Interessant an dem Scheitern von Vanity Fair ist der damit erbrachte endgültige Beweis (geahnt hatte man es ja immer schon), daß es keinen kritischen Journalismus ohne wenigstens einen Funken politische Ökonomie geben kann. Kürzer ausgedrückt: Wer nicht zumindest als junger Mensch heimlich ein paar Seiten Marx (Feuerbach, Smith, Keynes, Sombard) gelesen hat, wird auch als Erwachsener die Welt nicht mehr begreifen. Er wird wie ein großes Kind im Dunkeln tappen und flaue Scherze über das Weltgeschehen machen. Alle kritische Haltung wird nur eine behauptete sein, eine Attitüde, in der Praxis nichts anderes als freudloses Meckern. In Österreich findet man diese Haltung besonders auffällig verbreitet. Fast alle dünken sich kritisch, doch so gut wie niemand ist helle. Gestandene SPIEGEL- und sogar die meisten ‘Stern’-Redakteure haben diese Grundausbildung in politischer Ökonomie noch, sie fließt in ihrem Blut, sie ist noch irgendwo im Unterbewußtsein vorhanden und beeinflußt ihre Weltsicht und ihr Schreiben, auch… weiter lesen
Archive for Februar, 2009
Heute vor ziemlich genau einem Jahr erschien in der taz Printausgabe ein Bericht über das baldige Ende des ‘Linksrucks’ und der Wiederkehr der Realität – nämlich in Form einer Wirtschaftskrise. Die damalige Einschätzung wirkt im nachhinein so prophetisch, daß man sie getrost noch einmal lesen kann:
´LINKSRUCK´ – NUR EINE SPIELEREI?
Wenn die Landtagswahlen inklusive dem angenehm hysterischen Wahlkampf (so sollen Wahlkämpfe sein, dafür sind sie da) vorbei sind und das Bollwerk Koch & Hessen-CDU geschleift ist, also jetzt am Sonntag Abend, wird man das heimliche Unwort des Jahres 2007 zum letztenmal hören: der ´Linksruck´ war da. Und von da an wird man statt dem L-Wort, Linksruck, nur noch das R-Wort hören: Rezession. Man wird aufwachen, sich die Augen reiben und nicht glauben, dass unsere Gesellschaft sich solche Luxusthemen, ja Zerstreutheiten einmal leisten konnte. Eine Spitzenkandidatin mit dem Kinderbuchnamen Ypsilanti. Eine Frühsiebziger-Jahre-Type wie Kurt Beck als politischer Nachfolger… weiter lesen
Nun wurde der peruanische Film über eine Frau, die zu sich selbst findet, zwischen 80.000 Toten und vergewaltigten Frauen im peruanischen Bürgerkrieg, mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Alle sind voll des Lobes. Was für eine Geschichte. Bürgerkrieg, der Dschungel Südamerikas, Blut, Waffen, Sperma, böse Männer, mutige Opfer, Frauen die einen Sarg mit der toten Mutter hinter sich herziehen: ‘traumhaft’ schöne Bilder, boah, super, großes Kino. Ich selbst habe den Film leider nicht gesehen, weil ich aus Prinzip nur Filme sehe, in denen ich selber vorkomme. Oder jemand, den ich kenne. Oder jemand, den ich kennen könnte. Oder jemand, der jemanden kennt, den wenigstens meine Freundin gekannt hat oder kennenlernen könnte. Nur kennen wir und diese ganzen Genannten niemanden, der tötet, eine Waffe trägt, mit dieser in anderer Leute Köpfe schießt, Frauen vergewaltigt, verprügelt, demütigt und umbringt, ja nicht einmal eine Nachbarin, die ihre tote Mutter im Sarg hinter sich herzieht.… weiter lesen
Immer gerade dann, wenn man ein Buch beendet hat, fällt einem gleich das nächste ein! So war es bei mir immer. Und nun, da ich ‘DER GELDKOMPLEX’ fertig habe, geht mir so ein Titel durch den Kopf, den ich gern bearbeiten würde, nämlich ‘Die kleine Schwester der Wanderhure’. Ein historischer Roman. Ich weiß noch nicht, in welchem Jahrhundert er spielen soll. Auch ‘Die jüngste Tochter der Wanderhure’ wäre ein reizvoller Titel und eine schöne Aufgabe, erinnert aber leider zu sehr an das schon bestehende Buch ‘Die Tochter der Wanderhure’. Da gäbe es ja fast schon rechtliche Probleme mit dem Titelschutz, und rechtliche Probleme mag Kiepenheuer & Witsch nicht mehr seit dem ‘Esra’-Prozess.
Soweit das. Ansonsten weiter Berlinale & Co, kann man sich ja denken. Nun habe ich auch wieder meine Kamera in Stellung gebracht, sodaß die Bloggerei immer mehr Fahrt aufnimmt. Das erste Bild zeigt Besucher aus Oldenburg in… weiter lesen
Man muß halt nur wieder reinkommen, also in den Berlinaleflow. Zum Glück dauert das Festival ja nicht eine Woche, sondern zwei. Sodaß immer noch sechs Tage und 22 Partys übrig sind, wenn man endlich wieder ein bißchen Gefallen an dem müden Karneval an der Spree gefunden hat. Dann geht es plötzlich wieder, und von Event zu Event wird es leichter. Schließlich ist es eben doch Berlin, und dessen menschliche Art setzt sich durch. Wieviel scheußlicher, erinnert man sich nun, sind doch die Festivals in Cannes, Locarno, Sundance und San Francisco dagegen, oder London! NEW YORK!! Furchtbar. Bei Detlev Buck gestern stand vor der Tür ein Kübel mit Sonnenblumen, zwischen denen fertiggerollte Joints steckten. Jeder Partybesucher griff sich einen, statt der Garderobenmarke. Drinnen dann nur 25 Leute, aber alle nett. Die Neelu, der Mäx, der Denni, Nichte Hase, Detlev Buck, die schöne Inderin, Frank F. Jöricke, der NATO-General, Wim Wenders, die… weiter lesen
Seit einer Woche ist übrigens wieder Berlinale in Deutschland. Die Menschen haben das Feiern diesmal sein gelassen, da es in den Zeiten der Finanzkrise als obszön gilt. Wer Geld vom Staat bekommt, soll es nicht für sinnlose Partys ausgeben: diese neue Verhaltensregel aus den Vorständen der DAX-Konzerne wurde von den Berlinalemachern übernommen.
Gut so! Diese Filmpeople-Feste waren doch immer schon extrem gruselig gewesen. Auch den VIP-Shuttle gibt es nicht mehr, und das künstliche Gekreische vor dem roten Teppich. Noch letztes Jahr hatten ein Dutzend bezahlte ‘Fan’-Darsteller so getan, als seien die üblichen Verdächtigen (Mario Adorf, Senta Berger, Claude Chabrol und Iris Berben) richtige ‘Stars’, und ihre vielen ‘Fans’ verlören buchstäblich den Verstand bei ihrem Anblick. Junge Mädchen bekamen multiple Orgasmen, wenn sie Armin Müller-Stahl sahen (gegen 80 Euro am Tag). Heute dagegen: stummes Geschlurfe Richtung Eingangstür. Das zum ‘Arbeitsfestival’ umdeklarierte Event gibt sich nicht mehr die Mühe, die Leute… weiter lesen






