Immer tiefer geht es hinein ins Innere des Subkontinents. Inzwischen sind Dörfer ohne Licht die Regel. Das sind menschliche Ansammlungen von mehreren tausend Leuten, die schon um 18 Uhr vollkommen im Dunkeln sitzen. Es sind Städte wie von Juan Carlos Onetti erdacht. Die Menschen haben dieselbe Farbe wie ihre Häuser, und die wiederum wie der nasse Schlamm um sie herum. Alles ist braun, alles steht unter Wasser. Überschwemmungen sind ja gut und schön – wer denkt nicht gern an den Sturm ‚Katrina‘ und die damit verbundenen Abenteuer in New Orleans – aber hier stehen die Dinge und Lebewesen gleich bis zum Hals in der dunklen Soße. Manchmal sieht man den Kopf einer lebendigen Ziege aus dem Wasser ragen. Dann wieder badet ein Mensch mitten in der Nacht im ewigen See. Überhaupt scheint der ganze Bundesstaat ein einziges New Orleans von 2007 zu sein. Die Menschen können nur auf schmalen Stegen… weiter lesen
Archive for September, 2009
Natürlich weiß jeder literarisch Gebildete im fernen Deutschland, daß Günter Grass seine prägendsten Erlebnisse seit dem Zweiten Weltkrieg in Kalkutta hatte, das er in den späten 70er und frühen 80er Jahren bereiste. Er war schockiert über das, was er sah, und er prangerte den satten westdeutschen Kulturbetrieb an, sich zu wenig um die Hungernden, Ausgestoßenen und Entrechteten in der Dritten Welt zu kümmern. Er hielt es ziemlich lange in der Stadt aus, was beweist, daß er Nerven aus Stahl besitzen muß.
Was machte er wohl, wenn er von diesen hungernden Massen bedrängt wurde? Man kann sie ja nicht wegschubsen. Man darf auch nicht auf sie reagieren, ja nicht einmal in ihre Richtung gucken. Sie sind auch nicht devot oder untertänig bittend, sondern schlechtgelaunt und – verständlicherweise – hochaggressiv. Und es sind unzählbar viele, wie im schlechten Horrorfilm.
Es gibt nun auch wirklich keinen Grund, diese Stadt zu besuchen.… weiter lesen
Kalkutta ist eine niederschmetternde Stadt, vor allem, wenn man auch noch einen Trauerfall zu beklagen hat. Von den 16,8 Millionen Menschen (ohne Vororte) leben bestimmt 10 Millionen ohne einem Dach unter dem Kopf (sondern unter einer Plastikplane). Waehrend der Monsumstuerme, und die sind jetzt, sind diese Leute von morgens bis abends pitschnass. Wenn die Eltern morgens aufwachen, muessen sie nachschauen, ob ihnen nicht ein Kind oder mehrere weggeschwemmt worden sind…





Indien das Land der Gegensätze, heute: Das ‘grenzenlose Elend’ zweiter Teil. Das erste Bild zeigt ein Haus in Indien in den Zeiten des Monsuns. Auch die (nicht indische) Gruppe Tokio Hotel hat darüber schon einen Song verfaßt. Auf dem zweiten Bild sind indische Arbeiter der 1947 verstaatlichten National Oil Company zu sehen. Bild drei: Eine Frau muß unter unvorstellbaren Bedingungen ihre Arbeit verrichten. Bild vier: Der Fortschritt scheint kaum voranzukommen, nimmt man diese reichlich abgenutzte Dampfwalze als Maßstab. Sie steht nur unweit unseres Hotels entfernt, und bisher habe ich sie noch kein einziges Mal in Aktion gesehen. Fünftes und letztes Bild: Dafür gibt es jetzt Computer in Indien! In dem berühmten Compterland kann man sie jetzt auch in normalen Elektrogeschäften kaufen, wenn man zu einer der oberen Kasten gehört.





Zum Bild von Indien gehört neben der unbeschreiblichen Schönheit auch das grenzenlose Elend. Es sind die Gegensätze, die das Faszinosum dieses herrlichen Landes ausmachen. Wer sich bemüht, ohne falsche Ironie auf den indischen Subkontinent zu blicken, wird an folgenden Fotographien nicht vorbeikommen, die in den letzten Tagen entstanden. Heute und morgen soll das ‘Grenzenlose Elend’ gezeigt werden, danach in einer mehrtägigen ästhetischen Sequenz ‘Die unbeschreibliche Schönheit’.

Raben sind die Spatzen in Indien. Überall sind sie zu finden.

Hier lebt ein Mensch!

Dieses Bild hat den Titel ‘Mann im Bus’.

Für Hunde ist das Überleben auch nicht leichter als für ‘die Unberührbaren’.

Straßenarbeiter auf dem Weg zur Arbeit.

Dieser noch fast neue Dreirad-LKW wirkt wie ein Lichtblick im grenzenlosen Elend. Als würde er eines Tages den Dreck aufnehmen und wegfahren…




