‘Brüning’ ist ein Wort, das Westdeutsche schon mit der Muttermilch mitbekommen. Jedes Kind weiß bei uns, daß Brüning unseren verschuldeten Staat erst kaputtsparte und dann Hitler überließ. Etwas genauer: von 1929 bis 1932 dauerte die Roßkur (dieselbe, die unsere geschichtsvergessene Ossi-Kanzlerin den Griechen aufzwingt), danach stand kein Stein mehr auf dem anderen, die Schulden waren natürlich immer noch da, und das Vaterland hatte keine Wahl mehr: Hitler mußte her, mit dem Kärcher, wie Sarkozy sagen würde.
Dies alles wissen wir. Wir wußten es schon vor Jahresfrist, als die Krise ausbrach. Kluge Leute haben es auch gesagt, in Talkshows zum Beispiel. Aber es ist schon wahnsinnig, wie solche Stimmen binnen Sekundenbruchteilen von Anne Will und so weiter runtergebügelt wurden. Der Mainstream Diskurs, der jetzt endlich abebbt, war ein anderer: die Pleite-Griechen müssen sparen, sparen, sparen! Dürfen wir ihnen Geld geben? Kriegen wir es zurück? Alles drehte sich ums Geld, nichts… weiter lesen
Archive for Juni, 2011
Vorgestern, am Tag nach Pfingsten, war beim SPIEGEL Matussek-Tag, berichtet Hans Leyendecker in der Süddeutschen Zeitung. Der wohl prominenteste SPIEGEL-Autor Matussek hatte in einem Radio-Interview für einen unbekannten regionalen Kirchensender bestätigt, daß seine Zeitung seit 1947 das offizielle antikirchliche Kampfblatt in Deutschland ist. Ganz gewollt und voller Stolz hat Rudolf Augstein dies ein halbes Jahrhundert lang betrieben. Fast könnte man sagen, dieser Antiklerikalismus sei der innerste Kern der SPIEGEL-Identität gewesen, etwa wie das Wort ‘Castor Transport’ für die grüne Bewegung. ‘Sturmgeschütz der Demokratie’ war die üblichere Selbstbezeichnung des SPIEGEL, aber gemeint war damit nur allzu oft ein lustvolles Dauerschießen gegen die christliche Religion und deren Kirchen, besser gesagt: nur die katholische. So war es, so sollte es sein, so liebten es die Leser. Nun aber, da Matussek diesen Umstand beiläufig noch einmal erwähnt – im Rahmen der Präsentation seines Bestsellers ‘Das katholische Abenteuer’ – bricht plötzlich ein Sturm der Empörung… weiter lesen
Dies ist der Führerbalkon (Foto). So heißt diese Empore wirklich. Ganz offiziell. Wegen März ’38 und so. Es gibt sogar einen Führeraufzug, der auch so genannt wird, also ganz normal und arglos Führeraufzug (damit fuhr der Führer vom Erdgeschoß nach oben bis zum Balkon). Im Innern dieses Aufzugs ist heute noch eine kleine, aber gut sichtbare Messingtafel angebracht, die zu fotographieren ich mich nicht traute, leider, während einer unerlaubten privaten Besichtigung, und auf der steht: “Die Benutzung des Aufzugs ohne den Führer ist ausdrücklich nicht gestattet.” Dadurch wollte man damals vielleicht der Vorbereitung weiterer Attentaten auf Hitler vorbeugen. Gebildete Leute werden erkannt haben, daß es sich um das Gebäude vor dem Heldenplatz handelt, in Wien. Ich finde es natürlich unfaßbar, daß der Balkon immer noch so heißt, und der Aufzug, 66 Jahre nach den Untaten des NS-Staates. Ich spreche mich dagegen aus. Ich befinde mich nämlich im Widerstand gegen den… weiter lesen