Ich wählte Maxim Billers Nummer. Als er meine Stimme erkannte, wurde er sofort schlecht gelaunt. Er hatte gerade einen ziemlichen Hass auf mich, eine Stinkwut sozusagen, und deswegen rief ich an. Ich wollte mich entschuldigen, so machte man das inzwischen in Deutschland, und zwar grundsätzlich und flächendeckend. Ich hatte auf einen kleinen Zettel sogar die Worte aufgeschrieben, die Guttenberg kürzlich in ähnlicher Lage gebraucht hatte. Wir lebten schließlich in der Entschuldigungsgesellschaft.
Maxim hatte in der Wochenzeitung Die Zeit geschrieben, er hasse mich, weil ich in einer launigen Buchpräsentationsrede kolportiert hatte, er und ich hätten als Kinder vor den Stufen der Hamburger Kammerspiele gespielt und manchmal mit Ida Ehre Tee getrunken. Das stimmte zwar nicht, war aber semantisch richtig. Wenn es ein Wort hätte geben sollen, das die kleine Schnittmenge zwischen seiner und meiner Familiengeschichte semantisch auf den Punkt brachte, sozusagen verdichtete, und wir waren ja Dichter, so wäre es… weiter lesen
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31.03.2011 von lottmann