Archive for März, 2009

31.03.2009 von lottmann
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Die Sinnfrage

von lottmann

Das angekündigte Großereignis beim neuen flagship store von ‚Juliaandben’ fand dann auch wirklich statt und machte alle Beteiligten für eine Nacht glücklich, wie früher donnerstags im ‚Cookies’, zu Uslars seligen Zeiten. Ich stand mit Philipp Rühmann (*) in einer Gruppe Interessierter, denen wir eine Diskussion über vergangene Popkultur und Jugendkultur vorführten. Ich sagte also pflichtschuldigst, Popkultur sei synonym mit Jugendkultur, und mit dem Verschwinden der Popkultur im Laufe dieses Jahrzehnts (infolge des Tods der Musikindustrie) sei ergo auch die Jugendkultur gestorben. Dies bedeute, dass die Jugend kein eigenes Lebensgefühl mehr habe, sondern dasselbe Lebensgefühl wie die Erwachsenen.
Philipp, der das Buch ‚Zombie Nation’, in dem diese These in Romanform ausgeführt wird, sehr wohl kannte, spielte die Umstehenden – es waren auch ältere Leute dabei – den Naiven und warf sich in die Brust:
„Gut gebrüllt, Löwe! Aber kann man es wirklich so sagen? Kann man es wirklich so… weiter lesen

27.03.2009 von lottmann
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fragen Sie Joachim Lottmann

von lottmann

„Wie ist eigentlich Ihr Verhältnis zum literarischen Werk von Rainald Goetz, insbesondere den Dramen und die Lyrik des Autors?“ Christopher Baum, Erkrade bei Bielefeld.
Ich habe mich an dieser Stelle wiederholt zu Person und Werk des nämlichen Autors geäußert. Ich bitte Sie, gerade auch angesichts meines fortgeschrittenen Alters – ich werde am 6. Dezember immerhin 50 Jahre alt – , mir nicht immer wieder dieselben Fragen vorzulegen. Meine bereits gegebenen Antworten, auch und gerade die in Bezug zu Rainald Goetz, können Sie alle online nachlesen. Sie sind außerdem in dem Buch ´Auf der Borderline nachts um halb eins´ bei Kiepenheuer & Witsch in einer schönen Dünndruckauflage erschienen.
„Ist es wahr, daß Sie den großen deutschen Publizisten Diedrich Diederichsen noch persönlich gekannt haben?“ Michaela Pollesch, Am Gehöft 36 in 4300 Bochum.
Auch für diese Frage gilt das soeben Gesagte. Ich muß alle eingehenden Briefe selbst lesen, und mich… weiter lesen

26.03.2009 von lottmann
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Monk

von lottmann

Gestern sah ich zum erstenmal ´Dr. Monk´ im Fernsehen (ich glaube, es heißt so). Ich sehe ja grundsätzlich kein Privatfernsehen, habe die entsprechenden Kanäle gelöscht und mich von allen Frauen getrennt, die diese Sender noch eigenhändig und eigenverantwortlich einschalten. ´Doktor Monk´, oder auch nur ´Monk´ läuft aber im Privatfernsehen, und so war mir diese kriminalistische Kult-Serie jahrelang entgangen. Ich wollte nun aber endlich ins neue Jahrtausend vorstoßen. Friedrich Novottny war gestern der Renner, heute sind es diese Serien. Ich fand ´Monk´ mit Hilfe eines Schmutzblättchens, das umsonst in die Briefkästen geworfen wird und ´Einkauf aktuell´ heißt, mit Fernsehprogramm. Dort stand es prompt unter ´RTL´. Das ist dieser Sender aus Luxemburg, den Frank Elstner einst mit Désiree Nosbusch hochgezogen hat, noch unter Kohl. Heute gehört er sicher den Heuschrecken. Aber noch bevor ´Dr. Monk´ begann, lief eine andere Kult-Serie, nämlich ´Dr. House´. Die Kinder und Hausfrauen sehen wahrscheinlich immer beide zusammen,… weiter lesen

22.03.2009 von lottmann
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kein Frühlingsbeginn

von lottmann

Dieses Wochenende brachte (nur) offiziell den Frühlingsbeginn, nicht wirklich, ganz im Gegenteil (s.a. ‘Das Ende der globalen Erwärmung’, SPIEGEL Nr. 3/2009), stattdessen das Ende der lit.cologne (12. bis 21. März 2009*) und eine Lesung von Tracey Enim in Berlin (‘Strangeland’, Blumenbar Verlag). Auch letztere durfte ich miterleben, samt Künstlerin im VIP-Raum: es war nicht weniger intim als im kölschen kuscheligen Schokoladenmuseum am Rhein, wo ja alle berühmten Leute, ob groß oder klein, zum Anfassen vor einem stehen und sagen:
“Hallo. Ich bin der Frank Schätzing. Ein Kölsch?”
Tracey Enim im alten Spiegelsaal von Klärchens Ballhaus in der Auguststraße war die süßeste Mutti aller Zeiten, mit freundlichen großen Augen, total nett und sympathisch, alle waren hingerissen und schlossen sie ins Herz. Dabei hat sie gar keine Kinder, sondern stellt sich immer selbst aus, meistens nackt, oder ihr Bett, oder ihren Tamponkasten. Ihr Buch war echte Literatur, weil so ungekünstelt… weiter lesen

16.03.2009 von lottmann
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Leipzig verweht, zwei.

von lottmann

DAS war vielleicht eine Freude und Überraschung, als ich Wolfgang Herrndorf, den großen alten Mann der Berliner Jugendliteraturszene, den geistigen Kopf von Mitte überhaupt, plötzlich im Kaffee Passig traf! Später erzählten mir Anwesende, es sei wie das Wiedersehen von Helmut Schmidt und Henry Kissinger gewesen. Minutenlang schüttelten wir uns beide Hände, die schweren Köpfe dabei langsam auf und ab bewegend und liebevoll aufeinander einsprechend. Mit am Tisch saßen Philipp Rühmann (sein Großvater drehte mit den schönsten Frauen Deutschlands, küßte Liselotte Pulver in ‘Doktor med. Hiob Prätorius’), der brave Marek, diverse Jungintellektuelle und die aufregende XXXXX (Name der Red. bekannt).
Die Leipziger Buchmesse (*0001_04_00_09032008_79_0) war gerade zuende gegangen. Leider hatte ich dort nicht viel gesehen. Beim Ball der jungen Talente, der Party der independent Verlage, der Literatur der Jugend und dem open mike for new novelists gab es zwar Anregungen ohne Ende, aber nicht im literarischen Sinn. Ich fuhr… weiter lesen