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Beiträge vom 30. September 2008

30.09.2008

Eva Maria Klose trifft Tilman Rammstedt

von lottmann

Die Münchenerin Eva Maria Klose war eine Woche in Berlin, nicht zuletzt, um den Autor Tilman Rammstedt (33) kennenzulernen, von deren Schreibkrise sie gehört hatte. Es gelang uns tatsächlich, den KiWi-Schriftsteller zu treffen und mit ihm ausgiebig spazieren zu gehen, was angesichts des Drucks, unter dem er zur Zeit steht, sehr entgegenkommend war. Seit Monaten steht er im Kampf mit seinem Romanmanuskript ‘Der Kaiser von China’, das einfach nicht fertig werden will. Inzwischen wird er von seinen Lektoren, seinem Verleger Helge Malchow, seinen Kollegen, seinen Freunden, vor allem aber von seiner Frau unterstützt. Mit zunehmender Bangigkeit verfolgt der ganze Literaturbetrieb diesen gewiß nicht einfachen Kampf. Denn das Problem ist die Zeit: wenn das Buch nicht noch im September in Druck gehen kann, entsteht ein kaum abschätzbarer finanzieller und auch psychologischer Schaden. Das erinnert natürlich in diesen Tagen sofort an die Wall Street und das dringend nötige Rettungspaket, das nicht ZU SPÄT kommen darf.
Auch Eva Klose versuchte zu helfen. Sie fragte Tilman nach dem Stand der Dinge, den Problemen beim Schreiben, der gesundheitlichen Verfassung, dem Binnenverhältnis in Ehe & Familie, dem Stand des Schlafdefizits. Der Autor konnte vor Schwäche meist nur kurze Antworten geben, aber es schälte sich ungefähr folgende aktuelle Lage heraus:
Rammstedt überlebt zur Zeit vor allem durch die Fürsorge und Rücksichtnahme seiner Frau, die ihm alle familiären Pflichten vorübergehend abnimmt. Sein kleiner Sohn ist gesund. Sein Großvater macht sich keine Sorgen, weil er mit einem zum Geburtstag geschenkten Flugticket nach China abgeschoben werden konnte. Seine drei Brüder glauben, Tilman sei mit dem Roman bereits fertig und habe den Großvater nach China begleitet, was natürlich nicht stimmt. Tilmans Eltern leben in Bielefeld und passen auf Tilmans Sachen auf, z.B. frühe Manuskripte (‘Mein Jahr mit der Schleiereule’). Thomas Lindemann von der WELT führt Tilmann einmal die Woche um den Block, um mit ihm in dem Straßencafé ‘JUNE’ ein Mineralwasser zu trinken. Das ist wichtig, um den Anschluß an die Gesellschaft auch in der größten Schreibkrise (das Wort ‘Krise’ trifft den Sachverhalt nur teilweise) nicht gänzlich zu verlieren.
Eva Klose fuhr halbwegs beruhigt zurück nach München. Sie – und mit ihr ganz Deutschland – wartet nun auf den ersten großen Roman des diesjährigen Bachmannpreisträgers. Zwar hat er schon ab 2001 andere Bücher veröffentlicht, darunter sogar eine Art Roman, aber der Literaturbetrieb geht davon aus, daß ‘Der Kaiser von China’ als der eigentliche erste Roman von Timan Rammstedt in die Literaturgeschichte eingehen wird.
Aber nur, wenn er jetzt fertiggestellt werden kann.

Die Münchnerin Eva Maria Klose, 37, auf dem Weg zu Rammstedts Wohnung in der Eberswalder Straße in Berlin Mitte am gestrigen Nachmittag (Fotovergrößerung durch Anklicken des Fotos).