Archive for Juni, 2010

28.06.2010 von lottmann
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für Pola: Thomas Kapielski am 18. Februar 1998

von lottmann

In der Kneipe liegt die Wahrheit! Thomas Kapielski, der ´Dichter mit Volksanschluß´, überdröhnt mit voller, schöner Männerstimme das aus einer Ecke heransäuselnde “There´s no rain in California”, James-Last-Fassung. “Neulich war ick in so ´nem Laden mit Kosovo-Albanern, war ja neugierig, wollte mir det ma ankucken. Aber mein lieber Mann! Da kommt was auf uns zu…” Eine Sekunde lang starrt er auf den dicken Zigarrenbrandfleck in der künstlichen Häkeldecke aus Plastik, fixiert die daraufstehende vergammelt-dreckige Haushaltskerze, die nie angezündet wurde. In der relativen Stille hört man das Schwadronieren an anderen Tischen zu ähnlichen Themen. “Jetzt reden se drüber, dasse die Messer und andere Waffen in die Schulen verbieten wollen. Mensch! Das gab´s doch nie! Waffen! Die sollen se AUSPEITSCHEN, die Bengels…” Thomas Kapielski, 46, den sie hier nur Kapielski nennen, ist seit 20 Jahren Vorzeige-Anarchist der Berliner Literaturszene, ´begnadeter´ Dadaist und Surrealist, Autor der Romane ´Aqua Botulus´ und vor allem ´Der… weiter lesen

24.06.2010 von lottmann
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Danksagung

von lottmann

Meine Rede anläßlich der Entgegennahme des renommierten Wolfgang Koeppen Literaturpreises in Greifswald am gestrigen Mittwoch hatte gefährliche Überlänge. Die vorgeschriebenen 20 Minuten reichten mir natürlich nicht. Über eine Stunde lang kämpfte ich mit dem Publikum um meine poetologische Sicht der Dinge, also um die literaturwissenschaftliche Deutung des Werkes von Koeppen. Dabei – so die offizielle Vorgabe – mußte ich auch auf mein eigenes Ouevre und das von Sibylle Berg eingehen, was ich nur zu gern und mehr als ausgiebig tat. Erwartet hatten die real existierenden Zuhörer sicher etwas anderes: nämlich die übliche Hollywood-Dankesrede voller Emotion und innerer Bewegung. Ich hätte gerührt sein müssen, lachen, weinen, meiner Mutter danken, die immer an mich geglaubt hatte, meinem Vater, der nun im Rollstuhl am Fernseher den historischen Moment… und so weiter. Dazu kam ich nun nicht. Und das war natürlich der wahre Dank, den ich den armen Greifswaldern abstattete, und sie verstanden es… weiter lesen