Archive for Juni, 2009

13.06.2009 von lottmann
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Der Prophet

von lottmann

Beim Stöbern in alten Artikeln in der Alte-Artikel-Kiste auf dem Dachboden in der Geheimwohnung (Bötzowviertel) fand sich folgender politisch prophetische Text aus der ‘taz’ (Printausgabe, natürlich, damals gab es ja noch nichts anderes) vom Februar 2008:
“Wenn die Landtagswahlen inklusive dem angenehm hysterischen Wahlkampf (so sollen Wahlkämpfe sein, dafür sind sie da) vorbei sind und das Bollwerk Koch & Hessen-CDU geschleift ist, also jetzt am Sonntag Abend, wird man das heimliche Unwort des Jahres 2007 zum letztenmal hören: der ´Linksruck´ war da. Und von da an wird man statt dem L-Wort, Linksruck, nur noch das R-Wort hören: Rezession. Man wird aufwachen, sich die Augen reiben und nicht glauben, dass unsere Gesellschaft sich solche Luxusthemen, ja Zerstreutheiten einmal leisten konnte. Eine Spitzenkandidatin mit dem Kinderbuchnamen Ypsilanti. Eine Frühsiebziger-Jahre-Type wie Kurt Beck als politischer Nachfolger von Bebel, Brandt, Schmidt und Wehner. Eine SPD, die sich von ein paar Hundertschaften grauhaariger K-Gruppler… weiter lesen

12.06.2009 von lottmann
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Wer will schon Pechvögel bei sich?

von lottmann

Gestern stand folgendes in der ‘taz’ (Printausgabe):
“Guantanamo: das Wort klingt allmählich so verstaubt wie die Worte ´Pershing II´, ´Abrüstungsmarathon´, oder ´Michael Moore´. Das Thema ist durch. Mausetot. Es ist so abgelutscht, daß man es selbst in den großen seriösen Zeitungen nicht mehr findet, oder nur noch ganz hinten als ungeliebte Meldung, und auch nur, wenn Schäuble mal wieder der Aufnahme von Gefolterten eine donnernde Absage erteilt, wie letzte Woche. Da scheint etwas unendlich kompliziert und langwierig zu sein. Man steckt ja auch nicht drinnen, denkt man, nicht wirklich, in der Materie, oder in der ´Vorzeigehölle´. Die Experten wissen bestimmt, was sie tun. Am guten Willen wird es ja wohl nicht fehlen. Am Ende sind es womöglich doch Terroristen, können wir Zeitungleser das überhaupt wissen? Vielleicht gibt es neue, geheime Foltertechniken (zum Beispiel mikro-elektronische?), die man naturgemäß nicht verrät, bei denen die Aussagen einen Hauch weniger wertlos sind als… weiter lesen

11.06.2009 von lottmann
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“Freundschaft mit Joachim Lottmann!”

von lottmann

Angela Davis war einmal eine Figur, in den 70er Jahren, die war so berühmt wie Paris Hilton heute. Wie diese hatte sie in ihrem Leben weder etwas geleistet, noch etwas verbrochen. Sie wurde eines Tages berühmt, weil die Öffentlichkeit sich ihrer annahm, und zwar wahrscheinlich am Anfang ausgelöst durch FREUNDE. Genau so ergeht es anscheinend zur Zeit mir. Seitdem der Feuilletonchef der FAS sich im Rahmen von ‘Facebook’ zu mir bekannt hat (“Ja, ich möchte der Freund von Joachim Lottmann werden!”), ist einiges in Bewegung geraten. Ich möchte fast sagen: dieser neue Freund Claudius Seidl (Name geändert) hat eine echte Lawine losgetreten.
Schon wenige Tage nach ihm machte es ihm Marek Rudi Dutschke gleich, der Sohn des (fast) gleichnamigen Revolutionärs Rudi Dutschke*. Marek fand es richtig, gerade jetzt, sich zu mir ganz demonstrativ “als Freund” zu bekennen, und das hat mich natürlich schon sehr gefreut, denn ich weiß ja,… weiter lesen

10.06.2009 von lottmann
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Facebook

von lottmann

Es gibt seit einiger Zeit so eine neue Instanz beziehungsweise Organisation, die mit Hilfe wohl neuester technischer und vor allem digitaler Methoden ermittelt, wie viele Freunde man hat, und die den Namen ‘Facebook’ trägt. Davon hört man jetzt immer häufiger. Ich selbst habe vor ungefähr zwölf Monaten davon zum erstenmal gehört, und vor einem halben Jahr dann, noch 2008, hat mich ein Familienangehöriger dort angemeldet, nämlich mein älterer Bruder, der auch in den Printmedien tätig ist (er schreibt, aber nur nebenberuflich). Jedenfalls war ich dann Kunde von ‘Facebook’, wußte aber mein Passwort nicht und verstand die ganze Geschichte auch nicht, also allein schon technisch. Wie wollten die Mitarbeiter von denen herausbekommen, wer mit mir befreundet war? Aber ich glaube, sie schafften das ganz gut, auf lange Sicht. Nach mehreren Monaten kam die Meldung, daß ich KEINE Freunde hätte. Im April 2009 schrieb mir – via ‘Facebook’ – der asiatische Schriftsteller… weiter lesen

09.06.2009 von lottmann
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Glückliche Flummis

von lottmann

Das Beeindruckende dieser Band sind die Bläser, elektronisch verstärkt, präzise, von beruhigender Kraft. Ihr Sound trägt einen in eine andere Zeit, einen anderen, romantischen Zustand. Die Idee von ´Romantik´ war ja schon am Beginn das heimliche Konzept von ´Madness´, schon vor 30 Jahren, und wie jede romantische Bewegung davor speiste sie sich aus der Trauer um das historisch Verlorene, in diesem Fall ertragen mit Hilfe von Klugheit, Humor und ´jetzt-erst-recht´-Lebenslust. Spaß eben.
Maggie Thather hatte gerade die Macht ergriffen, im ´Madness´-Gründungsjahr 1979, und begann die traditionsreiche Industrienation Großbritannien in jene Zockerbude für Spekulanten zu verwandeln, die sie heute ist. Schon damals beklagten das die ´Madness´-Songtexte, und die Musiker flüchteten in jene britische Exzentrik, deren Reste gerade für immer untergingen. Deshalb, durch diesen Blick zurück von Anfang an, wirkt die Band nie peinlich, nie unfrisch, auch nicht am letzten Freitag Abend in Berlin, im Gegenteil. Der Frontmann ruft ins Publikum:… weiter lesen

09.06.2009 von lottmann
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kleine Poetologie

von lottmann

Achtung, Studenten, aufgepaßt! In einem persönlichen Brief an eine mir nahestehende Person erläuterte ich einmal ansatzweise meine Art zu Schreiben. Ich bin nun gebeten worden, Passagen aus diesem Brief öffentlich zu machen. Angeblich würde ich damit dazu beitragen, Mißverständnisse aus früheren Zeiten aufzuklären. Aber gern, bitte schön:
“…meine Texte sind eigentlich mein ganzes Leben lang eine Art bad bank gewesen. Sagen wir: bad bank plus Liebe zum Leser. Die Liebe zum Leser erkläre ich später, jetzt erstmal die bad bank:
Wie alle in Mitte wissen, bin ich (auch) ein leidenschaftlicher Schmeichler („zu Tode loben“). Ich mache gern Komplimente, baue die Leute auf, sage ihnen, was mir alles Gute an ihnen aufgefallen ist. Ich erinnere mich an auffallende Sätze, die sie gesagt haben, lobe das eine oder andere schöne Detail ihres Wesens oder Körpers, ja erkläre sie rundweg zu wahren Schönheiten oder Geistesgrößen oder gar beides. Einer meiner Lieblingssätze… weiter lesen