Das Ende von Rainald Goetz
von lottmannDas Ende von Rainald Goetz’ Abschiedsparty ist noch immer nicht in Sicht. Sie begann ja auch erst um 22 Uhr, zu einer Zeit also, als Holland gerade den Ausgleichstreffer gegen Rußland erzielte. Ich sah das Spiel mit hochrangigen Funktionären der Z.I.A. in einem Kreuzberger Lokal, in Sichtweite zur Goetz-Party. Um 23 Uhr marschierten wir geschlossen rüber und waren die ersten Gäste. Der Hausherr und Blog-Beender begrüßte uns mit Handschlag. Er freute sich über diese ersten Gäste riesig, wie immer bei ersten Gästen, denn vorher denkt man als Gastgeber ja schnell, es käme NIEMAND. Und dann doch diese Gesichter. Ich dankte Goetz förmlich für die Einladung (die es gar nicht gegeben hatte), und stellte ihm meine Begleiter vor, nachdem ich vorher höflich gefragt hatte, ob sie ihm bereits bekannt seien. Goetz meinte, das Gesicht des einen zu kennen – es war Philipp Rühmann – den anderen Herrn aber leider noch gar nicht. Ich sagte:
“Die beiden sind hochrangige Funktionäre der Z.I.A.!”
Rainalds Gesicht riß auf. Ja, davon hatte er gehört! Er wandte sich erst Philipp zu, dann aber viel intensiver Dr. Cornelius Reiber, als dieser nämlich ihm erzählte, in Princeton zu lehren. Die beiden fanden schnell zueinander, und ich wollte mich schon separieren, als der große Schriftsteller sich noch einmal an mich wandte:
“Es ehrt mich, daß Du heute gekommen bist, Lojo.”
Ich erwiderte ohne zu zögern, es sei außerordentlich schade, daß der Blog ‘Klage’ zusammengebrochen sei. Es würde nun etwas fehlen, daß für manche existentiell wichtig und unersetzbar gewesen sei. Goetz antwortete leise, es sei jetzt umso dringlicher, daß ich nicht auch aufgebe.
Ich straffte mich. Eigentlich hatte ich genau das vorgehabt. Aber er hatte recht, mein Blog durfte nun nicht verstummen. Irgendwann, aber nicht jetzt. Ich drückte ihm noch einmal ergriffen die Hand, als Zeichen des Einverständnisses. Ich sah, daß nun andere Gäste kamen, und ging mit Rühmann und Dr. Reiber in den Küchentrakt.
Kaum waren wir aber dort, drängten etwa zwanzigtausend Gäste nach, von der Treppe her, die alle vom Länderspiel kamen, das nun zuende war, nach der dritten Verlängerung. Jetzt ärgerte sich Rainald Goetz vielleicht, daß er uns so leichtfertig die Hand gegeben hatte. Viel wichtigere und bedeutendere Personen kamen, etwa Ulf Poschardt und Rainer Schmidt. Schon nach wenigen Minuten ging der Sauerstoff in den niedrigen Räumen zur Neige. Doch Rainald mußte die angekündigte ‘Textaktion’ abhalten. Er machte das aber sehr charmant, muß man sagen, wirklich EXTREM charmant. Er sprang auf einen wackeligen Tisch und hielt spontan die eine und andere kleine Rede, unterbrochen von Schweigen, Wortesuchen, Ratlosigkeit. Hier sah man doch deutlich die Tradition Karl Valentins, in der Goetz steht, ohne daß es ihm oder den vielen Germanisten je aufgefallen ist. Aber es war wie gesagt wahnsinnig heiß, und der Vortragende mußte noch mehr schwitzen als die nach Luft ringenden Zuhörer. Inzwischen war das gesamte Treppenhaus mit Leuten verstopft. Niemand kam mehr heraus. Goetz sah, daß ich über eine Feuerleiter floh (in Kreuzberger Industriegebäuden des 19. Jahrhunderts gibt es das), und machte es mir später nach. Da es seine Party war, mußte er später wieder rein und weitermachen, während ich nach Hause ging. Gewiß ist es die Party des Jahres.





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Die Szenefernen bedanken sich und gestehen, dass sie sich ein wenig in Bini bzw. ihre eine Gesichtshälfte verliebt haben. Unglücklich natürlich, wie sonst. Gut, dass Rainald Goetz verdeckt ist, während er klagend scherzt oder scherzend klagt, sonst würde man ja Frau Taubert nicht sehen. Und Ariadne von Schirach kannte ich schon – sorry -, germanisch kühl, bisschen ufadivenhaft, naja …
Gruß
jd
küsse
das tier aus der tiefe
das nasse kind
das nichts