Archive for Februar, 2010

28.02.2010 von lottmann
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Digitale und analoge Bohème / Über Frank Schirrmacher und die Getty Zwillinge

von lottmann

Frank Schirrmachers Anti-Internet-Buch ‚Payback‘ sinkt in der SPIEGEL Bestsellerliste wieder ganz langsam nach unten, hinterläßt aber einen fatalen neuen Zustand: wer jetzt noch etwas gegen das Internet sagt, gilt als Fortschrittsfeind. Als ein Parteigänger Schirrmachers eben. Als FAZ-Leser. Als einer, der schon die Dampflokomotiven verteufelt hätte, wäre er bei ihrer Erfindung dabei gewesen. So geht der Dreiklang: Gegenwartsbeschreibung gleich Gegenwartskritik gleich Fortschrittskritik – was bekanntlich das Letzte ist. Daß selbst Schirrmacher die neue Lebenswelt nur beschrieb, löst nur noch höhnische Lacher aus. Der Mann hat einfach fertig.
Wer sich heute auch nur über Facebook humorvoll ausläßt, kann sich wütender Reaktionen und des Vorwurfs, einer wohl verlogen-seligen Vergangenheit hinterherzuträumen, sicher sein. Mir ging es so, als ich am Sonntag Freunde wiedertraf. Noch vor zwei Jahren hatten wir uns jeden Sonntag Mittag getroffen. Aber zwei Jahre sind in der digitalen Entwicklung so lang wie zwei Jahrzehnte. Inzwischen verkehrt man nur noch… weiter lesen

10.02.2010 von lottmann
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An den Galgen mit Oberst Klein!

von lottmann

Heute wird Oberst Klein erstmals vor dem Untersuchungsausschuß des Bundestages vernommen. Dazu zur Erinnerung noch einmal der Kommentar in der taz am 16. Januar 2010:
Letztens bei ‚Beckmann‘ war unser junger Verteidigungsminister zum erstenmal überzeugend. Also für mich. Schnell hat er sogar aus der SPIEGEL-Schelte gelernt (Titelgeschichte ‚Der Entzauberte‘). Er war nicht mehr eitel, kokettierte nicht mehr mit seinem Image, nahm auch keine Rücksichten mehr auf das rechte Lager. Es war, als sei er seiner selbst überdrüssig geworden (‚Der Baron aus Bayern‘), als interessierte ihn nur noch eins: die Sache. Und da geht es ihm wie allen. Denn die Sache – das erste Massaker in deutschem Namen seit 1945 – entpuppt sich immer mehr als tolles Stück. Verständlich, daß ihm der Kragen platzte, als ihm Schneiderhahn so peu à peu davon berichtete (nachdem er ihm viel zu lange nicht davon berichtete). Und daß er ihn samt Komplizen binnen Minuten… weiter lesen

09.02.2010 von lottmann
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Danksagung

von lottmann

Begrüßungsrede anläßlich der Buchpräsentation von ‚Der Geldkomplex‘ im Münzsalon in Berlin Mitte gestern abend:
„Liebe Freunde und Gäste, mein Name ist Joachim Lottmann, ich bin der Autor des Romans ‚Der Geldkomplex‘, der heute der deutschsprachigen Öffentlichkeit präsentiert wird. Dies ist erst jetzt möglich, da ich bis kurz vor Weihnachten letzten Jahres in Indien war, davon die meiste Zeit in einem hermetisch abgeriegelten Ashram, und der Verlag Kiepenheuer & Witsch nicht wußte, wie er mich erreichen sollte, um einen Präsentationstermin mit mir abzusprechen, ja, ob er mich überhaupt noch jemals erreichen würde, physisch und/oder psychisch. Ich habe die diversen Foltermethoden im Ashram dann aber doch ohne erkennbaren geistigen Schaden überlebt, etwa so wie der amerikanische Bomberpilot und spätere Präsidentschaftskandidat John McCain die Gefangenschaft in einem Lager des Vietcong. McCain bekam dafür später einen hohen Orden, während ich von meinem Verlag Kiepenheuer & Witsch diese kleine heutige Ehrung bekomme, oder sogar… weiter lesen

08.02.2010 von lottmann
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Heute Geldkomplex Party

von lottmann


So sehen sie also aus, die Leute, die heute zur Geldkomplex Buchpräsentation in den Münzsalon Münzstraße 23 in Berlin Mitte kommen, eben wie diese Jungschauspielerin vom Berliner Ensemble (Foto). Dabei ist der Münzsalon mitten im Einzugsgebiet der feindlichen Volksbühne, die ja nur einen Steinwurf entfernt ist. Peter Glaser mußte leider krankheitsbedingt absagen und wird von Helene Hegemann ersetzt (Foto unten).

04.02.2010 von lottmann
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Oberst Klein und der aktuelle SPIEGEL

von lottmann

Der bemerkenswerte Bericht im aktuellen SPIEGEL ist, nach langer, viel zu langer Zeit, endlich einmal wieder ein Glanzstück des Journalismus, ein perfekter Text, eine einzige Freude. Man erfährt alles, und man erfährt es im allerbesten Deutsch, wie von einem Schriftsteller geschrieben und dennoch vollkommen neutral.
Heißt: Anhand dieses Textes müßte die einzig interessante Frage zu beantworten sein, die es zu dem Luftschlag gibt. Nämlich: Warum tat Oberst Klein das? Wir wissen, daß er ein umsichtiger, verantwortungsvoller, ängstlicher und warmherziger Mensch ist, seit einer Ewigkeit im Dienst, immer defensiv, nie in Kampfhandlungen verwickelt. ER kann das Motiv nicht liefern. Wir wissen nun auch, daß noch zwei andere Leute am Schießbefehl beteiligt waren, zwei Militärs, die in den fraglichen Stunden neben Klein im Bunker standen. Von ihnen, oder einem von ihnen, muß die kriminelle Energie ausgegangen sein. Von Klein nicht, und deswegen hat zu Guttenberg auch diesen fast schon hysterischen Satz… weiter lesen

03.02.2010 von lottmann
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Wenn erst der erste Anschlag kommt

von lottmann

Der Fehlalarm am Münchener Flughafen war doch eigentlich eine peinliche Sache, könnte man denken, und die Behörden sollten sie schnell vergessen. Falsch! Gerade hat das Bayerische Landeskabinett umfangreiche Verschärfungen der Sicherheitsmaßnahmen beschlossen, als Konsequenz aus dem „ernsten Vorfall“. Das heißt, daß inzwischen sogar ein kompletter Irrtum der Security Leute dieselbe Wirkung entfacht wie in anderen Ländern ein echter Anschlag. In gewisser Weise ist das auch nötig, denn, auch wenn man es nicht glauben mag: einen echten Anschlag hat es in Deutschland in den jetzigen Grenzen noch nie gegeben.
Man reibt sich die Augen. Regierung auf Regierung hat sich gebärdet, als seinen wir mitten im Bürgerkrieg. Ein Sicherheitspaket jagte das nächste. Die Überwachung und Ausspähung der eigenen Bevölkerung wurde auf das totalitäre Maximum getrieben, umfassender als in George Orwells schmerzlichsten Phantasien. Auch das harmloseste Gute-Nacht-schlafgutmeinSchatz-Gespräch wird heute aufgezeichnet, jedes. Wenn sich im Flugzeug irgendwo in Afrika ein Idiot im Klo… weiter lesen