würde. Es gibt ja bösartige Leute, die behaupten, dem Autor sei die Lust vergangen, als er die ganzen Kommentare meinerseits lesen mußte, die neuerdings seine ‘Klage’ begleiten. Aber das ist natürlich Unsinn, dazu bin ich zu unwichtig. Nein, den wahren Grund erkannte ich gestern beim Rezipieren des Vanity Fair Heftes vom 15. Mai (ich berichtete). Da spreizte sich gleich zu Anfang ein neuer Chefredalkteur im Editorial, gab an wie nichts Gutes, blies sich und das Heft auf – gräßlich. Der Mann hat den Stuhl eines Genies besetzt, also von Ulf Poschardt, ist selbst aber wahrscheinlich ein Nichts. Den Namen habe ich noch nie gehört, das Gesicht nie gesehen, obwohl es das Gesicht eines… weiter lesen
Sie liefen also auf ihrer eigenen Demonstration die Friedrichstraße entlang (Foto). Selten habe ich etwas so Erschütterndes gesehen. Sie waren am Ende, diese Leute, nach einem langen Leben voller Beschimpfungen, Schmähreden (“Bullen!”), Anfeindungen. Man hatte sie nicht gemocht. Man hatte ihre harte Arbeit nie gemocht, nie anerkannt. Frauen hatten sich von ihnen abgewandt, wenn sie von ihrem Beruf erfuhren. Weibliche Polizisten waren noch schlimmer dran. Enttäuscht, desillusioniert, verhärtet, vor der Zeit alt geworden – so schlurften sie die Straße runter. Manchen liefen Tränen über die maskenhaften Gesichter. Sie konnten nicht mehr, sie wollten nicht mehr. Jetzt streikten SIE. Die Gewerkschaft verd.i hatte ihnen Einheitstrillerpfeifen gegeben, die wie Strohhalme aussahen, auf denen pfiffen sie nun lustlos und von der eigenen Peinlichkeit berührt einen lächerlichen Einheitsdauerton. Von ihrer eigenen Einzelgewerkschaft GdP (‘Gewerkschaft der Polizei’) hatten einige schwarze Luftballons mit sich blähenden GdP Initialen. Am Straßenrand standen Bürger und verhöhnten sie schon wieder.… weiter lesen