„Wie kann man das Werk Franz Emanuel Geibels vor dem Vergessen bewahren? Sollte er wieder verstärkt Teil des Deutschunterrichtes an den Gymnasien werden?“
Frank Z. Schmidt, Traunstein am Neckar
Diese Ihre Befürchtung ist so alt wie das Werk Geibels selbst, und ebenso unbegründet. Zu allen Zeiten hat man befürchtet, gerade Geibel könne in Vergessenheit geraten, und doch war es, wie heute, besonders und in erster Linie die Jugend, die diesen unterhaltsamen Dramatiker deutscher Zunge stets aufs Neue entdeckt hat. An unseren Gymnasien gibt es nicht wenige Lehrer, die darüber fluchen, daß die Schüler während der Stunden über Christian Kracht und anderen ´angesagten´ Schriftstellern heimlich unter der Bank Emanuel Geibel lesen. So wird es noch sein, wenn keiner mehr Christian Kracht oder Bachmann, Frisch, Handke und Konsorten kennen wird.
„In Ihrem tazblog äußerten Sie sich unlängst im Rahmen einer Reise nach München über eine dort ansässige Freundin. Dabei… weiter lesen
Archive for Dezember, 2008
Thomas Lindemann rief an und teilte mit, Tina Kaiser sei in der Stadt. Ich sagte erst einmal nichts, und er auch nichts mehr. Nach einigen Sekunden kam es mir in den Sinn, daß er mich am anderen Ende vielleicht atmen hörte. Ich mußte also irgendetwas sagen.
“Seit wann weißt Du es?”
“Habe es eben erfahren und Dich gleich angerufen.”
“Von wem weißt Du es?”
“Sie selbst hat mich angerufen!”
“Tina Kaiser?”
“Ja.”
“Wer weiß noch davon?”
“Niemand, schätze ich mal.”
“Gut.”
Wir verabredeten uns im ‘Tomsky’ in der Winsstraße. Dort gingen wir neuerdings hin, weil wir uns seit der Finanzkrise die ‘June Bar’ mit ihren acht-Euro-Getränken nicht mehr leisten konnten. Ich rief Philipp Rühmann an.
“Philipp, weißt Du, wer in der Stadt ist?”
“Nein. Maxim Biller?”
Ich sagte es ihm. Er verursachte irgendein seltsames Geräusch, eine Art… weiter lesen
Man darf ja nie länger als vier Tage der Gast sein. So gesehen war ich schon viel zu lange in München gewesen (Fotos), aber als ich das merkte, war ich bereits zu erschöpft, um zurückfahren zu können. Also mit dem schönen Auto. Ich stellte es daher den Langhans- und Zwillingsfreunden als Tourbus zur Verfügung und ließ mich selbst in den ICE 1703 ‘Klaus Störtebeker’ fallen (Foto), um damit zurück nach Berlin zu kommen. Jutta Winkelmann und Gisela Getty touren seitdem mit dem Lexus durch Ostdeutschland und die Tschechei. Ich dagegen besuchte eine Party Oliver Maria Schmitts in Kreuzberg. Der nämliche leitet seit Unzeiten die Zeitschrift ‘Titanic’. Zusammen mit Gsella und Sonneberg, ebenfalls ehemalige Chefredakteure des Satireblattes, feierte er den 30. Geburtstag der renommierten Zeitschrift. Da durfte ich nicht fehlen. Ich hatte es auch dringend nötig, einfach einmal wieder locker abzulachen (Fotos). Der Abschied von den Münchener Freundinnen war mir nämlich… weiter lesen
„Nun, wie gefällt Ihnen unsere Stadt?“ wurde ich jetzt immer häufiger gefragt, oft mit Hilfsantworten versehen wie „Nicht war, die Bavaria? Die Bayerischen Motorenwerke? Der FC Bayern München?“ Nun war ich aber schon eine ganze Woche in der Landeshauptstadt des einst blühenden Freistaates und hatte noch immer nicht den Sitz des FC Bayern in der Säbener Straße besucht. Das war schon dreist. Zum Glück ergriff Christina Friedmann dann selbst die Initiative und fuhr mich mit ihrem eigenen Auto, einem Volkswagen Move (bayerisch „Muff“), den sie zärtlich ´Lupo´ nannte, da sie als Kind gern Fix & Foxi Hefte las. Das ist natürlich etwas gewöhnungsbedürftig. Andererseits ist es für eine Bayerin sicher netter, ihr Auto Lupo zu nennen, als den fragwürdigen Eingebungen der Wolfsburger Werbestrategen zu folgen.
Wie auch immer, wir fuhren nach Giesing, wo der Präsident und Gründer des Vereins mit seiner Mutter lebte. Dort befand sich natürlich auch das… weiter lesen
Noch immer geben sich in der großen Thomas-Mann-Villa in der Beethovenstraße, in der ich seit gestern wohne (Foto), interessierte Gäste die Klinke in die Hand. Es ist, als wäre außerhalb Schwabings noch mehr los als eben am Hohenzollernplatz, von dem aus ich zuletzt berichtete (beziehungsweise ´bloggte´, wie Broeckers es zu nennen pflegt). Es sind hier wohl die etwas betuchteren Münchnener, die noch nichts von der Finanzkrise mitgekriegt haben, die mich besuchen kommen. Meine charmante Gastgeberin Eva Maria Ribéry, Tochter der Altschwabinger Malergröße Walter Ribéry und Ur-Ur-Cousine Franziska Gräfin von Reventlows, hält alle solange im Salon auf, bis ich ausgeschlafen bin und empfangen kann. Prominentester Besucher war gestern der Lyriker Frank Hartung, ein vermögender Mann, der mit Geldanlagen mehr Glück hat als mit der Kunst. Er ist der einzige mir bekannte Banker, der schon vor Jahren alle Derivate und ´kreativen´ Papiere mit Verachtung strafte. Sein Institut steht heute auch strahlend da,… weiter lesen
Nach wie vor bin ich in der bayerischen Landeshauptstadt, deren Bewohner mich wie Fürst Mischkyn behandeln. Allmählich vergesse ich die politischen und kulturellen Probleme Berlins (‘Stuckrad-Debatte’). In den Zeiten der Grossen Depression sind ohnehin die meisten Themen der vorangegangenen Epoche obsolet geworden. Wer will wirklich noch den ganzen Fernseh- und People Magazine Mist ernst nehmen, wenn er auf der Straße steht und die Wirklichkeit ihn umbläst? Das Thema Weltuntergang (‘Geht jetzt alles den Bach runter?’) wird gerade hier noch munter hin- und herdiskutiert, während man in Berlin schon gar nicht mehr daran denken mag, weil die Lichter überall schon ausgegangen sind. Die Bücher floppen, neue Verträge werden nicht gemacht, Vorschüsse nicht gewährt, der Dispo nicht mehr erhöht, Aufträge nicht mehr erteilt und so weiter. Schon während ich dies hier schreibe, merke ich, daß ich gar nicht mehr dahin zurückwill, nach Berlin. Seht selbst:


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Ja, die Reaktion von Stuckrad-Barre, den ich ab hier wieder Benjamin nennen werde (Nachnamen ohne Zusatz sind immer so lieblos, zum Beispiel: ‘der Lottmann’), diese Reaktion von ihm in Form eines Leserbriefs heute früh, nachzulesen hier im blog, hat mich nach langer Zeit wieder einmal an ihn, an Stucki, denken lassen. Nämlich hier in München, im Kämmerlein im Dach des Hauses Hohenzollernstraße 99, wo ich gerade wohne (siehe Foto… das dritte Haus von links, nicht das gelbe ganz rechts, und dann das mittlere leicht gerundete Fenster im dritten Stock: da sitze ich gerade und schreibe, in DIESEM Moment). Also, ein guter Stilist war er ja nie, das wußte er auch, das war fast sein Geheimnis, und er zog sich gut aus der Affäre. Indem er dem Literarischen auswich wie einer Pfütze. Und so elegant, daß es niemand merkte. Er ging also dorthin, wo die Schriftsteller nicht waren, in den verrotteten… weiter lesen
… nein, nur ein weiterer Bericht darüber, ein alter, im Rahmen der Debatte ‘FAZ blog und Fernsehkritik’. Nach dem großen Echo, das der gestrige Eintrag hervorrief (also der ins Netz gestellte Text ‘Der große Charity Schwindel’ über den Blödsinn von Preisverleihungen, in diesem Fall der ‘Cinema for peace award’), auf vielfachen Wunsch gleich noch ein Beispiel. Bleiben wir gleich beim Wort ‘Echo’. So heißt nämlich auch ein Medienpreis, einer von ca. 365, und er wird jedes Jahr an die Gruppe ‘Tokio Hotel’ vergeben. Ich berichtete darüber in der Süddeutschen Zeitung:
Echo Verleihung in Berlin
VON JOACHIM LOTTMANN
Diese alten Menschen mitten im Terrain der Jugend, diese Perversen, das hat mich immer schon abgestoßen. Diese ewigen Ralph Siegels und Katja Epsteins: brrr! Das war schon vor zehn Jahren, vor zwanzig, vor – ja, wann hat es eigentlich angefangen? Daß solche fetten Hausmeister-Typen wie Grönemeyer in Jugendsendungen auftraten und verlogener charity das… weiter lesen
Jetzt, nach drei Tagen, muß man konstatieren: das ist ja total enttäuschend. Das Beste ist noch immer das Grußwort von Oliver Pocher, ja, das ist genau so, wie der ganze Blog sein könnte und sollte. Pocher sagt es selbst: es geht im Grunde um die Einlösung der Reich-Ranicki Forderung nach einer Fernsehkritik. Die einzige Fernsehkritik in Deutschland ist ja die Schmidt & Pocher Sendung, sowie, im Print Bereich, Stefan Niggemeier. Dessen ‘Bambi’-Bericht ist dann auch das einzig Lesenswerte außer Pochers Grußwort. Aber wie wenig Mühe gibt er sich! Nach zwanzig Zeilen ist schon Schluß. Trotzdem bleiben die zwanzig Zeilen noch lange im Gedächtnis. Er erzählt sehr schön, wie verrottet das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist, das zugunsten der erbärmlichen ‘Bambi’-Burda-Dauerwerbesendung sogar den Brennpunkt zum Terror-Massaker in Bombay ausfallen läßt. Heißt: Elke Heidenreich hatte natürlich vollkommen Recht mit ihrem Aufstand gegen die halbstaatlichen Bonzen.
Da fallen mir aber, bei Elke Heidenreich, noch… weiter lesen
Sechs: Ein wirklich ernsthaftes Buch hat Christian Y. Schmidt über China geschrieben – ich habe es nämlich inzwischen angefangen: “Allein unter 1,3 Milliarden”, Rowohlt Berlin. Dieser ehrenwerte deutsche Intellektuelle hat es tatsächlich auf sich genommen, von Shanghai aus 5.386 Kilometer schnurstracks Richtung Westen durch ganz China zu reisen. Und zwar nicht als Hippie, als Outcast, als früher Lorenz Lorenz (der heutige Vanity Fair Mitarbeiter radelte als junger Mensch einmal durch das Reich Mao Tse Tungs, aus Verzweiflung, um ein Mädchen zu vergessen, die damals 17jährige Svenja Rossa.*), sondern als gesettelter Erwachsener. Schmidt hinterließ Frau, Familie, Freundeskreis, darunter Holm Friebe. Wer so etwas macht, kann nicht auf Originalität aus sein. Der will Wahrheit liefern. Ich weiß nun, was China ist.
Sieben: Ach, Sie wollen wissen, was ich damit meine? Nun, Ypsilon Schmidt guckt sich zum Beispiel den Drei-Schluchten-Damm an und merkt, daß es sich um eine neuartige Landschaft von der… weiter lesen