Es war wirklich ein heißer Tag gewesen, und der gepflegte Herrenspaziergang, der uns auf dem Rückweg vom Spielplatz am Arnswalder Platz in einem weiten Bogen über Friedrichshain wieder zurück nach Hause in die Kastanienallee bringen sollte, strengte uns zusehens an. Vor allem Dr. Reiber spürte nun sein Alter. Erst vor wenigen Wochen hatte er in dem Lokal ´Weltempfänger´ seinen 35. Gegurtstag gefeiert.
„Ich gehe nun auf die 40 zu, und weiß der Himmel, ich merke es!“
„Ach, du bist doch erst gefühlte 32, wenn das Wetter mitspielt und die Knochen nicht vom Rheuma geärgert werden.“
„Ja, wenn´s warm ist wie heute, kann einem wenigstens die Gicht keinen Streich spielen.“
Mit einem Ächzen humpelte er weiter. Dabei hatte er sogar eine Freundin. Die durfte solche Ausfallerscheinungen natürlich gar nicht sehen. Vor ihr spielte er immer noch ´den jungen Mann´, was ich aber gut verstand, denn ich tat… weiter lesen
Archive for Mai, 2009
Wir sind dann, nach den ersten 20 Männern und ebenso vielen Frauen, aufgestanden und die Kastanienallee hochgegangen, bis zur Eberswalder Straße Ecke Schönhauser Allee. Das Wetter war herrlich. Wir bogen in die Danziger Straße ein und gingen diese bis zur Prenzlauer Allee hinunter. Dort nahmen wir uns die Jablonskistraße vor, soziologisch versteht sich. Wir erreichten die Greifswalder Allee, gingen aber direkt weiter über die Holm-Friebe-Straße bis zum Arnswalder Platz. Dort betraten wir den in der Mitte des Platzes angebrachten Kinderspielplatz, wo wir auf die Familien Lindemann, Friebe und Krone trafen, samt Kindern natürlich. Neue deutsche Familien? Natürlich nicht, mochte man sofort rufen. Die Väter sahen ja klasse aus, trugen weder Strampelhosen noch infantilisierende Base Caps mit überlangen Schirmen oder ähnliche Häßlichkeiten. Holm Friebe zum Beispiel trug richtige schwarze Herrenschuhe, selbst im Sand des Spielplatzes, und keine wulstigen, sinnlos bepolsterten Riesenturnschuhe, die ihn tapsig und kindisch hätten wirken lassen wie die… weiter lesen
Es ist natürlich sehr dekadent und niveaulos, über die Unattraktivität bestimmter sozialer Schichten zu reden, was Dr. Reiber, also mein Freund Cornelius, genau wußte. Er hat es dennoch getan, wozu Courage gehörte und wofür ich ihm dankbar bin. Als erstes fiel uns ein junger Mann mit Fahrradhelm auf, das war noch harmlos. Wir saßen einfach im Nola’s und warteten ab, was vorbeilaufen würde. Schon bald kam ein 25jähriger mit Bizeps, Ohrringen und Strampelhosen. Dann eine Gruppe seltsamer Vögel aus England: alle hatten kleine Hütchen auf. Ihre Gesichter waren weißgeschminkt, wie bei Clowns, und so wollten sie wohl auch aussehen. Ihre Kleidungsstücke waren mal viel zu klein, mal zu groß, sodaß manche wie Vogelscheuchen, andere wie zu schnell hochgewachsene Kinder wirkten.
“Ganz schön scheußlich, der Style, nicht wahr?”
“Du sagst es, Reiber!”
“Wie impertinent die Visagen von denen da sind, den Germanen da hinten, guck, mit den roten… weiter lesen
An Himmelfahrt, dem traditionellen Vatertag, haben Cornelius Reiber und ich wieder einmal einen gepflegten Herrenspaziergang unternommen (s. Foto). Wir tun das immer an diesem Tag, und darüber hinaus auch noch an Weihnachten (Zweiter Weihnachtsfeiertag), an meinem Namenstag (6. Oktober) und manchmal, bei schönem Wetter, sogar an Karfreitag. Cornelius ist ja sehr gläubig (er glaubt, wie ich, an die segensreiche Allmacht der Vernunft), und so versäumen wir nie unsere gemeinsamen verabredeten Spaziergangstage, die wir innig und voller Respect füreinander begehen. So auch gestern.
Wir trafen uns an der Ecke Kastanienallee und Schönhauser Allee, wo Dr. Reiber bereits auf mich wartete, neben ein paar häßlichen Burschen stehend. Ich fragte ihn, ob ihm auch schon das Mißverhältnis zwischen häßlichen Männern in Mitte sowie den schönen Frauen aufgefallen sei, das jedes Jahr ärger werde und in diesem Frühling einen neuen entsetzlichen Rekordstand erreicht habe. Oh ja, meinte Reiber, das sei wahr. Wir sahen… weiter lesen
Kürzlich bekam ich Ärger mit der taz Chefredaktion, weil sich eine Bürgerin, die ich in meinem harmlosen Blog einmal kurz erwähnt hatte, über mich beschwert hatte. Was war geschehen? Warum wählte sie diesen unrühmlichen Weg der Denunziation bei meinen Vorgesetzten, auch schlicht ´Petzen´ genannt, anstatt ihre Meinung direkt im gleichen Blog kund zu tun? War mein Bericht über sie vielleicht gar nicht harmlos, meine Meinung ehrabchneidend und falsch? Was hatte ich behauptet? Was war meine inhaltliche Position dabei, welche Politik vertrat ich, und welche Weltanschauung stellte die Bürgerin jetzt dagegen?
Der ganze Fall ist höchst interessant, und zwar, weil er geeignet ist, zwei völlig unterschiedliche Geisteshaltungen zu skizzieren: die der Leute über 35, und die der Generation, die ausschließlich durch das Internet sozialisiert wurde. Die Frau, über die ich berichtet hatte, war ein 24 Jahre altes hübsches Mädchen, gebildet, schlank, höflich, freundlich, ja sogar überdurchschnittlich freundlich. Von ihr konnte… weiter lesen
Der Gedanke der Solidarität war mir immer sehr wichtig in der sogenannten Zweierbeziehung, ohne daß ich ihn je verwirklichen konnte. Ich habe es natürlich nicht so genannt. Gern dozierte ich früher über Lessings Verständnis von dem Wort ‘Mitleid’. Zuletzt war der Begriff ‘Empathie’ recht beliebt, wurde von mir aber nur widerwillig verwendet, also eigentlich nur, weil ich mit dem viel schöneren Terminus MITLEID am Ende überhaupt nicht mehr landen konnte.
Ein schöner Beginn für eine längere Abhandlung, nicht wahr? Nach einer kleinen Pause für die innere Sammlung lege ich los, heute noch. Freu’ Dich drauf!
Also… die großen Idenn… welche Rolle spielen sie in der Liebe? Natürlich die Hauptrolle. Die Idee der Solidarität ist dabei, fand ich immer, die schönste. Einmal hatte ich eine Freundin, der es, als ich sie kennenlernte, schlecht ging. Ich dachte sofort: der geht es wie mir, wir sollten uns zusammentun. Im Folgenden hörte… weiter lesen
Heute hat ja keiner mehr einen Fernsehapparat in der Wohnung stehen. Wer nicht völlig blöd ist, sieht seine Nachrichten oder Filme oder Serien auf dem Apple Laptop. Es mag noch Rentner-Opas geben, die ihre klobige GRUNDIG-Kiste für die widerliche Oliver Geissen Show brauchen, als tägliche Ohrfeige gegen die Menschenwürde. Oder gleich für den Dauerkonsum von ‚Neun live’ wo alle Frauen käuflich sind. Aber der Bürger unter 35 schaltet allenfalls noch ein, wenn, sagen wir, ein Attentat auf die Merkel stattgefunden hat und ein ARD-‚Brennpunkt’ lockt. Oder ein Besuch des Heiligen Vaters im Gelobten Land. So geschehen gestern.
Man zappt durch alle 33 Kanäle, studiert alle Fernsehzeitschriften und –programme. Wo sind die herrlichen Bilder, die man zu recht erwarten konnte? In zahllosen Sondersendungen hätte man doch eigentlich Papst Benedikt XVI Tag und Nacht sehen müssen, wie einst seinen Vorgänger, als dieser das geteilte Deutschland besuchte. Jedoch – es gibt diesmal… weiter lesen
Heute war die große Geburtstagsparty von Dr. Cornelius Reiber (31), Assistent von Joschka Fischer in dessen Amerika-Jahr, wir erinnern uns. Die Party fand in der gemütlich-submondänen Bar “Weltempfänger” am herrlichen Arkonaplatz in Berlin Mitte statt, und alle, alle kamen. Es war eine angenehm entschleunigte Atmosphäre, mit im guten Sinne normalen Menschen, was bedeutete: alle redeten wirklich miteinander, bei jedem Gespräch schien es tatsächlich um etwas zu gehen. Nicht immer drei Sätze Floskeln und dann Themenwechsel und wieder drei Sätze Floskeln, sondern erregtes Argumentieren. Man spürte einfach, daß sich Cornelius’ Freunde alle seit dem Abitur kennen und ihr Geld seitdem mit geistiger Tätigkeit verdienen. Da ist natürlich an erster Stelle Rühmann, Friebe, Lobo und Reiber selbst zu nennen. Wenn man diese vier zusammen reden sieht, weiß man wieder, was Freundschaft eigentlich sein könnte. Gemeint ist HOLM Friebe, nicht Jens, der jedoch mit dem Genannten verwandt ist und gerade in der Zeitung… weiter lesen
Am Abend sind wir dann noch zu Katja Hentschel gegangen, nachdem Jonathan Frentzen am Wannsee geblieben war. Der große amerikanische Schriftsteller, der in der American Academy aus seinem neuen Roman las, liebt diese Anlage noch aus der Zeit, als er dort mit Philipp Rühmann gewohnt und gearbeitet hatte (2006-2007). Damals kam ja auch das Gerücht auf, Berlin sei DIE Stadt für neue amerikanische Schriftsteller.
Jedenfalls rief Philipp an und sagte, der Meister sei beim besten Willen nicht mehr zu bewegen, nach Mitte zu fahren. Da wir des Wetters wegen Depressionen hatten, nahmen wir das Angebot an, ein paar von Uwe Barschel’s TAVOR zu probieren und anschließend noch etwas ‘Erleben gehen’ zu wollen / sollen. Also liefen wir zu Katja, die nur 100 Meter weiter wohnte. Die äußerst energiereiche Frau bestach sofort durch rasche Einführung, zügige Gesprächsmoderation, plärrend laute Tischmusik, die aus fünf-Watt-Lautsprechern eines alten Batterie-Cassettenrecorders kam, und klaren Informationen… weiter lesen
Nota bene waren zuletzt Galerientage in Berlin. Die sind immer am ersten Mai-Wochenende. Es gibt dafür keine Plakatwerbung, kein Geld vom Senat, keine kleinen Berichte im Deutschlandradio Kultur. Einzig die Kunstinteressierten interessieren sich dafür. Und gehen auch hin und sehen sich an, was die besten 30 Galerien der Stadt im Angebot haben.
Heute, um kurz abzulenken mit Gegenwärtigem, treffe ich Holm Friebe nach langer Zeit, um mit ihm und seiner bezaubernden Frau Catrin über den aktuellen Geisteszustand der Berliner Republik zu reden. Morgen am frühen Nachmittag setzt sich das dann fort beziehungsweise fließt ein in Das Gute Gespräch, das ich mit Philipp Rühmann in dem Internetcafé „Oberholz“ bei einer Tasse edlen Kaffees führen werde. Wir beide freuen uns schon sehr darauf. Im Kiki Blofeld haben wir uns schon am Samstag eher zufällig gesehen und uns sogleich, versonnen auf die Bar 25 blickend (in der es zuging wie auf einer… weiter lesen