Unterwäsche

Heute nahm ich mir die Geschäfte für Dessous vor, nachdem ich für die einzige echte Tageszeitung mit Niveau hier in Wien über die allgemeine und zunehmende Pornographisierung des Landes zu schreiben hatte (die Ausgabe erscheint morgen, aber schon jetzt am späten Abend sieht man die Nachtbummler Wiens diesen Artikel gierig verschlingen). Also, die Lingerie. So heißt die Branche neuerdings. Victoria’s Secret hat den neuen terminus technicus durchgesetzt. Ich gehe den Graben entlang, diese Straße in der Innenstadt, und sehe überall dieses ebenfalls neue und häßliche Wort SALE. Spricht man wohl ‘sejl’ aus. Selbst die normalen Läden mit diesem SALE Schild arbeiten mit Nacktpuppen. Früher wäre das schlicht unerhört gewesen. HUMANIC, Triumph, BIPA, Palmers, überall Nacktmodelle, auch auf Fotos. Die tragen zum Teil Strumpfbänder wie vor hundert Jahren im Bordell. Rüschen, kleine Diamanten auf der Unterhose, im Schritt, auf den Körbchen genau in der Mitte. Die Schaufensterpüppchen knochig, kindhaft, trotzdem busenbetont. Draußen laufen die Frauen vorbei, lustig-vergnügt-kreischend die jungen, nicht viel anders die alten. Seltsame Bevölkerung. Auf einem zwanzig Meter langen Bauzaun sind Schweiß-Weiß-Fotos einer aufreizenden Carla Bruni angebracht. Ernst posiert sie, die hübsche ewige Kokotte: “Life is too important not to hafe fun.”
Dann im Laden von ‘Wolford’. Schwarzes Leder, breite Gürtel, die Bodys kosten 300 bis 400 Euro, die anderen Dessousteile kaum weniger. Alles im dreistelligen Eurobereich. Hundehalsband, Katzenblick, rote Krallen, Sado-Maso-Anmutung überall. Bei ‘Triumph’ hängen silbern-gläserne Schlampen schon am Eingang ab. Endlose Schaufenster mit immer neuen entblößten Puppets.
Unterhemdenmädchen gibt es auch bei ‘Douglas’ und fast allen anderen weniger bekannten Parfumerien. Die Kundschaft ist durch die Bank weiblich. Frauen fühlen sich offenbar vom porn style magisch angezogen. Vor allem alleinstehende, ältere Frauen. Dagegen bleiben die ollen Männer mit ihren häßlichen halbrunden Hiphop Strickmützen lieber draußen im Freien, glotzen vielleicht mal auf die Pin Ups im Schaufenster, gehen aber ums Verrecken nicht hinein in das Geschäft. Nein, die Überflutung der westlichen Welt mit Reizwäsche haben allein die Frauen zu verantworten. Ich wende mich ab mit Grausen…

Morgen: Das Treiben auf der Praterstraße (Rotlichtbezirk).

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

CAPTCHA-Bild

*