Er spricht immer nur von Gott, und trotzdem, zwischen den Zeilen, unsichtbar, heimtückisch, fällt ununterbrochen der ganze Kapitalismus in sich zusammen, ohne Ton, wie die Türme des WTC. Der Leser will bei jedem Satz immer nur „Ja, ja, ja! So ist es!“ rufen, so durchschlagend und überfällig sind Matusseks Impressionen über die Welt ohne Sinn. Ich bin erst auf Seite 23, das Buch kam erst heute in Österreich in die Buchhandlungen, und so will ich jetzt lieber weiterlesen als weiterschreiben… Eines ist mir aber jetzt schon, nach 22 Seiten klargeworden, nämlich das Wesen des Autors. Ich hatte mir das ohne diesen Hintergrund des Glaubens all die Jahre nicht erklären können. Warum gab er mir immer Geld, wenn ich in Not war? Ungefragt, ja eigentlich ohne das Wissen über meine Lage? Warum log er mich nie an, hielt nichts zurück, versteckte nie seine Gedanken? Warum hielt er immer Wort, wenn er… weiter lesen
Archive for Mai, 2011
DER STANDARD Autor Tex Rubinowitz läuft mit seinem Freund aus Deutschland während der legendären Eurovision Song Contest Tage durch Aserbaidschan:
Darf nicht das gedacht werden, was gedacht werden kann? Wohnt nicht jeder schwachsinnigen Idee zuallererst eine unschuldige Idee inne, später erst erweist sich, ob sie brauchbar gewesen ist. Das Rad war eine gute Idee, Teebeutel, Windeln, Internet, auch das Bier, das Brot natürlich und der Reis.
Der Eurovisions Song Contest ebenso. Vor allem für all jene, die sich über ihn ereifern, ihn verachten, sich aufplustern wie ein Truthahn, die Musik des Contests sei minderwertig gegen vermeintlich wertvolle wie Arcade Fire (letztlich Fußballfangegröle), Bob Dylan (Schmuseballaden) und Eward Grieg (Fahrstuhlmusik). Und das beste Argument unserer Freunde, der Hüter der wahren Werte, ist, die Song-Contest-Songs wären “da draußen” gar nicht überlebensfähig. Hat das denn irgendwer verlangt? “Da draußen” verkauft sich Österreichs Nachwuchshoffnung Ja Panik ja auch nicht. Der Song Contest ist… weiter lesen
Nun sind wir alle wieder zurück in Wien, auch Tex, der ja einen ganz anständigen Song abgeliefert hat, wie er heute sagte. Ich finde zwar nicht, daß es ein Song ist, eher ein Endlos-Refrain, aber was soll’s. Die anderen ‘Lieder’ haben ja in den allermeisten Fällen noch nicht einmal eine Melodie (!) gehabt.
Ich bin übrigens gern bereit, ein paar kleine Rückzieher zu machen. Zum einen: Es hat in der Eurovisionsgeschichte DOCH einmal einen echten Charthit gegeben. Er war von France Gall, Mitte der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Den Titel weiß ich nicht mehr.
Zum zweiten: Ich war dann eben DOCH länger in Aserbaidschan als zugegeben. Die Leute da waren ganz anders als erwartet, netter, deutschfreundlicher, offener. Das Land stand ja früher unter deutscher Besatzung, da sind wohl noch viele Erinnerungen wach. Ich weiß zwar nicht, wie die deutschen Behörden gearbeitet haben, vor allem wie sie die… weiter lesen
Vor einigen Wochen, also Mitte April, lud mich der Frontmann und Gründer der Klezmer Band ‘Moise’ Tex Rubinowitz zu einer Reise nach Baku, Aserbaidschan ein. Er müsse dort die Teilnahme des kleinen Landes an dem sogenannten European Song Contest organisieren. Ich konnte nicht glauben, daß das stimmte. Lag dieses fernasiatische Gebiet überhaupt in Europa? Gehörte es nicht eher zur Sowjetunion? Oder zu Burma, Miramar, Ossetien, Transkaukasien? Selbst Karl May wären bei dieser Entfernung die Phantasien ausgegangen. Bei der Einladung von Tex stimmte anscheinend ALLES nicht, oder vieles, oder… einmal der Reihe nach:
Daß dieses Land den Eurovision Song Contest gewonnen hat, heute früh um 0.43 Uhr Ortszeit, ist klar. Auch, daß Tex Rubinowitz tatsächlich vorher nach Baku geflogen ist und dort noch immer feiert. Auch, daß es diese Band von ihm gibt. Wahr ist auch, daß er mir das alles vorher prophezeiht hatte, nämlich mit folgender Nachricht auf Facebook:
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Wir alle haben es gelesen oder sogar im Fernsehen mitverfolgt: die Blamage des SPIEGEL Redakteurs bei der Verleihnung des Henri Nannen Preises Anfang der Woche. Er hatte eine Reportage mit dem Titel ‘Im Stellwerk’ geschrieben und dafür den ersten Preis für mutigen Journalismus gewonnen. Diese Reportage hatte ich selbst gern gemocht, damals, als sie erschien. Sie handelte von der geheimen Modelleisenbahn im Keller eines bayerischen Top-Politikers. Wie der nun prämierte Journalist das beschreibt, war wunderbar (und ich gebe zu: so gut hätte ich auch einmal schreiben können mögen): Da steht der Politiker, ein echtes Schwergewicht, am Stellpult seiner Anlage und läßt die Züge fahren, läßt sie umleiten, greift in die Fahrpläne ein, dirigiert gleichermaßen Dampflokomotiven, den Rheingold Express, modernste ICE Züge mit Neigetechnik. Auf den beleuchteten Bahnhöfen ertönen Anweisungen aus kleinen Lautsprechern. Im Güterverkehrbereich werden Mini-Container transportiert. Die achtachsigen Loks aus der Zwischenkriegszeit stoßen echten Wasserdampf aus und stehlen damit… weiter lesen
Gestern sah ich mit Ela Angerer und Polly Adler im Akademietheater die Premiere von Tschechows Platonov, ein selten gespieltes Stück. Martin Wuttke selbst gab den Platonow, allerdings unbeschreiblich schlecht. Das Wiener Publikum verließ zur Pause in Scharen die fünfstündige Veanstaltung. Klaus-Maria Brandauer, Helmut Lohner und Tex Rubinowitz harrten aus. Alle Schauspieler redeten in Zimmerlautstärke, also nicht in (vermeintlich ‘künstlicher’) Theaterlautstärke – das war der Trick. Alle Zuschauer fühlten sich somit wie Voyeure, die zufällig Wortfetzen einer Paty im unteren Geschoß aufschnappen. Sehr authentisch, aber vollkommen spannungslos. Und Wuttke eben einfach ein Desaster. Der Mann hatte ohnehin noch NIEMALS Charisma in einer Rolle zeigen können, doch jetzt, in fünf langen Stunden: die Hölle. Ein über den ganzen Abend als Besoffski torkelnder lallender Endlosdepp…
Zudem war die Boschaft der Inszenierung wieder nur die übliche sexistische. Das Leben ist nur Geld und Sex. Beides in der jeweils vulgärsten Form. Falsch! Tschechow hatte… weiter lesen
Dieses hübsche blonde Mädchen mit den extralangen XXXL-Beinen hat bei der lange angekündigten MODERNE NERVEN Veranstaltung am Wochenende die halbe Gallery Week Publikumsmasse ins Berliner Cafe Moskau gelockt: Caroline Wolf, 23, die neue Lena Meyer-Landrut der Literaturszene. Auf besonderen Wunsch vieler Anwesenden sei an dieser Stelle ein Foto von der Autorin gepostet, aufgenommen nach durchzechter Nacht (und somit unmittelbar nachdem Blondie den letzten After-Partygast unter den Tisch getrunken hatte):

Inzwischen wurde Bin Laden erschossen, Matthias Matussek hat das ‘Abenteuer Katholizismus’ höchst erfolgreich in die Welt gesetzt, und überhaupt hat sich dieselbe entscheidend weitergedreht. Wer sich an die schöne Nacht noch einmal erinnern möchte, kann ja das Buch kaufen: ‘Brennstoff’, Herausgegeben von Ela Angerer, Czernin Verlag.