Joachim Lottmann ist einer der wenigen lebenden deutschen
Schriftsteller, außer Agotha Kristof, die ist Ungarin, und Elfriede Jelinek, die hat schon, den ich lesen kann, ohne dabei vor Arger in meine Handknochen zubeißen, oder umgehend einzuschlafen, weshalb ich der Meinung bin, dass er mehr als würdig ist, den Koeppen Preis zu
erhalten, und zwar heute.
Ein kurzes Beispiel, anhand dessen sie verstehen werde was ich meine,
aus seinem letzten Buch: der Geldkomplex:
„Ich war wie gelähmt. Am Nebentisch saß ein deutsches Touristenpaar, beide Mitte 60 und weißhaarig. Der Mann, quallig, dickbäuchig, Kurt-Beck-Bart, Dreiviertelhosen, Turnschuhe, 4000-Euro-Digital-Spiegelreflexkamera, griente seine Ehefrau die ganze Zeit verliebt an.
Offenbar hatten die beiden Junggebliebenen Eheleute gerade eine
Liebesnacht hinter sich. Auch die Frau griente immer verliebt zu ihm.
Sie hatte kurze weiße Haare und sah ansonsten einfach nur indiskutabel aus. Fett, aus dem Leim geraten, Krampfadern, ein Tatto… weiter lesen
Archive for August, 2010
05.08.2010 von lottmann