Die Münchenerin Eva Maria Klose war eine Woche in Berlin, nicht zuletzt, um den Autor Tilman Rammstedt (33) kennenzulernen, von deren Schreibkrise sie gehört hatte. Es gelang uns tatsächlich, den KiWi-Schriftsteller zu treffen und mit ihm ausgiebig spazieren zu gehen, was angesichts des Drucks, unter dem er zur Zeit steht, sehr entgegenkommend war. Seit Monaten steht er im Kampf mit seinem Romanmanuskript ‘Der Kaiser von China’, das einfach nicht fertig werden will. Inzwischen wird er von seinen Lektoren, seinem Verleger Helge Malchow, seinen Kollegen, seinen Freunden, vor allem aber von seiner Frau unterstützt. Mit zunehmender Bangigkeit verfolgt der ganze Literaturbetrieb diesen gewiß nicht einfachen Kampf. Denn das Problem ist die Zeit: wenn das Buch nicht noch im September in Druck gehen kann, entsteht ein kaum abschätzbarer finanzieller und auch psychologischer Schaden. Das erinnert natürlich in diesen Tagen sofort an die Wall Street und das dringend nötige Rettungspaket, das nicht ZU… weiter lesen
Archive for September, 2008
Gestern nacht um Null Uhr, dem Herbstbeginn, fing auch die Saison wieder an. Ich saß schon vorher in dem verabredeten Café ‘Weltempfänger’ in der Anklamer Straße 27, gleich am Ankonaplatz, weil ich es kaum noch erwarten konnte. Ich war dadurch erstmal der einzige Gast in dieser unterschätzten Bar, die in Berlin Mitte nur dadurch bekannt ist, daß der Mastermind seinen 35. Geburtstag dort einst feierte, in vielen Séparees gleichzeitig. In einem befanden sich damals auch Maxim Biller und ich, und der Champagner floß reichlich. Das war vor fast einem Jahr, also in der letzten Saison.
Ich saß also wie eine bar fly eines Edward Hopper Gemäldes an der langen Theke und blinzelte auf den schwach erleuchteten Ankonaplatz, das dritte Glas Martini Bianco randvoll nachgeschenkt in der leicht zitternden Hand, und sah auf eine Gestalt, die sich hastig, aber auf Krücken, dem Lokal näherte. Es war Marius Meller, der eine… weiter lesen
Manchmal, ganz selten, wenn ich nachts nicht einschlafen kann, oder einschlafe und dann mitten in der Nacht aufwache, denke ich, während die Gedanken auf Reisen gehen, an die vielen, die von mir gegangen sind – zum Beispiel an Marius Meller. Ich hatte ihn sehr gemocht. Fast kommt es mir vor, er stünde jetzt noch im Türrahmen, würfe seinen immer gleichen unattraktiven Parka – so etwas trug man damals, zur Jahrtausendwende – auf den Stuhl und begönne eine Diskussion mit mir über Ernst Jünger und den Nationalsozialismus. Kinder, über SOLCHE Dinge sprachen wir damals! Aber ich habe ihn nie wieder gesehen.
Wie wohl sein Leben weitergegangen war? Hatte er noch lange für den Tagesspiegel geschrieben? Er war ja der große Mann dort. Heimlicher Chef der Feuilletons. Eigentlich der heimliche Chef ALLER Feuilletons der deutschen Hauptstadt. Damals. Sein Name klang wie Cherubin, wie ein Gedicht, eine Verheißung: Ma-ri-us-mel-l-ler… und man ließ… weiter lesen
Inzwischen läuft die künstliche Jens-Jessen-Debatte immer weiter, in der neuen Nummer wird nachgelegt. Allerdings nur in der Absicht, das Thema wieder zu entschärfen, zu verzeitlosen, zuentdifferenzieren. Der letzte Artikel (´Jugend ohne Charakter´II) hätte auch vor 2500 Jahren geschrieben sein können. Das Alter schimpft über die Jugend, aber die Jugend ist besser als ihr Ruf. Da war selbst Frank Schirrmacher mit seinem ´Methusalem Komplott´um Lichtjahre weiter. Er benannte reale, erschütternde, faktische Veränderungen. Wir leben in einem Rentnerstaat, in dem es Jugend gar nicht mehr gibt, nicht mehr als Generation, als gleichstarkes Gegengewicht, höchstens noch als Minderheit; freilich einer ohne Minderheitenkultur. Und die sich jetzt auch noch in der ZEIT rechtfertigen muß: bitte laßt uns am Leben, so schlecht sind wir doch gar nicht…
Da ist die neue SPEX doch ganz was anderes. Das Oktoberheft bringt eine schöne (verkürzte) Doktorarbeit über Rainald Goetz und seinen lebenslangen Kampf des vom-Leibe-Haltens seiner Mitmenschen.… weiter lesen